12.05.2025

investigativ.ch

Recherche-Netzwerk präsentiert kreative Formate

Am vergangenen Freitag fand in Bern die Jahreskonferenz des Recherche-Netzwerks investigativ.ch statt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto «Investigativjournalismus neu denken» und markierte gleichzeitig das 15-jährige Jubiläum des Vereins, der 2010 gegründet wurde.
investigativ.ch: Recherche-Netzwerk präsentiert kreative Formate
Eric Burnand und Denise Brechbühl Díaz präsentierten journalistische Recherchen als Comic. (Bild: zVg/Raphael Hünerfauth)

Im Fokus der Konferenz standen innovative Erzählformen und kreative Ansätze im Recherchejournalismus. In verschiedenen Werkstattgesprächen und Workshops wurden neue Formate präsentiert. Jake Rees vom Center for Investigative Journalism in London stellte sein Projekt «Center for Artistic Inquiry and Reporting» vor, das künstlerische Methoden in der Recherche einsetzt.

Die Nutzung von Comics als journalistisches Medium wurde von zwei Fachjournalisten vorgestellt: Eric Burnand, der einen Comicband über eine Spionageaffäre im Kalten Krieg erstellte, und Denise Brechbühl Díaz, die eine Recherche zum Thema Prostitution und Gewalt als Comic veröffentlichte.

Videoformate von RTS und Reflekt

Neuartige Videoformate, die das Publikum in den Rechercheprozess einbeziehen, waren ein weiterer Schwerpunkt. Cécile Tran-Tien von RTS präsentierte ihr Videoformat «Vraiment», das den Rechercheprozess transparent macht und das Publikum zur Mitarbeit einlädt. Christian Zeier vom Team Reflekt zeigte, wie umfangreiche Recherchen in humorvolle Kurzvideos umgesetzt werden können.

OSINT-Spezialist Derek Bowler, Head of Social Newsgathering bei Eurovision News, bot einen Workshop zu aktuellen Methoden der Open-Source-Intelligence und dem Einsatz künstlicher Intelligenz an.

Eine abschliessende Podiumsdiskussion thematisierte die Frage, welche Formate sich für bestimmte Recherchen am besten eignen. Teilnehmer waren Camille Krafft (Blick Romandie), die nach mehreren Artikeln zum Thema Wolf ein Buch veröffentlichte, Michael Bolliger (SRF Investigativ), verantwortlich für Schnitt und Storytelling-Konzepte, sowie Boris Gygax (Tamedia), der sich mit vektorenübergreifendem Storytelling beschäftigt.

«Wir sind auch Watchdog für den Journalismus selbst»

investigativ.ch-Gründungsmitglied Martin Stoll blickte in seiner Ansprache auf die Entwicklung des Investigativjournalismus in der Schweiz zurück und betonte die Rolle des Vereins: «Wir sind nicht nur Watchdog für die Mächtigen, wir sind auch Watchdog für den Journalismus selbst.»

Der Verein investigativ.ch setzt sich für bessere Recherchebedingungen ein, fördert investigativen Lokaljournalismus durch finanzielle Unterstützung und organisiert regelmässig Veranstaltungen zu praxisnahen Themen. (pd/nil)


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