"Dies ist das bisher längste 'Bitte nicht abschreiben'"... - So fängt eine Mitteilung des Pressedienstes von SF DRS an, die am Montag an die Schweizer Medien verschickt wurde. Unter dem Titel "Grosses Streichkonzert bei SF DRS" habe der SonntagsBlick vom 5. Mai "Fehler, Behauptungen und fehlkonstruierte Zusammenhänge" veröffentlicht, die man so nicht stehen lassen könne. Vorallem, da Unwidersproches umgehend für bare Münze genommen werde, wie der "SonnTalk" auf TeleZüri am gleichen Abend belege: Die Behauptung seien dort als "Ärgernis der Woche" weiter kolportiert worden, mit keiner anderen Grundlage als besagten SonntagsBlick-Artikel. "persoenlich.com" bringt die Mitteilung von SF DRS im Wortlaut:
SonntagsBlick: "Mehr Gebühren trotz dünnerem Programm: Die TV-Zuschauer und Radio-Hörer müssen kommendes Jahr 4.1 Prozent mehr Konzessionsgelder bezahlen. Derweil wird am TV-Programm massiv gespart. Trotzdem werden dem TV-Kader Bonus-Gelder von 750'000 Franken ausbezahlt".
SF DRS-Pressedienst: "Zum Gebührenentscheid des Bundesrates: Damit hat die SRG SSR idée suisse keinen Rappen mehr Geld in der Kasse. Es ist eine Kompensation für einen Gebührenausfall. Zu den Sparmassnahmen: Die für das Budget 2003 beschlossenen Sparmassnahmen beruhen nicht auf Gebührenrückgängen, sondern im wesentlichen auf Rückgängen bei den Werbe-Einnahmen. Das wurde ausdrücklich so kommuniziert (Pressemitteilung vom 8. Februar 2002). Das weiss auch der SonntagsBlick, aber er schreibt es nicht. Der von ihm suggerierte Zusammenhang ist falsch.
Zur Erinnerung: Die SRG SSR idée suisse ist nicht nur mit Gebühren, sondern auch mit Werbung finanziert. Das Erfreuliche daran ist, dass man den Fernsehzuschauern mehr bieten kann, als sie mit den Gebühren bezahlen; es ist eine Möglichkeit, sich bei ihnen durch wirtschaftliche Eigenleistung für die Gebühren zu bedanken. In der Teilfinanzierung durch Werbung muss auch unternehmerischer Spielraum liegen. Wenn es erlaubt und willkommen ist, nach Rekord-Werbejahren Leistung hochzufahren, muss es auch erlaubt sein, nach schlechten Werbejahren Leistung zurückzufahren. Würde SF DRS trotz weniger Mitteln weiterproduzieren als ob nichts geschehen wäre, dann wäre Besorgnis am Platz. SF DRS würde sich unter diejenigen Unternehmen einreihen, welche nicht vorausdenkend sparen, sondern abwarten, bis sie in finanzielle Schieflage geraten.
Zum "Kaderbonus":
1. Auch die Kaderboni beruhen auf den Ergebnissen des Vorjahres. Der SonntagsBlick vermengt Kosten des Jahres 2001 (Kaderbonus) mit Budgetposten 2003 (Sparmassnahmen) und fällt damit auf ein systematisch betriebenes Verwirrspiel der Mediengewerkschaft SSM herein.
2. Die Kaderboni werden einmal pro Jahr ausbezahlt. Der Durchschnittsbetrag liegt unter dem eines durchschnittlichen Monatslohnes. Die Kaderlöhne widerspiegeln einen unternehmerischen Ansatz. Dazu zweierlei:
3. Zum Kader wird geschlagen, wer Führungs- und Kostenverantwortung übernimmt. Wie alle anderen Angestellten haben auch Kader Anspruch auf angemessenes Entgelt. Im Rahmen des Lohn-Gesamtpaketes ist der Kaderbonus eine Risiko- bzw. Erfolgskomponente, Zeichen der gemeinsamen unternehmerischen Mitverantwortung. Denn der Bonus wird nur bei "ausgezeichnetem Geschäftsgang" ausgerichtet (was für das Jahr 2001 der Fall war). Er bemisst sich nach den Faktoren "Image", "Marktanteil" und "Rechnungsergebnis" und wird vom DRS-Verwaltungsrat (dem Regionalsratsausschuss) genehmigt.
4. SRG-SSR-Kaderlöhne liegen um 10 bis 40 Prozent unter dem Quervergleich im Arbeitsmarkt. Um zu den führenden Medienunternehmen zu gehören, muss die SRG SSR einigermassen arbeitsmarktfähige Kader-Entschädigungen bieten können. Sonst ist sie nicht in der Lage, die benötigten Kader zu rekrutieren bzw. zu halten."
SonntagsBlick: "Der Zuschauer hat dabei mehr Malus als Bonus, denn gespart wird nächstes Jahr in vielen Bereichen".
SF DRS-Pressedienst: "Falsch. Die vom SonntagsBlick in der zweiten Artikel-Hälfte aufgezählten Sparmassnahmen haben nichts mit den im Februar beschlossenen Programmstreichungen zu tun. Es sind Elemente eines im April beschlossenen und kommunizierten zusätzlichen Spar-Ansatzes mit der Vorgabe, dass das Programm nicht tangiert wird, und dass sie am Bildschirm nicht als Qualitätseinbusse spürbar werden. Es ist ein Strauss rein unternehmerischer Massnahmen, die dank Entwicklungen im organisatorischen und produktionellen Bereich möglich sind, und sie entsprechen dem Artikel 7b des Konzessionsauftrag ("Die SRG organisiert sich so, dass sie wirtschaftlich geführt werden kann"). Die Vorschläge wurden nach dreimonatiger Vernehmlassung aus allen Abteilungen eingereicht. Damit gewinnt SF DRS den Spielraum, den jedes Unternehmen braucht, um auf Unwägbarkeiten reagieren zu können, ohne ein Defizit zu generieren."
SonntagsBlick: "Sie (die Zuschauer) müssen auf die extern produzierten Sitcoms wie 'Fertig lustig' verzichten."
SF DRS-Pressedienst: "Im Communiqué über die Sparmassnahmen vom 8. Februar 2002 heisst es: 'Ab 2003 gibt es bis auf Weiteres keine neue Sitcom-Produktion mehr. Das für 2002 budgetierte 'Bürgerbüro' kann produziert werden, und auch nach 2003 bleibt der Sitcom-Termin Freitag 20 Uhr bestehen. Er kann mit Wiederholungen erfolgreicher Eigenproduktionen ('Fascht e Familie' u.a.) bestritten werden.'
Dazu Folgendes: Fachleute wissen, dass Sitcoms einen hohen Bibliothekswert haben. Das heisst: sie haben erfahrungsgemäss einen hohen Wiederholungserfolg. Beispiele dafür sind 'Die Simpsons' und 'Eine schrecklich nette Familie'. Wer in eine relativ teure Sitcom investiert, investiert bewusst auch in diesen Bibliothekswert. Dann muss es auch erlaubt sein, ihn unternehmerisch zu nutzen, zumal man weiss, dass es vom Publikum geschätzt wird, und dass dieses also etwas für sein Geld bekommt."
SonntagsBlick: "50 bis 60 TV-Mitarbeiter werden sich einen neuen Job suchen müssen. Und: Es gibt einen Einstellungsstopp".
SF DRS-Pressedienst: "Konfus. Ja, es werden Stellen in dieser Grössenordnung gestrichen, budgetwirksam ab 2003. Was aber der SonntagsBlick nicht schnallt: Dank der frühen Entscheidung, dank dem (vorübergehenden!) Einstellungsstopp und der internen Stellenbörse, welche internen Bewerbern für freiwerdende Stellen Vorrang gibt, und dank weiterer Massnahmen ist man bereits acht Monate vor dem Stichtermin soweit, dass die Hälfte der betroffenen Mitarbeitenden entweder eine neue Stelle haben oder eine andere individuelle Lösung angenommen haben, ohne dass eine Kündigung ausgesprochen werden musste."
SonntagsBlick: "Die Mediengewerkschaft SSM besitzt ein Papier, wonach SF DRS für das letzte Geschäftsjahr fünf Millionen Franken Gewinn ausweisen kann. Schön kassiert haben die 115 Kaderleute: 750'000 Franken - oder im Schnitt 6521 Franken pro Kopf".
SF DRS-Pressedienst: "5. Das geheimnisvolle Papier erhielt der SSM offiziell von der Geschäftsleitung SF DRS; man nennt das 'Orientierung der Verbände'.
6. Was heisst 'Gewinn'? Die Unternehmenseinheiten der SRG SSR und ihre Redaktionen brauchen Budgetsicherheit. Die Mittel werden ihnen von der Geschäftsleitung der SRG SSR vorgängig zugewiesen. Damit ist das Gesamtbudget der SRG SSR und ihrer Unternehmenseinheiten zwangsläufig hoch verplant, der unternehmerische Spielraum relativ gering. Verschiedenste Faktoren können per Ende Jahr zu Budgetabweichungen führen, z.B. nicht budgetierte Einnahmen wie z.B. der Verkauf von 'Pingu', oder höhere Kosten für Sonderberichterstattungen. Dies wird in der Jahresrechnung als 'Gewinn' oder 'Verlust' ausgewiesen.
7. Ein 'Gewinn' ist kein Geld, welches SF DRS beliebig verputzen oder in eine Tasche stecken kann. Seine Verwendung muss beim Verwaltungsrat DRS (RRA) beantragt werden. Der Vorgang wird im alljährlichen Geschäftsbericht transparent gemacht.
8. Angesichts des SF-DRS-Jahresbudgets von fast 500 Millionen ist eine Budgetabweichung von 5 Millionen (1 Prozent!) ein schöner Schuss ins Schwarze. Man könnte daraus auch ableiten, dass mit zugeteilten Mitteln umsichtig umgegangen wird.
Anschauungsunterricht zur journalistischen Sorgfalt bieten die folgenden zwei Passagen im SonntagsBlick-Artikel: "Das Mittagsmagazin (...) verschwindet diesen Sommer ebenso wie die Jugendsendung 'Oops!?" - Total falsch. Das Jugendmagazin 'Oops!' (SF2 18.45 Uhr) wird im Lauf des Jahres 2003 durch eine kostengünstigere Eigenproduktion abgelöst (Communiqué vom 8. Februar 2002). Der SonntagsBlick hat falsch abgeschrieben."
Sonntagsblick: "Auch die beliebte Sendung 'Who is who' (...) wird diesen Sommer gestrichen - stattdessen wird ein aktualisierter Aufguss von TV-Chefreporter Christoph Müllers Reportagen gezeigt".

