Susanne Wille, lange Zeit sah es danach aus, als könnte die SRG-Initiative angenommen werden. Wie gross war am Sonntag die Erleichterung, als klar war, dass sie abgelehnt wird?
Aufatmen konnten wir erst, als die ersten Trends und Hochrechnungen deutlich machten, wie klar das Resultat wird. Ich freue mich nun sehr, dass sich die klare Mehrheit der Stimmbevölkerung für eine starke, regional verankerte und digitale SRG mit einem Vollprogramm ausgesprochen hat. Direktdemokratische Entscheide sind der Kern unserer Schweizer Demokratie. Wir haben uns deshalb von Anfang an dafür engagiert, den Mehrwert der SRG für die ganze Schweiz sichtbar zu machen.
Mit 62 Prozent Nein-Anteil fällt das Ergebnis klar aus. Erwarten Sie, dass nun etwas Ruhe einkehrt und der politische Druck auf die SRG nachlässt?
Das Abstimmungsresultat ist ein deutlicher Vertrauensbeweis. Das bekräftigt uns darin, weiter nah bei den Menschen zu bleiben, sprachregional, aber auch im digitalen Raum. Der Druck bleibt dabei hoch, denn die Politik hat uns ja so oder so einen harten Sparkurs vorgegeben. Wir setzen diesen Auftrag seit bald einem Jahr mit unserem Transformationsprojekt «Enavant» um. Diesen Weg führen wir konsequent fort.
Vor acht Jahren konnte die SRG den Rückenwind der deutlichen Ablehnung der «No Billag»-Initiative nicht nutzen. Was unternehmen Sie, dass das Unternehmen nach dem erneuten klaren Verdikt an der Urne nicht wieder in die Defensive gerät?
Am Sonntag ist ein wichtiger Entscheid gefallen. Die Initiative ist in allen Sprachregionen und in allen Kantonen abgelehnt worden. Dies ist ein starker Vertrauensbeweis für die SRG. Wir werden den Dialog mit dem Publikum weiterhin intensiv pflegen und aufzeigen, welche Bedeutung die SRG für die Schweiz und die Schweizer Medienlandschaft hat.
Bundesrat Albert Rösti sagte nach der Abstimmung, die Ja-Stimmen müssten ernst genommen werden. Verstehen Sie das auch als Auftrag an die SRG? Was gedenken Sie in diesem Sinne zu unternehmen?
Nach dem klaren Entscheid vom Wochenende ist mir wichtig: Die deutliche Mehrheit der Schweizer Stimmbevölkerung will einen starken medialen Service public. Diesen Auftrag des Stimmvolkes – unser Auftrag ist ja auch in der Verfassung festgehalten – werden wir weiterhin mit Engagement erfüllen. Und wir bleiben weiterhin im Austausch mit allen, die uns unterstützen und mit jenen, die Kritik anbringen.
Die SRG befindet sich mitten in einem Reformprozess. Werden Sie in diesem Rahmen bereits mit Sport und Unterhaltung zurückfahren, wie der Bundesrat dies in der neuen Konzession festschreiben will?
Der grosse Vertrauensbeweis der Schweizer Stimmbevölkerung für ein Vollprogramm mit Information, Sport, Unterhaltung, Bildung und Kultur, motiviert und bestärkt uns. Denn der Bundesrat hat uns ja einen Sparauftrag gegeben, den wir in Form einer unternehmensweiten Transformation umsetzen, und die uns bereits jeden Tag beschäftigt. Dabei stellen wir uns neu auf und werden in den nächsten drei Jahren unsere Strukturen anpassen, schlanker und beweglicher werden, das Angebot schärfen und die Digitalisierung weiter vorantreiben. Sobald die nächsten Schritte verabschiedet sind, werden wir – wie wir es bis anhin gemacht haben – wieder transparent informieren.
Was nehmen Sie aus dem Abstimmungskampf mit für Ihre künftige Arbeit?
Sehr viel. Ich habe in den letzten Monaten immer wieder Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen geführt, war im ganzen Land unterwegs, war in allen Sprachregionen präsent und habe mich mit einer Vielzahl an Meinungen zur SRG, mit Lob, mit Kritik auseinandergesetzt. Das hat mich in meinem Antrittsversprechen bestätigt, dass die SRG auch zuhören will und muss und der Austausch entscheidend ist. Ich nehme zudem mit, dass wir auch weiterhin im Dialog mit dem Publikum stehen wollen und nah bei den Menschen bleiben, sprachregional, aber auch im digitalen Raum. Das deutliche Nein des Schweizer Stimmvolkes gibt uns dafür zusätzlichen Rückenwind.

