26.08.2021

UKW-Abschaltung

Roger Schawinski möchte längere Frist

Der Radiomacher kritisiert, dass sich das neue Abschaltdatum «nicht auf die reale Radionutzung» abstütze.
UKW-Abschaltung: Roger Schawinski möchte längere Frist
Roger Schawinski fordert die Politik auf, den Entscheid zur UKW-Abschaltung «nicht den privaten Radioveranstaltern zu überlassen». (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Die Verbreitung von Radioprogrammen über UKW soll nun doch erst Ende 2024 abgeschaltet werden. Auf dieses – ursprüngliche – Datum haben sich die Schweizer Radios verständigt (persoenlich.com berichtete). «Dieser Entscheid zeigt, wie unnötig, unüberlegt, umweltschädlich und konsumentenfeindlich der überstürzte UKW-Abschaltplan der SRG und der Privatradios war», sagte Medienpionier Roger Schawinski am Donnerstag auf Anfrage von persoenlich.com.

Das neue Abschaltdatum von Ende 2024 berücksichtige jedoch «in keiner Weise» den Kern der Problematik. «Sie bezieht sich nicht auf die reale Radionutzung, die allein entscheidend sein sollte, sondern auf das Auslaufen der privaten Radiokonzessionen», so Schawinski. «Doch auch bei der Vergabe der neuen Konzessionen muss man der technischen Entwicklung Rechnung tragen, denn auch 2024 werden wohl über eine Million  Schweizer Autos keinen DAB-Empfang haben. Sie alle werden auch in Bezug auf die Verkehrssicherheit noch während Jahren auf UKW angewiesen sein.»

Die Politik sei nun aufgefordert, sich in diesen Prozess einzubringen und ihn nicht den privaten Radioveranstaltern zu überlassen, «die ihre Konzessionen erhalten haben, um eine optimale Servicefunktion für die Gesellschaft und die Bedürfnisse der Radiohörer zu erbringen». Auch die SRG müsse sich jetzt aktiv in diese Diskussion einbringen, die sich bisher konsequent hinter den privaten Radioveranstaltern versteckt habe. «Als Monopolanstalt soll sie ihren Versorgungsautrag für die gesamte Bevölkerung berücksichtigen, und diese betrifft nicht nur die Senderseite, sondern im gleichen Masse die Empfangsmöglichkeiten eines wichtigen Teils der Radiohörer», so Schawinski weiter. (cbe)



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Kommentare

  • Frits de Jong , 29.08.2021 14:27 Uhr
    Seit Jahren reise ich beruflich mit dem Auto in der Schweiz. Fur den Preis seiner Autobahn Vignette war ich auch immer von hervorragende Verkehrsinformationen versichert. Ich wurde es sehr bedauern, wenn nach UKW Abschaltung darauf verzichten zu müssen
  • Ueli Custer, 27.08.2021 11:20 Uhr
    Obwohl seit mindestens 10 Jahren die Abschaltung von UKW intensiv kommuniziert wurde, merken das offenbar viele Leute erst jetzt. Als ich vor 5 Jahren ein neues Auto kaufte, habe ich jedenfalls darauf bestanden, dass ein DAB-Radio eingebaut sein muss. Zudem gibt es sehr günstige Adaptionslösungen für weniger als 100 Franken, um eingebaute UKW-Autoradios entsprechend aufzurüsten. Ich sehe nicht ein, warum ich zusätzlich zu den Mehrkosten für mein DAB-Autoradio jetzt auch noch solidarisch für die "Schläfer" mitbezahlen soll.
  • Dietmar Kopitz, 27.08.2021 08:19 Uhr
    Nach meinen Recherchen hatte die BAKOM Arbeitsgruppe "Digitale Migration" das Problem der Verkehrsinformation mit den Programmen der SRG nie diskutiert. Das Interesse UKW abzuschalten war ein ganz anderes: Man (das BAKOM) wollte mit DAB mehr Programmvielfalt erreichen, und die Privatradios wollten nur auf DAB+ umsteigen unter der Bedingung, dass dieses dann auch die SRG tut, weil ansonsten ja UKW zu einer unerträglichen Konkurrenz für die Privatradios werden würde. Folglich und wegen der damit verbundenen Einsparung für die SRG war dieses dann am Ende auch die Lösung, auf die sich dann alle in dieser Arbeitsgruppe im Dezember 2020 geeinigt haben. Auswirkungen auf die Sicherheit auf den Strassen und Tunneln wurden in der Suche nach einer gemeinsamen Lösung völlig ausser Acht gelassen. Das BAKOM ist noch immer der Ansicht, dass für diese Fragen besser das ASTRA zuständig sei. Eine Verständigung zwischen beiden Institutionen hat es aber wohl auch noch immer nicht gegeben. Der Bundesrat hat die UKW Abschaltung anscheinend auch nie formell beschlossen, sagte mir ein BAKOM Mitarbeiter. Bundesrätin Sommaruga verteidigt aber den Beschluss der DigiMig Arbeitsgruppe, weil damit ja mit Hilfe des BAKOM die Mehrheit der Rundfunkanbieter die UKW Abschaltung Ende 2020 beschlossen hatte. Sicherheitsüberlegungen, was den Strassenverkehr anbelangt wurden also total ignoriert, oder anders ausgedrückt, sie spielten für die Entscheidung, UKW abzuschalten, überhaupt keine Rolle. Niemand hatte auch zuvor auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Verkehrsinformationen mit TP/TA Kennzeichnung, so wie RDS-TMC mit UKW und TPEG mit DAB+ sind Datendienste, welche, nach Aussagen des BAKOM, die SRG freiwillig anbietet, ohne dass sich das BAKOM dafür interessiert. Diese Dienste, welche der Sicherheit auf den Strassen dienen, fallen, nach Ansicht des BAKOM, mehr unter die Aufsicht des ASTRA. Ich finde es von der SRG total verantwortungslos, ihre Radioprogramme auf UKW im August 2022 abschalten zu wollen (ohne dass man das gleiche Vorhaben auch in den Nachbarländern der Schweiz hat) und dies bei noch immer 2,6 Millionen schweizer Autos ohne DAB+ Radio. Das Autoradio ist fast immer ein fester Bestandteil des Infosystems im Auto (mit oder ohne Navigation) und kann in den meisten Fällen nicht so einfach ausgewechselt werden, oder falls doch, dann nur mit erheblichen Kosten. Es gäbe meiner Ansichrt nach doch noch eine viel einfachere politische Lösung: Angenommen, die SRG will oder muss tatsächlich die Kosten für die UKW Abstrahlung ihrer Hauptprogramme einsparen. Man sagte mir, dass dies 15 Millionen Franken pro Jahr wären. Bei fast 4 Millionen Haushalten in der Schweiz könnte man die jährliche Rundfunkgebühr doch einfach nur um 5 Franken erhöhen (das wären nicht einmal unerhebliche 2%) und der Bundesrat könnte somit die SRG zwingen, vorerst noch 10 Jahre weiterhin auf UKW zu senden. Das würde jeden schweizer Haushalt doch nur 50 Franken für diesen gesamten Zeitraum von 10 Jahren kosten und das Problem wäre erst einmal gelöst: Alles ginge so weiter wie bisher. Es gäbe auch keinen zusätzlichen elektronischen Müll. Jeder bekäme seine Verkehrsinformationen von der SRG/Viasuisse wie seit Jahrzehnten schon gewohnt. Auch die vielen Touristen aus dem Ausland und Transitfahrer könnten weiter von diesen guten Verkehrsinfos profitieren, die ohne Zweifel zur Sicherheit auf den Strassen und in den vielen Tunneln beitragen. Warum denn nun noch mindestens 10 Jahre weiter mit UKW in der Schweiz? Erst seit 2021 haben fast alle neuen Autos auch DAB+ und dies wegen einer EU Direktive aus dem Jahre 2018. In der Schweiz werden pro Jahr 300 000 Neuwagen verkauft. Bei 2.6 Millionen Autos ohne DAB+ Radio dauert es also noch etwa 9 Jahre bis fast alle schweizer Autos auch DAB+ empfangen können.
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