Die NZZ hat sie bereits eingeführt, "Tages-Anzeiger" und "Blick" diskutieren darüber: die Paywall. Im Blog auf persoelich.com äussert Roger Schawinski die Vermutung, dass Bezahlmodelle in der Schweiz zu einem "Reinfall" werden. Die NZZ wolle "keine verlässlichen Zahlen über die mit der Bezahlschranke generierten Einnahmen veröffentlichen, sodass völlig wiedersprüchliche Zahlen kursieren", kritisert der TV-Pionier. Der Tagi und der "Blick" würden den Lancierungstermin der Bezahlschranke wegen der komplexen Technik nicht einhalten. Die jahrzehntelange Sünde der Gratismentalität im Internet habe die Blätter in die Situation gebracht, dass das Einführen der Schranke nun harze. Ringier und Tamedia verlegen die beiden grössten kostenlosen Pendlerzeitungen - "damit fördern sie also genau jene Gratismentalität, die sie jetzt bekämpfen wollen". Der Feind sitze damit im eigenen Haus. Das Denken und Handeln von früher sei schlicht voreilig gewesen und entpuppe sich jetzt als totale Fehlleistung, so Schawinski weiter.
In der Montagsausgabe des Tages-Anzeigers antwortet nun Edgar Schuler, Ressortleiter Zürich und Region, an prominenter Stelle auf Schawinskis "persönlich"-Kolumne. Er bezeichnet dessen Worte als "billigen Rat". Gratisinhalte auf dem Netz seien kein Sündenfall, so Schuler. Ob die Bezahlmodelle die gewünschten Einnahmeausfälle auszugleichen vermögen, sei noch ungewiss. "Solche Unwägbarkeiten aber locken Experten an wie Speck die Mäuse", meint der Tagi-Journalist. Wo Fakten dünn seien, würden sich Meinungen schnell verbreiten. Jene von Schawinski sei nicht originell. Interssant findet Schuler jedoch, dass ausgerechnet Schawinski die Gratismentalität anprangert, wo er dieser seine Medienkarriere doch verdanke. Alle Sender und Sendungen des Fernsehtalkers seien schliesslich von jeher gratis zu empfangen. Bei der Einführung einer Paywall ginge es in erster Linie darum, ein nicht oder nicht mehr bestehendes Geschäftsmodell in ein neues zu übertragen. (set)
Symbolbild: Keystone

