17.12.2015

Werbeallianz

Reaktionen der Zeitungen auf den Weko-Entscheid

Die Kommentare reichen von "gutes Zeichen" bis "ordnungspolitischer Sündenfall".
Werbeallianz: Reaktionen der Zeitungen auf den Weko-Entscheid

Der Weko-Entscheid zum Werbe-Joint-Venture von Swisscom, SRG und Ringier löste in der Branche grosses Echo aus. Gleich mehrere Zeitungen widmeten sich am Donnerstag dem Thema, so zum Beispiel der "Blick", wo Noch-Chefredaktor René Lüchinger persönlich in die Tasten griff und seinen Kommentar prominent auf den ersten Seiten platzierte.

Für den "Blick" ein gutes Zeichen

Der Weko-Entscheid sei ein "gutes Zeichen". Der Abfluss an Werbegeldern ins Ausland müsse durch die Bündelung der inländischen Kräfte zumindest verlangsamt werden, schreibt Lüchinger, wobei er das Werbe-Joint-Venture, bei dem sich sein Arbeitgeber Ringier an vorderster Front beteiligt, als "eine Art Schweizer Medienreduit" bezeichnet. "Die Zukunft der Medienvielfalt wird an der Aussenfront entschieden – nicht im inländischen Stellungskrieg", so Lüchinger.

Von einer "Niederlage für die Verlagshäuser und private TV- und Radioanbieter", schreibt der "Tages Anzeiger". Nun liege es an Doris Leuthard, die als einzige das Projekt noch stoppen oder einschränken könne.

Private würden verdrängt 

Für die NZZ ist das Weko-Urteil stimmig und nachvollziehbar. Denn "aus betriebswirtschaftlicher Sicht der betroffenen Unternehmen ergibt die Kooperation Sinn und sie dürfte wettbewerbsrechtlich unproblematisch sein", schreibt Autor Jürg Müller. Nun müsse aber die Politik handeln. Denn abgesehen von der wettbewerbsrechtlichen Beurteilung sei das Joint Venture der "beiden bundesnahen Kolosse mit Ringier als Feigenblatt" grundsätzlich "ein ordnungspolitischer Sündenfall".

"Bisher waren Werbeeinnahmen ein zentraler Pfeiler der Finanzierung von Medienhäusern. Wenn nun die staatlich beeinflussten Unternehmen mit geballter Macht die Finanzierungsgrundlage der privaten Firmen unterminieren, ist die Gefahr der Verdrängung durchaus real“, schreibt die NZZ.

Es stünden staatspolitische Grundsätze und die Medienvielfalt auf dem Spiel. Deshalb müsse man sich bei der noch laufenden rundfunkrechtlichen Überprüfung in Erinnerung rufen, dass "ordnungspolitische Prinzipien nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch im politischen Alltag ihren Platz verdienen". (eh)


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