12.02.2002

Metropol

Rätseln um mögliche Einstellung der Schweizer Ausgabe

Der CEO von Metro International, Pelle Törnberg, sagte am Montag in einem Interview mit der Financial Times (FT), sein Unternehmen könnte schon dieses Jahr die Gewinnzone erreichen. Voraussetzung sei allerdings, dass zwei oder drei der inzwischen 21 Städte-Ausgaben aufgegeben und die kostspielige Expansion gestoppt würde. Die FT glaubt, es werde eine Schliessung des Standorts Zürich in Betracht gezogen. "persoenlich.com" hat nachgefragt. Das Ergebnis: Ein beunruhigendes "No comment" von (fast) allen Seiten.

Robert Gustavsson, Zürcher Geschäftsführer von Metropol, ist nicht erreichbar. Er sei bis Ende Woche in Rom und fahre danach in den Urlaub, heisst es am Dienstag gegenüber "persoenlich.com". Sein Stellvertreter Jacob Söderbaum will sich nicht äussern und verweist zum CEO nach London. Pelle Törnberg aber ist ebenfalls unterwegs, und man weiss nicht, wann er zurückkommt. "Er hat seine Route in den vergangenen Tagen wiederholt geändert", so die telefonische Auskunft der Assistentin. Das gleiche gelte für COO Jens Torpe, der Senior Vice President ist und als Törnbergs Stellvertreter genannt wird. "Nein, ich wüsste nicht, mit wem Sie sonst bei uns sprechen könnten", meint die freundliche Dame in London weiter. Man solle sich doch an die Kommunikations- und Marketingberatung Shared Value wenden, welche Metro International gegenüber der Öffentlichkeit vertritt. Doch auch dort sind nur Telefonistinnen erreichbar.

Immerhin: Sechs Stunden später ruft Matthew Hooper, Managing Partner von Shared Value, zurück. "Das ist eine Spekulation der FT", meint er zur Frage eines Rückzugs aus der Schweiz, "das kommentieren wir nicht." Metro International werde am kommenden Dienstag ihr Jahresergebnis präsentieren, weshalb sich die Firma gegenwärtig in der "Close Period" ? einer gesetzlich auferlegten Schweigeperiode ? befinde. Auch deshalb könne er nichts sagen.

Aufklärung verschafft schliesslich Wolfram Meister, Chefredaktor der Schweizer Ausgabe von Metropol - zumindest teilweise. Das Londoner Kader sei in Paris, wo sich kurz vor dem Launch eines neuen Titels Schwierigkeiten mit französichen Gewerkschaften ergeben haben. Bezüglich einer Einstellung von Metro Schweiz weiss Meister allerdings nichts. "Mit solchen Spekulationen bin ich fast täglich konfrontiert. Damit muss man leben." Dass als Quelle gerade die renommierte Financial Times fungiert, mache vielleicht etwas stutzig: "Die FT ist schon eine andere Kategorie - aber wir machen weiter." Denn das Budget für das neue Geschäftsjahr sei von der Konzernleitung genehmigt worden, zudem sei Jacob Söderbaum kürzlich nach Zürich gezogen. "Das betrachte ich als positive Zeichen."

Wird aber Metropol Schweiz das immer wieder genannte Ziel, binnen drei Jahren profitabel zu werden, erreichen können? Wenn man die generelle Situation im Anzeigenmarkt betrachte, dann könnte das wohl schwierig werden, meint Meister. Und beschwichtigt sogleich: "Das korrigierte Anzeigen-Budget für den Januar konnten wir übertreffen. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass wir einen grossen Konzern im Rücken haben." Es gehe deshalb gegenwärtig auch nicht in erster Linie um Geld, sondern um die Gesamtstrategie. "Unser Ableger Kopenhagen ist beispielsweise über Erwarten erfolgreich. Solche Titel ermöglichen eine Umverteilung zu denen, denen es noch nicht so gut läuft." Hinzu kämen Synergieeffekte - etwa durch eine gemeinsame Nachrichtenbeschaffung.


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