24.01.2024

SRG-Generaldirektion

So dreht sich das Nachfolgekarussell

Seit bekannt wurde, dass Gilles Marchand von der Spitze der SRG zurücktreten wird, kursierten bisher fast zwanzig Namen für die Nachfolge in den Medien. Wer sie sind und wie ihre Chancen stehen.
SRG-Generaldirektion: So dreht sich das Nachfolgekarussell
Wer folgt auf Marchand an der Spitze der SRG? (Bild: Keystone)

Als die SRG am 18. Januar bekannt gab, mit Blick auf die anstehenden medienpolitischen Herausforderungen jemand Neues an die Spitze zu setzen, fing das Personalkarussell unmittelbar an, sich zu drehen. Als mögliche Nachfolgerinnen oder Nachfolger von Generaldirektor Gilles Marchand tauchten seither gegen zwanzig Namen auf, einzelne davon winkten bereits ab und nahmen sich selbst aus dem Rennen.

Am Ende muss aber niemand aus dem öffentlich bekannten Kreis gewählt werden. 2010 kam Roger de Weck als Mister X ins Amt. Sein Name blieb bis am Wahltag nur einem kleinen Kreis innerhalb der SRG bekannt.

Langsameres Vorgehen als 2016

De Wecks Nachfolger wiederum, der nun zurücktretende Gilles Marchand, fand per Fingerzeig an die SRG-Spitze – ganz ohne Kandidatenkarussell und öffentliche Diskussion. Von der erstmaligen Erwähnung des Namens bis zu seiner Wahl dauerte es im Herbst 2016 nur gerade eineinhalb Monate. «In einer Phase, in der die SRG heftiger Kritik ausgesetzt ist, soll die Ablösung an der Spitze möglichst reibungslos geschehen», schrieb die NZZ am Sonntag damals. Obwohl dies auch auf die aktuelle Situation zutrifft, entschied sich die SRG für ein langsameres Vorgehen. Diesmal kann es bis zu zehn Monaten dauern zwischen Rücktrittsankündigung und Wahl der Nachfolge.

Die bisher genannten Namen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: die internen Kandidatinnen und Kandidaten und die (Ex-)Politikerinnen/-Politiker. Daneben gibt es Exoten – sowie natürlich all jene, die noch nicht auf das Karussell aufgesprungen sind oder die bis zum Wahltag nur als Mr. oder Mrs. X. bekannt sind.


Die Internen

Nathalie Wappler: Die amtierende SRF-Direktorin gilt nur schon deshalb als eine der Favoritinnen, weil sie die Stellvertreterin von Gilles Marchand ist. Was gegen sie spricht: Noch im vergangenen November sagte Wappler gegenüber CH Media auf die Frage, ob sie Generaldirektorin werden wolle: «Nein. Ich mache den Job, den ich bei SRF mache, sehr gern und bin sehr zufrieden.»

Susanne Wille: Für CH-Media-Medienredaktor Francesco Benini gilt Susanne Wille (auf dem Bild rechts) als Favoritin. «Die vormalige Fernsehjournalistin ist ein Kommunikationstalent. Sie überzeugt bei öffentlichen Auftritten, die sie gründlich vorbereitet», schrieb er.

Larissa Bieler: Als Direktorin des Auslandangebots SWI Swissinfo leitet sie zwar eines der kleineren SRG-Unternehmen, was aber nicht gegen sie zu sprechen braucht. Fähigkeiten und Qualifikationen für die Arbeit als Generaldirektorin würde sie zweifelsohne mitbringen.

Pascal Crittin: Der Direktor des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS darf sich kaum Chancen ausrechnen, sollte er sich interessieren. Dass es nach Gilles Marchand erneut der RTS-Chef an die SRG-Spitze schafft, darf als unwahrscheinlich gelten. Hinzu kommt, dass die Abstimmung um die sogenannte Halbierungsinitiative in der Deutschschweiz entschieden werden dürfte und es daher ein Romand diesmal schwer haben wird, das Rennen zu machen.

Mario Timbal: Der Direktor des italienischsprachigen Radios und Fernsehens der Schweiz RSI, der sich als Tessiner und jüngeres SRG-Kader gewisse Chancen ausrechnen könnte, sagte gegenüber dem SonntagsBlick: «Ich engagiere mich voll und ganz in meiner Rolle als Direktor des RSI und möchte dies auch weiterhin tun.» Das ist eigentlich eine klare Absage.

Nicolas Pernet: Wie bei Timbal sprächen auch für den amtierenden Direktor des Rätoromanischen Radios und Fernsehens RTR sein Alter (43) und die Herkunft.


Die Ehemaligen

Ladina Heimgartner: Wie Wappler kennt auch Ladina Heimgartner die SRG-Spitze aus eigener Erfahrung. Ab 2018 war sie während zwei Jahren Vize-Generaldirektorin unter Gilles Marchand. Als Chefin von Ringier Medien Schweiz managt Heimgartner gegenwärtig einen grossen Ab- und Umbauprozess, der länger dauern wird als 2024. Daher kommt die Vakanz an der SRG-Spitze nicht zum idealen Zeitpunkt. Aber einen solchen gibt es eigentlich nie. Stellen werden frei, wenn sie frei werden. Vom Profil her muss sie zum engeren Favoritinnenkreis gerechnet werden. Sie repräsentiert als Rätoromanin eine sprachliche Minderheit und hat Führungserfahrung als Direktorin von RTR sowie jetzt bei Ringier.

Jonas Projer
: Den ehemaligen Chef von «Arena», Blick-TV und NZZ am Sonntag hat Roger Schawinski ins Spiel gebracht. Jonas Projer weist zwar eine eindrückliche Berufsvita auf, aber die Abgänge bei den letzten beiden Stationen dürften seine Chancen nicht unbedingt mehren.

Der Übersehene

Roger Elsener: Sein Name kam erst kürzlich ins Spiel, doch Roger Elsener hätte durchaus das Zeug als Marchand-Nachfolger. Öffentlich dazu geäussert hat er sich bisher noch nicht. Mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung als Fernsehmanager auf allen Stufen von regional über national bis international zählt Elsener zu den erfahrenen Top-Kadern der Schweizer Medienbranche. So arbeitete er unter anderem für die 3+-Gruppe von Dominik Kaiser und verantwortete das Schweizer Geschäft von Viacom. Bei den AZ Medien verantwortete er die Regionalsender. Zuletzt war er Geschäftsführer des Bereichs Entertainment von CH Media. Leute, die ihn kennen, kommentieren seine Personalie: «Endlich bringt jemand Roger ins Spiel.» (aktualisiert am 16.2.2024)

Die (Ex-)Politikerinnen/-Politiker

Doris Leuthard: Eine ehemalige Bundesrätin an der SRG-Spitze wäre zwar ein Novum, nicht aber eine frühere CVP-Politikerin. Bereits Leo Schürmann, Generaldirektor von 1981 bis 1987, war zuvor CVP-Nationalrat (und erfolgloser Bundesratskandidat). Als Erste nannte 20 Minuten Leuthards Namen in dem Zusammenhang – unter Berufung auf «Beobachter». Sie habe als Medienministerin fast alle ihre Abstimmungen gewinnen können, hiess es weiter. Die Westschweizer Tamedia-Zeitungen hoben hervor, dass Leuthard nicht nur die Abläufe der SRG, sondern auch die Funktionsweise der Politik kenne und sich darum qualifiziere.

Alain Berset: Der eben zurückgetretene Bundesrat kandidiert zwar für den Posten des Generalsekretärs des Europarats in Strassburg. Aber warum nicht verschiedene Optionen offenhalten? Das Handicap: Er ist Romand. Die Westschweizer Tamedia-Zeitungen erwähnten seinen Namen nur, «weil er uns zugeflüstert wurde».

Thierry Burkhard, Damian Müller: Die Namen der beiden FDP-Nationalräte brachte der ehemalige SRG-Generaldirektor Armin Walpen ins Spiel. Der Vorvorgänger Marchands plädierte im SonntagsBlick für einen bürgerlichen Mann. Walpen nannte die beiden Namen allerdings erst auf Nachfrage des Journalisten, nachdem er zuerst als Idealprofil für «ein Schwergewicht der SVP» plädiert hatte.

Hansueli Vogt: Ein SVP-Mann mit Affinität zur SRG wäre Hansueli Vogt. Der ehemalige Nationalrat und Professor des Rechts sitzt seit Kurzem im Verwaltungsrat der SRG. «Er hat einen Fuss in der Tür», schreibt die Westschweizer Ausgabe von Watson.


Die Unwahrscheinlichen

Christa Rigozzi: Den Namen der ehemaligen Miss Schweiz, Moderatorin und Medienwissenschaftlerin bringt Weltwoche-Kolumnist Kurt W. Zimmermann ins Spiel. Wenn man für die Nachfolge von Marchand eine «PR-Figur» suche, «die das Image der SRG aufpoliert und gute Laune und Charme verbreitet», dann täte es «in dieser Sichtweise» auch eine Christa Rigozzi. «Mit einer herzlichen und strahlenden Generaldirektorin» könnte die SRG keine Abstimmung verlieren, glaubt Zimmermann. (aktualisiert am 25.1.2024)

Matthias Ackeret: Zwei Leserinnen von persoenlich.com sehen dessen Verleger als valablen Kandidaten. Als langjähriger Verleger mit Führungsqualitäten wäre er ein guter SRG-Chef, schreibt die eine. Die andere fragt rhetorisch: «Wäre nicht ein versierter Verleger und Journalist wie Dr. Matthias Ackeret der richtige Nachfolger von Marchand?» (aktualisiert am 25.1.2024)


Sie haben abgesagt

Matthias Aebischer: Nach der erfolglosen Bundesratskandidatur konzentriert sich der Berner SP-Nationalrat weiter auf seine politische Karriere. Aebischer will in der Stadt Bern in die Regierung. Auch wenn er als langjähriger Fernsehmann den öffentlichen Rundfunk gut und von innen kennt, fehlte ihm die Managementerfahrung für den Posten des SRG-Generaldirektors. Aebischer hat abgesagt.

Ingrid Deltenre: Sie wäre eine valable und sehr gute Kandidatin gewesen. Ingrid Deltenre hätte mit ihrer Erfahrung als Verlagsleiterin, Fernsehdirektorin und Generaldirektorin der Europäischen Rundfunkunion die erforderlichen Qualifikationen mitgebracht. Auch sie sieht gemäss SonntagsBlick von einer Kandidatur ab.

Dominik Kaiser: Der Gründer und ehemalige Inhaber der 3+-Fernsehgruppe hat sein Lebenswerk 2019 an CH Media verkauft. Seither ist es ruhig um ihn geworden. Aber als SRG-Generaldirektor kehrt er nicht aufs Parkett der Medien zurück: «Ich denke nicht, dass ich das dafür notwendige politische Geschick mitbringen würde. Ich sehe mich als Fernsehmacher, nicht als Fernsehverwalter», zitierte der SonntagsBlick Kaiser.


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KOMMENTARE

Martin Knecht
26.01.2024 15:23 Uhr
Bewahrt uns vor Schawinski. Er ist zwar ein ausgewiesener Medienprofi, aber dieser Zug ist abgefahren, seine Zeit ist vorbei. Die Person sollte schon etwas jünger sein. Jahrzehntelang hat er die SRG heruntergemacht, sehr glaubwürdig ist er als Kandidat nicht, wenn er dort noch zum Abschluss seiner Karriere den grossen Zahltag abholt.
Claude Buerki
26.01.2024 14:13 Uhr
Schawinski wäre die richtige Wahl! SRG-Mief ade...
Alex Paul Sieber
25.01.2024 10:43 Uhr
Es wird interessant werden, wer da zum Zug kommt. Ein's ist bereits jetzt klar, sollte Frau Wappler die Nachfolgerin werden, dann steigen die Stimmenanteile für die Absenkung der Gebühren noch stärker.
Victor Brunner
25.01.2024 07:53 Uhr
Warum nicht einen Schawinski? Er ist Medienprofi, hat einen Leistungsausweis als Führungsperson, Fernseh- und Radiomacher, ist kein Schleimer eher kantig. Kennt Höhen und Tiefen des Geschäfts, vor allem kann er auf Augenhöhe diskutieren und entscheiden. Auf keinen Fall darf es eine Person sein die bei SRG SRF in Job ist. Filz, Vetterliwirtschaft darf nicht mehr Platz haben!
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