Die Archive des britischen Königshauses sind eigentlich streng behütet. So war auch ein Video aus den 30ern, das die spätere Queen beim Hitlergruss zeigt, nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Der Palast ist empört über den Zeitungscoup - und die Briten diskutieren.
Der Buckingham-Palast erwägt rechtliche Schritte gegen die Veröffentlichung eines Videos, das Queen Elizabeth II. als Kind beim Hitlergruss zeigt.
Der Königliche Haushalt habe bereits eine Untersuchung dazu in die Wege geleitet, wie der 17 Sekunden lange Schwarz-Weiss-Film aus den 1930er Jahren in die Hände der "Sun" gekommen sei, berichtete die Nachrichtenagentur PA.
Die britische Boulevardzeitung hatte das Dokument am Wochenenden online gestellt. Der Palast bestreitet nicht, dass es authentisch ist.
Die "Sunday Times" zitierte eine Palastquelle, derzufolge auch die Frage des Copyrights geprüft werde. Wenn der Vater der Queen, später König George VI., gefilmt habe, lägen die Rechte bei Elizabeth II. als seiner Nachfahrin. Möglich sei aber auch, dass das Filmmaterial zum Nachlass ihres Onkels Edwards gehört habe.
Den habe der Unternehmer Mohamed Al Fayed gekauft und später versteigern lassen. "Die zweite Frage ist, ob irgendeine kriminelle Aktivität im Spiel war", zitiert die "Sunday Times" den Palast-Insider.
Offiziell hatte der Palast mitgeteilt, es sei "enttäuschend", dass der offensichtlich private Film "beschafft und auf diese Weise ausgeschlachtet wurde". Die "Sun" betont, auf legitimem Wege an das Material gekommen zu sein.
Das Video sei von "grossem kulturellen, historischen und allgemeinen Interesse", sagte der leitende "Sun"-Redakteur Stig Abell dem Sender Sky News.
Minister bestätigt öffentliches Interesse
Grossbritanniens Minister für Medien zeigte Verständnis für den Ärger der Royals. Er könne "in diesem bestimmten Fall" nachvollziehen, warum der Palast aufgebracht sei, sagte John Whittingdale der BBC.
Es liege aber im Ermessen der Presse zu entscheiden, was veröffentlicht werden solle. "Sie haben entschieden, dass es da eindeutig ein öffentliches Interesse gab, und die britische Öffentlichkeit wird entscheiden, ob sie Recht hatten oder nicht."
Zahlreiche Kommentatoren riefen dazu auf, das Video im historischen Kontext zu sehen. In den frühen 30er Jahren habe niemand den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg kommen sehen, schrieb der Historiker und Journalist Tim Stanley im "Telegraph".
Andere hoben hervor, dass es damals durchaus üblich gewesen sei, sich über Hitler und die Nazis lustig zu machen und erinnerten an den Film "Der grosse Diktator" von Komiker Charlie Chaplin.
Historiker kritisierten aber auch, dass der Palast seine Archive aus den 30er Jahren verschlossen halte und kaum Forschung über diese Zeit zulasse. (sda)

