23.04.2008

toxic.fm

Radiostation mit temporärem Grounding

Personelle Unterbesetzung führt zu Sendepause.

Das St. Galler Lokalradio toxic.fm wird in kürze für ein paar Wochen seinen Betrieb unterbrechen. Wie Recherchen von "persoenlich.com" ergaben, versucht der Jugendsender auf diese Weise die personelle Unterbesetzung auf Kaderstufe zu überbrücken. Bereits wurde eine Anfrage für eine zweimonatige Programmpause beim BAKOM eingereicht. Die Hintergründe:

Bei toxic.fm herrscht grosse Unruhe. Wegen zahlreichen personellen Wechseln und einer chronischen Unterbesetzung des toxic-Leitungsteams, muss der St. Galler Sender für ein paar Wochen das moderierte Programm einstellen. Über diese Massnahme wurde am Montagabend das gesamte Mitarbeiter-Team informiert.

Der kürzlich neu ernannte Programmleiter und Geschäftsführer Andy Stadelmann begründete die Zwangspause mit einer aktuell "unbefriedigenden Situation, unter welcher der geordnete Tagesbetrieb, die Ausbildung und nicht zu letzt das Programm leiden würden". Um aus der Negativspirale wieder hinauszukommen, benötige toxic.fm nun eine "Verschnaufpause".

Eine Unterbrechung des Programms wolle man aber in einem "vertretbaren Rahmen" stattfinden lassen, wie Stadelmann gegenüber dem Team ausführte. So wird der Sender nicht ganz verstummen, während der Programmpause wird Non-Stop-Musik ausgestrahlt. Wie lange die Redaktion und Moderation von toxic.fm Zwangsurlaub machen muss, ist noch nicht klar. Von der Massnahme betroffen sind insgesamt sieben Festangestellte, zwölf Auszubildende, etwa fünfzehn Abendprogramm-Macher und zirka fünf freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Projektteam verhandelt mit BAKOM

Wie "persoenlich.com" weiss, ist in St. Gallen nun ein Projektteam daran, den Umfang und die Dauer der geplanten Programmeinstellung zu bestimmen. Das Notfallteam setzt sich aus der Geschäftsführung von toxic.fm, den Ressortleitern und zwei Vertretern des Stiftungsrates zusammen. Auf diese Weise will man "eine langfristige Genesung" des Tagesbetriebs herbeiführen.

Wie das Bundesamt für Kommunikation BAKOM gegenüber "persoenlich.com" bestätigt, steht Biel mit der St.Galler Projektgruppe in Kontakt. Laut BAKOM-Sprecherin Caroline Sauser verlangt toxic.fm einen Programmunterbruch von zwei Monaten. Erfreut ist man beim BAKOM über diese Anfrage nicht. Weshalb das Bundesamt dem Lokalradio auch nur eine Sendepause von 30 Tagen einräumen möchte.

Das Ausbildungsradio wird seinen redaktionellen Betrieb zudem nicht völlig einstellen können: "Wie verlangen, dass der Sender täglich während einer Stunde ein aktualisiertes Informationsprogramm sendet.“ Wie BAKOM-Sprecherin Sauser weiter sagt, hält Biel an dieser Auflage fest, da in der toxic-Konzession ein spezieller Ausbildungsauftrag festgeschrieben sei und der Sender dafür auch Geld erhalte. Die Verhandlungen zwischen Biel und St. Gallen dauern zurzeit an.

Auch toxic-Gründer Michael Rohmeder bestätigt auf Anfrage, dass mit dem BAKOM über Umfang und Dauer der vorübergehenden Programmreduktion zurzeit Gespräche geführt werden: "Kern der Massnahme ist eine Reduktion, nicht eine Unterbrechnung des Programms, um durch die dadurch frei werdende Zeit den Sender neu aufzustellen und für die neue Konzession fit zu machen", so Rohmeder gegenüber "persoenlich.com". Von Zwangsurlaub möchte das toxic-Stiftungsratsmitglied nicht sprechen. Die Programmreduktion werde von den Angestellten für Projektarbeiten genutzt werden, um den Sender neu aufzustellen.

Restart mit komplettem Team

Ziel der Sendepause ist es laut Stadelmann, "dass ein komplettes Team und motivierte Mitarbeiter wieder mit Spass arbeiten können". Offenbar ist der Spass seit einiger Zeit dem Stress und Chaos gewichen. Nur gerade einen Monat hielt es die frühere Geschäftsleiterin des Privatsenders, Nathalie Häusler, aus ("persoenlich.com" berichtete). Wie "persoenlich.com“ weiss, hat sich nun auch Oliver Flückiger gegen die angebotene Stelle als betriebswirtschaftlicher Leiter entschieden.

Weil die neuen Musikverantwortlichen erst im Mai bzw. August ihre Arbeit aufnehmen ("persoenlich.com" berichtete) und zudem ein neuer Moderationsleiter gefunden werden muss ("persoenlich.com" berichtete), hat sich der Sender nun also für das temporäre Grounding entschieden. Mit wie vielen Werbeausfällen das Ausbildungsradio dabei rechnet, wollte am Dienstag niemand beantworten. Das Sendekonzept von toxic.fm soll nach dem Restart in seinen Grundzügen aber dasselbe bleiben.

(Text: Mark Baer)


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