20.10.2013

SRG

Roger de Weck soll Frauen aus der Geschichte gekippt haben

Projekt "Die Schweizer" geht auf Ingrid Deltenre zurück
SRG: Roger de Weck soll Frauen aus der Geschichte gekippt haben

 Im Ursprungskonzept für die heftig in der Kritik stehende SRG-Geschichtsreihe "Die Schweizer" waren Frauen als tragende Figuren der Schweizer Geschichte eingeplant. Das zeigen Recherchen der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Inspiriert von der ZDF-Reihe "Die Deutschen" gab die damalige SF-Direktorin Ingrid Deltenre 2008 dem damaligen SF-Chefredaktor Ueli Haldimann den Auftrag, eine TV-Serie über Schweizer Geschichte zu konzipieren. Haldimann plante zehn Folgen: 1'000 Jahre Schweizer Geschichte bis ins Jahr 1900. Gesendet werden sollte die Reihe übers Jahr verteilt jeweils am Sonntagabend. Vorgesehen waren auch Folgen mit Frauen als Hauptfiguren. Auf einer internen Liste mit den Protagonisten für die TV-Serie figurierten Namen wie jener von Künstlerin Sophie Taeuber-Arp oder Malerin Angelika Kauffmann, die 1768 zu den Gründungsmitgliedern der bis heute bedeutendsten britischen Kunstinstitution Royal Academy gehörte, wie die "Schweiz am Sonntag" schreibt. 

Projekt von zehn auf vier Doku-Folgen reduziert
Als Ende 2009 zuerst Deltenre und ein Jahr später auch der inzwischen zum Übergangsdirektor beförderte Haldimann SRF verliessen, lag das Projekt vorerst auf Eis. Roger de Weck nahm das Projekt 2011 als frischgewählter SRG-Generaldirektor wieder auf ­­– und strich die Frauen aus der 5,2 Millionen Franken teuren Doku-Fiction-Produktion. "Die Reduktion von zehn auf vier Folgen erfolgte aus Kostengründen, den Entscheid fällte die Geschäftsleitung unter Roger de Weck", bestätigt SRG-Sprecher Iso Rechsteiner. Diesem pikanten Sparentscheid fiel auch Frauenrechtlerin Meta von Salis zum Opfer, was die Verteidigungsstrategie von SRG-Projektleiter Mariano Tschuor untergräbt, der vergangene Woche im Interview mit persoenlich.com sagte, das neue Konzept fokussiere auf "Wendepunkte der Schweizer Geschichte im 14., 15. und 19. Jahrhundert" und in dieser Phase habe "keine Frau belegbaren Einfluss auf die Schweizer Geschichte gehabt". Meta von Salis lebte im 19. Jahrhundert.

Männerlastige SRG-Direktion als eigentlicher Skandal
Die umstrittene, inzwischen heftig diskutierte Streichung der Frauen aus der Schweizer Geschichte, gegen die in der "Schweiz am Sonntag" ehemalige Nationalratspräsidentinnen wie Judith Stamm (CVP) und Pascale Bruderer (SP) ebenso protestierten wie die amtierende Präsidentin Maya Graf (Grüne), wirft ein Schlaglicht auf die SRG-Geschäftsleitung um Generaldirektor Roger de Weck. "Dass eine öffentlich-rechtliche, gebührenfinanzierte Institution wie die SRG im Jahr 2013 nur von Männern geführt wird, ist der eigentliche Skandal", sagt SP-Ständerätin Anita Fetz, die in einem Gastkommentar die TV-Serie als "verstaubtes Quoten-Kostümfest der SRG" bezeichnet. "Das Männergremium schreibt im 21. Jahrhundert fort, was als Begründung für die fehlenden Frauen in früheren Jahrhunderten herhalten muss: dass Frauen nichts zu sagen hatten. Das ist bei der SRG offensichtlich bis heute so", sagt Fetz. (SaS/eh)


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