06.05.2025

Journalisten-Barometer

Redaktionelle Qualität unter Spardruck

Trotzt Einsparungsmassnahmen haben Schweizer Journalistinnen und Journalisten nach wie vor hohe Ansprüche an ihre Tätigkeit, wie eine Studie zeigt.

In Zusammenarbeit mit Farner | Team Farner hat das digitale Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent vom 3. bis 16. März 2025 über 500 Medienschaffende im DACH-Raum, darunter 168 Journalistinnen und Journalisten aus der Schweiz, mittels CAWI (Computer Assisted Web Interviews) befragt. Die Ergebnisse der Studie wurden am Dienstag bekanntgegeben.

Auf die gesellschaftsrelevante konkrete Frage, was die Schweizer Medien gegen die zunehmende Polarisierung tun könnten, nennen beispielsweise über 85 Prozent eine sachliche und faktenbasierte Berichterstattung sowie die Aufdeckung von Fake News. Drei von vier sprechen sich für eine Vermeidung von Sensationsjournalismus aus, heisst es in einer Mitteilung.

Ihre Alltagsrealität beschreiben die Befragten aber im gesamten DACH-Raum anders: 77 Prozent aller befragten Journalistinnen und Journalisten beklagen, dass die Einsparungsmassnahmen ihnen nicht erlaubten, journalistische Standards einzuhalten. Und jeder dritte Schweizer Journalist gibt zu, dass sich die Bedeutung der Seriosität in der Arbeitsweise eher verringert hat.

Medien beeinflussen gesellschaftliche Trends

Ihre Wirkungsmacht sieht die Mehrheit der Befragten als gross. Knapp 95 Prozent bezeichnen den Journalismus als Kraft, welche bewusst oder unbewusst gesellschaftliche Trends beeinflussen kann, wie es weiter heisst. Eine überwiegende Mehrheit (92 Prozent) ist zudem der Meinung, dass sie einen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten kann. Stellt man die kritische Frage, ob Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz bewusst Trends beeinflussen sollen, bemühen sich die Befragten um Zurückhaltung: 65 Prozent sagen «eher nicht» oder «nein, auf keinen Fall». Etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) findet, Fakten müssen im Vordergrund stehen, persönliche Standpunkte dürfen aber situativ mitschwingen.

Print und Radio haben kaum noch Einfluss

Über 90 Prozent der Schweizer Journalistinnen und Journalisten geben an, dass die Print-Medien an Relevanz verloren haben. Rund 70 Prozent sehen einen Bedeutungsverlust beim Fernsehen und fast 60 Prozent beim Radio. Hingegen gewinnen nach Meinung der Journalistinnen und Journalisten Social Media (fast 85 Prozent), Online und digitale Plattformen (mehr als 75 Prozent) sowie Podcasts (fast 80 Prozent) an Gewicht. Der Bedeutungsverlust klassischer Medien schlägt sich auch auf die Prägung der öffentlichen Meinung nieder. 77 Prozent sehen die sozialen Medien heute an der Spitze der meinungsmachenden Medien und 70 Prozent die digitalen Plattformen. Das Fernsehen hat aus Sicht von knapp der Hälfte weiterhin prägenden Einfluss auf die öffentliche Meinung (48 Prozent), Printmedien dagegen nur noch aus Sicht von rund 40 Prozent. Deutlich abgeschlagen ist das Radio, nur 25 Prozent trauen ihm heute noch Deutungshoheit zu.

Für viele immer noch ein Traumberuf

Trotz aller Herausforderungen: Mehr als jeder zweite Schweizer Befragte ist optimistisch, dass die Arbeitsplätze sehr oder eher sicher sind. Und wer noch im Beruf tätig ist, arbeitet aus Leidenschaft, stellt das Journalistinnen- und Journalisten-Barometer fest. 63 Prozent bezeichnen ihren Job als Traumberuf. (pd/awe)

 


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