06.08.2001

Radio Z entthront Radio 24

Radio 24 ist nicht mehr "d'Nummere 1 vo Züri": Erstmals weist Radio Z einen höheren Marktanteil aus als Roger Schawinskis einstiger Piratensender. Was die Publica Data bis Ende August unter dem Hut halten wollte, war am Montag in der Pendlerzeitung 20Minuten zu lesen. Diese hatte die Zahlen zugespielt bekommen.
Radio Z entthront Radio 24

"Wenn ich unsere Zahlen anschaue, geht es mir so gut wie noch nie. Leider sind diese nur für den internen Gebrauch. Ich wollte, ich dürfte mehr dazu sagen". Dies meinte ein beschwingter Christoph Romer anfangs Mai gegenüber "persoenlich.com". Kein Wunder, ging es dem Programmleiter von Radio Z damals so blendend. Hatte er doch erstmals einen Beweis dafür in der Hand, dass sein Sender dem Erzrivalen von der Limmatstrasse den Rang ablaufen könnte. Seit Montag sind die Zahlen auch extern bekannt: Radio Z ist mit einem Marktanteil von 2.9 Prozent das stärkste Privatradio der Deutschschweiz. Und verweist Radio 24 mit 2.7 Prozent erstmals auf Rang 2.

Wer schliesslich dafür sorgte, dass die von der SRG-Tochter Publica Data erhobenen Hörerzahlen für die ersten sechs Monate dieses Jahres bereits jetzt durchsickerten, konnte "persoenlich.com" nicht in Erfahrung bringen. Andy Fischer von 20Minuten, dem die Zahlen zugespielt worden waren, wollte verständlicherweise nicht einmal sagen, ob sich die undichte Stelle bei Radio 24 oder aber Radio Z befindet. Beide Sender hatten die Zahlen schon seit längerer Zeit auf dem Tisch, die am 30. August im Rahmen der RadioDay 2001 Medienkonferenz auch an die Journalisten abgegeben werden – mit einer Sperrfrist bis zum 1. September, für die jeder Medienvertreter eine Erklärung unterzeichnen musste.

Dass die Spitzenposition von Radio 24 gefährdet war, war hingegen schon länger bekannt. Denn unbestritten ist, dass die alte Messmethode starke und bekannte Marken wie Radio 24 bevorteilte. Jahrelang hatte es der Publica Data AG genügt, mit Befragungen aufzuzeigen, welche Radiosender Herr und Frau Schweizer wie (oft) hören. Mit "Radiocontrol" wendete das Marktforschungsinstitut nun nach einem Testlauf im letzten Jahr erstmals ein elektronisches Radiomesssystem an. In der ganzen Schweiz tragen wöchentlich 783 ausgewählte Personen eine Uhr, um das Konsumverhalten herauszufiltern. Insgesamt kommen so jährlich 41'000 verschiedene Hörerverhalten zusammen – mehr als doppelt so viel wie bis anhin. Mit der Konsequenz, dass es jetzt zur Umverteilung an der Spitze kam.

Dies natürlich auch zur grossen Freude von Radio Z-Chefredaktor Sascha Rhyner, der sich jedoch nicht erklären kann, wo die Zahlen durchgesickert sind. Für sich selber lege er die Hand in Feuer, wie er gegenüber "persoenlich.com" lachend versicherte. Warum Radio Z seinen Erzrivalen Radio 24 überflügeln konnte, glaubt er hingegen erklären zu können. Rhyner sagt: "Dadurch, dass Radio Z immer nur auf Platz 2 war, mussten wir umso härter an uns arbeiten. Es ist wie im Sport: Es ist einfacher, hinterher zu jagen als die Pole Position zu halten und nicht zu wissen, was im Rücken passiert."


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