Republik leitet eine Untersuchung ein

#MediaToo - Die Republik-Führung nimmt aktuell Stellung zu den Vorwürfen sexueller Belästigung gegen einen freigestellten Reporter. Eine externe Expertin wird sein Verhalten, aber auch die Betriebskultur untersuchen. Geschäftsleitung und Chefredaktion üben Kritik an der früheren Spitze.

Eine Woche nachdem die Vorwürfe sexueller Belästigung gegen einen Journalisten öffentlich wurden, wendet sich die Republik-Führung mit einem ausführlichen Beitrag in eigener Sache an die Leserinnen und Leser. Das Onlinemagazin zeigt sich selbstkritisch und schreibt: «Wir haben versagt. Solche Vorfälle sind nicht akzeptabel, und dennoch sollen sie stattgefunden haben in unserem Haus. Wir müssen den Ursachen für unser Versagen auf den Grund gehen.»

Die Republik will rasch und gut aufarbeiten, was geschehen ist. Dazu wird eine Untersuchung eingeleitet, die voraussichtlich kommende Woche startet, wie es im Beitrag, der am Freitag mit dem Newsletter verschickt wurde, heisst. Eine externe Spezialistin soll nicht nur das Verhalten der beschuldigten Person, sondern auch die Governance der Republik und die Verantwortung der Führungspersonen überprüfen. Auch die Wochenzeitung (WOZ), bei der der beschuldigte Journalist vor seiner Zeit bei der Republik tätig war, hat eine Untersuchung eingeleitet (persoenlich.com berichtete).

Die jetzige Führungsriege der Republik ist erst seit Kurzem im Amt. Katharina Hemmer und Amanda Strub haben die Co-Geschäftsleitung im Herbst 2022 zuerst ad interim und per Ende Jahr fix übernommen (persoenlich.com berichtete). Erst seit April bilden Bettina Hamilton-Irvine und Daniel Binswanger offiziell die Co-Chefredaktion (persoenlich.com berichtete).

Kritik an Einstellungsentscheid

In ihren Zeilen in eigener Sache verweisen die vier denn auch auf die frühere Führung. Sie verweisen auf Indizien für Fehler bei der Einstellung der beschuldigten Person. Damals habe sich eine Republik-Mitarbeiterin, die von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung wusste, gegen diese Einstellung gewehrt. Die damalige Redaktions­leitung sei zum Schluss gekommen, dass die Vorwürfe nicht belegt seien und einer Einstellung deshalb nichts im Wege stehe.

«Aus heutiger Sicht erscheint dies nur schwer nachvollziehbar», schreibt die aktuelle Führung in der Stellungnahme. «Hat man der Angelegenheit die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie hätte bekommen müssen, oder waren die Abklärungen zu oberflächlich? Wollte man die Diskussionen so schnell wie möglich beenden?» Es stellten sich hier unangenehme Fragen, auch zum Verhalten der damaligen Leitung. Im Rahmen der Untersuchung müssten diese Fragen aus unabhängiger Warte geklärt werden.

Zugang zu Dokumenten

Im Hinblick auf die Untersuchung hofft die Republik auf Zugang zu weiteren Informationen und Dokumenten und verweist dabei auf die SRF-Recherche von Salvador Atasoy und Oliver Kerrison (persoenlich.com berichtete). Die beiden Journalisten konnten mit einem Teil der Betroffenen Gespräche führen und verfügen über Chatverläufe mit Textnachrichten sowie über Screenshots. (wid)