Am vergangenen 4. September hatte die PubliGroupe noch einen Gewinn von rund 25 Mio. Franken für 2001 in Aussicht gestellt. Nun vermelden Sie einen 80-Mio.-Franken-Verlust allein im Online-Geschäft, wovon 63 Mio. auf die Kappe von RealMedia gehen. Was ist da falsch gelaufen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Anfangs September war ich noch von einem Verlust im Online-Geschäft von 50 Mio. Franken ausgegangen, was wir damals auch kommuniziert haben. Die zusätzlichen 30 Mio. haben sich u.a. dadurch generiert, dass sich die Verhandlungen im Hinblick auf den Verkauf von RealMedia länger als geplant hingezogen haben. Desweiteren hat RealMedia in der Zwischenperiode zwischen 2 und 3 Mio. Franken monatlich verloren. Und um den Deal mit der 24/7-Media-Gruppe unter Dach und Fach zu bringen, mussten wir eine grössere Summe für die Umstrukturierung der RealMedia zur Verfügung stellen, sowie eine weitere Finanzierung von max. 7.5 Mio. Dollar an Integrationskosten von RealMedia in die neue Gruppe abdecken. Das sind alles Beträge, die wir anfangs September noch nicht absehen konnten, die wir aber dieses Jahr vollständig abschreiben.
RealMedia ist per gestern in die amerikanische 24/7-Media-Gruppe integriert worden. Im Gegenzug hat die PubliGroupe eine Beteiligung von 15.6 Prozent an der 24/7 Media erhalten. Ein verkappter Rückzug der PubliGroupe aus dem Online-Geschäft?
Nein, das möchte ich so nicht sagen. RealMedia hat solo operiert, ist juristisch unabhängig und wurde als Solist verkauft. So gesehen ziehen wir uns zwar aus dem Solo-Geschäft zurück, aber nicht aus dem Online-Geschäft an sich. PPN, PubliPress, dass sind alles Unternehmen der PubliGroupe, bei denen das Online-Geschäft weiterhin zum Tragen kommt. Und mit den 15.6 Prozent an der 24/7 Media halten wir uns ja auch ein Türchen offen, sollte sich der Markt wieder erholen. Und das wird er sicherlich. Die neue Gesellschaft bildet eine echte Alternative zu Doubleclick. Nun haben wir die Chance, wenn auch mit einer Minderheit, weiterhin auf dem Markt präsent zu sein. Unser Ziel ist es, mit Hilfe des Online-Bereichs unsere traditionellen Zweige zu dynamisieren. Denken Sie doch an Projekte wie den Guichet virtuell, yellowpage online oder ähnliches. Yellowpage online wird in diesem Jahr übrigens einen Umsatz von 15 Mio. Franken generieren ein Onlinegeschäft also, das mehr als rentabel ist...
Konkret verlieren Sie aber die vollständige Kontrolle über RealMedia?
Ja, das ist so. Wir können als Minderheit zwar unser Interesse wahren, haben auch weiterhin den Zugriff auf die Technologie, die ja ursprünglich von RealMedia entwickelt wurde, aber die Kontrolle liegt ganz klar bei der 24/7-Media-Gruppe. Uns ging es aber vor allem darum, für unsere Verleger-Partner in und ausserhalb der Schweiz die weitere Nutzung der RealMedia-Dienstleistungen zu gewährleisten.
Was bedeutet der Deal für die auf dem Schweizer Markt tätigen Gesellschaften RealMedia AG und Publimedia webadvertising AG?
Eine gute Frage, die ich eigentlich bereits in meiner Pressemitteilung hätte abdecken sollen (lacht). In der Schweiz haben wir einen Sonderfall. Mit der Konsequenz, dass die PubliGroupe ab sofort 100-prozentige Besitzerin sowohl von der RealMedia Schweiz AG als auch von der Publimedia webadvertising AG ist. Wir waren ja schon bei beiden Unternehmen Mehrheitsaktionär und haben nun je das gesamte Aktienkapital übernommen.
In Ihrer Pressemitteilung sprechen Sie explizit die wirtschaftlichen Folgen der Ereignisse von 11. September an. In welchen Bereichen ist die PubliGroupe am stärksten betroffen?
Das muss man nuanciert betrachten. Ich kann Ihnen aber ein gutes Beispiel geben: In Amerika sind wir im Besitz einer Gesellschaft namens Custom Marketing Groupe, die vor allem im Tourismusbereich tätig ist. Und dort sind die Einnahmen im September und Oktober drastisch zurückgegangen. Und wenn ich drastisch sage, dann rede ich nicht von 10 Prozent, sondern von 60 oder 70 Prozent. Ein weiteres Beispiel ist die amerikanische Agenturgruppe Panoramic, die uns gehört. In Amerika war der Bereich Werbung ja schon vor dem 11. September stark eingebrochen. Mit dem 11. September hat sich die Situation verschärft und im Inflight-Magazinbereich ging dann fast gar nichts mehr. Als drittes Beispiel kann ich Ihnen die PPN-Groupe in Hongkong nennen, die ebenfalls einen starken Einbruch erlitten hat. Zwar sind seit Mitte Oktober wieder vermehrt Aufträge reingekommen, aber für eine genaue Prognose ist es noch zu früh.
Für die PubliGroupe sind nun diverse Kostensenkungsprogramme angesagt. Wie sehen diese konkret aus? Sie wollen ja bereits im nächsten Jahr wieder in die schwarzen Zahlen kommen...
Fürs erste haben wir für alle unserer Gesellschaften sowohl im Ausland als auch in der Schweiz einen Personalstopp ausgesprochen. Abgänge durch die normale Fluktuation werden nicht ersetzt. Diese bewegen sich normalerweise in einem Bereich von 15 bis 19 Prozent. Das Personal macht in einem Dienstleistungsbetrieb wie dem unseren rund zwei Drittel der Kosten aus ein hohes Sparpotential also. Bei Panoramic haben wir bereits eine starke Personalreduktion vorgenommen. Als wir die Agenturgruppe im letzten Jahr übernommen haben, waren dort rund 700 Personen tätig heute sind es noch 520. Dann sind wir natürlich auch vorsichtig, was neue Projekte und Acquisitionen angeht: Verzichtet wird auf alles, was nicht unbedingt notwendig ist und keine strategische Relevanz besitzt. Die Weisung ist klar: Kurzfristig wollen wir sowenig Investitionen als möglich machen.
Wie beurteilen Sie grundsätzlich die Entwicklung der Online-Werbung?
Dass die Banner-Werbung schon fast zur Vergangenheit gehört, darüber sind wir uns wohl einig. Wie die Online-Werbung aber mittelfristig aussehen wird, kann noch niemand sagen. Ich bin mir aber sicher, dass das Internet auch in Zukunft ein Medium sein wird, auf dem Werbung gemacht wird in welcher Form auch immer. Es war ja auch nicht das Internet oder der E-Commerce an sich, was in letzter Zeit in Frage gestellt wurde. Und das ist nicht nur eine virtuelle Statistik, sondern eine Tatsache. Momentan ist die Branche in einem Tal. Aber das wird sich schon bald wieder ändern. Als ich im Juni in China war, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie dort das World Wide Web boomt. Das Medium Internet wird sich zurückmelden und dann sind wir mit dabei.

