19.02.2014

Tamedia

Scharfe Pfiffe gegen den Sozialplan

Im Kampf zwischen Tamedia und den Journalisten verhärten sich die Fronten. Am Mittwoch haben Dutzende Mitarbeiter der Zürcher Regionalzeitungen sowie Gewerkschafter vor dem Redaktionsgebäude des "Landboten" in Winterthur ein Pfeifkonzert abgehalten. Sie demonstrieren damit gegen den Sozialplan. Nur gerade 7'500 Franken soll eine 60-jährige Journalistin bekommen, welche zehn Jahre bei Tamedia angestellt war, heisst es. Derweil spricht Tamedia von einem "fairen Angebot".
Tamedia: Scharfe Pfiffe gegen den Sozialplan

Dutzende Mitarbeiter der Zürcher Regionalzeitungen sowie Gewerkschafter haben am Mittwochmittag in Winterthur ein Pfeifkonzert abgehalten. Sie demonstrierten damit gegen den Sozialplan von Tamedia. Vor dem Redaktionsgebäude des "Landboten" in der Winterthurer Altstadt überreichten die Demonstranten Ueli Eckstein, dem Leiter Regionalmedien Deutschschweiz bei Tamedia, eine Petition mit 434 Unterschriften. 

Darin fordern die Mitarbeitenden, dass bei den geplanten Entlassungen der Sozialplan aus dem Jahr 2009 zur Anwendung kommen soll. Dieser wurde für "Tages-Anzeiger"-Angestellte ausgehandelt. Der vorliegende Sozialplan für die Regionalzeitungs-Mitarbeiter sei dramatisch schlechter. So seien etwa alle Abgangsentschädigungen und Ausgleichszahlungen zu den Taggeldern gestrichen worden. Das Verlagshaus lasse damit jegliche soziale Verantwortung vermissen.

25 Vollzeitstellen werden gestrichen 
Bei Tamedia nimmt man den Protest zur Kenntnis, betont aber, dass der vorliegende Sozialplan nicht mit bisherigen Leistungen verglichen werden dürfe. Der Sozialplan aus dem Jahr 2009 sei für den "Tages Anzeiger" ausgehandelt worden und könne nicht auf andere Redaktionen übertragen werden.

An den Standorten Stäfa, Bülach und Winterthur werden insgesamt 25 Vollzeitstellen abgebaut. Kündigungen werden voraussichtlich in den kommenden Wochen ausgesprochen. Ab Anfang Juni sollen die Regionalzeitungen dann mit neuer Struktur und neuem Layout erscheinen. Äusserlich werden sich "Landbote", "Zürcher Unterländer" und "Zürichsee-Zeitung" künftig an der "Berner Zeitung" orientieren. Hintergrund für die Neuausrichtung der Zürcher Regionalzeitungen ist die Übernahme des Winterthurer "Landboten" durch Tamedia vor einigen Wochen (persoenlich.com berichtete). 

Fronten verhärten sich
Nadja Ehrbar, Präsidentin der Personalkommission des "Landboten", äussert sich gegenüber dem "Regionaljournal Zürich Schaffhausen" von Radio SRF und verlangt einen "Sozialplan, der diesen Namen auch verdient". Nur gerade 7'500 Franken würde eine 60-jährige Journalistin, welche zehn Jahre bei Tamedia angestellt war, laut aktuellem Sozialplan bekommen. Und auch die Jüngeren hätten es nicht einfacher, einen neuen Job zu finden, erklärt Ehrbar weiter. Sie bekommen je nach Dienstjahr höchstens eine verlängerte Kündigungsfrist, eine finanzielle Abfederung sei aber nicht vorgesehen. 

Die Fronten zwischen dem Verlagshaus und den Journalisten sind momentan verhärtet, berichtet Radio SRF. Sollte Tamedia nicht einlenken, würden weitere Massnahmen ergriffen werden, sagt Ehrbar im Gespräch mit dem "Regionaljournal Zürich Schaffhausen". Auch das Thema Streik geistere in den Köpfen umher. Beschlossen sei in dieser Sache aber noch nichts. 

Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bezeichnet den aktuellen Sozialplan als "faires Angebot". Man sei zwar zu Gesprächen bereit, eine unveränderte Anwendung des "Tages-Anzeiger"-Sozialplans aus dem Jahr 2009 komme aber nicht in Frage. Dieser sei damals für eine ganz andere Redaktion ausgearbeitet worden. Die Leistungen des Sozialplans müssten der Situation der betroffenen Redaktionen angepasst sein.

Verantwortung oder Renditeorientierung?
Die Gewerkschaft syndicom und der Berufsverband impressum unterstützen den Vorstoss des Personals "voll und ganz", wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben. Tamedia habe die Vorschläge des Personals bisher rundweg abgelehnt. Man müsse sich fragen, ob der Konzern seine Verantwortung für den Medienplatz Winterthur und eine gesunde Zeitungsdichte im Kanton Zürich wahrnehmen wolle oder ob es weiterhin nur um die reine Renditesteigerung gehe.

"Die Forderung der Belegschaften, unvermeidbare Kündigungen durch einen anständigen Sozialplan aufzufangen, ist absolut berechtigt. Der Sozialplan, der 2009 beim 'Tages-Anzeiger' ausgehandelt wurde, ist der Standard, an dem sich das Medienunternehmen weiter orientieren muss. Es gibt keinen Grund, warum die jetzt in ihrer Substanz angegriffenen Redaktionen schlechter behandelt werden sollten", so syndicom und impressum. 

Ein Vergleich der beiden Sozialpläne:  sozialplanvergleich_tamedia_20092014.pdf (sda/ml/eh)

Bilder: impressum.ch / Andreas Taverner


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