08.02.2020

Studie der Uni Basel

So lesen Jugendliche im Internet

Jugendliche nutzen digitale Netzwerke, um vertieft in literarische Texte einzutauchen und sich intensiv mit ihnen zu befassen. Dies ergab eine computergestützte Analyse unter der Leitung der Universität Basel am Beispiel der populären Online-Leseplattform Wattpad.
Studie der Uni Basel: So lesen Jugendliche im Internet
Behauptungen, wonach am Bildschirm weniger vertieft gelesen werde, müssten überdacht werden, so die Studie. (Bild: Pixabay)

Die Mitte Januar in der Online-Fachzeitschrift «Plos One» veröffentlichten Studienresultate widersprechen laut den Verfassern dem Gemeinplatz, dass Jugendliche im digitalen Zeitalter das vertiefte Lesen aufgegeben. Es werde übersehen, dass junge Menschen digitale Netzwerke intensiv nutzten, um literarische Texte zu lesen, sich darüber auszutauschen und gar selber Texte zu verfassen.

Zu diesem Schluss kam ein Team von Forscherinnen und Forschern aus der Schweiz und Italien bei einer Analyse der populären digitalen Leseplattform Wattapp. Auf diesem Netzwerk teilen weltweit über 80 Millionen überwiegend junge Leute in über 50 Sprachen Tag für Tag rund 100'000 Geschichten. 

Die Forschergruppe unter der Leitung von Gerhard Lauer vom Digital Humanities Lab der Universität Basel nutzte computergestützte Verfahren, um aus dieser Masse die Lesevorlieben, die Emotionalität und Intensität der Kommentare sowie die Vernetzung der Nutzer zu ermitteln. Die Studie versuchte so dem Anspruch gerecht zu werden, das Lesen «fast in Echtzeit» zu untersuchen.

«Teen Fiction» und klassische Literatur

Dabei habe sich gezeigt, dass junge Menschen sowohl Jugendliteratur, sogenannte «Teen Fiction», als auch klassische Literatur vertieft lesen sowie sich auch intensiv und emotional darüber austauschen würden, heisst es in der Studie. Einzelne Sätze würden bis zu mehreren hundert Mal kommentiert und auch als Vorlage für das eigene Schreiben genutzt.

Klassische und populäre Lesestoffe würden aber unterschiedlich intensiv gelesen und kommentiert, heisst es weiter. Während die Nutzer die Lektüre von Klassikern oft nach den ersten Kapiteln abbrächen, vermöge «Teen Fiction» über weite Strecken zu fesseln. Und während sich bei «Teen Fiction» Netzwerke mit starker sozialer Bindung bildeten, komme es beim Austausch über Klassiker eher zur kognitiven Interaktion, bei der sich die Nutzer beim Verständnis ihrer Lektüre unterstützten.

Die Studie kommt zum Schluss, dass sich auf Plattformen wie Wattpad eine neue Generation von Leserinnen und Lesern herausbilde. Es handle sich um eine Generation, die das Lesen leidenschaftlich pflege und die digitalen Medien für einen intensiven Austausch nutze. Pessimistische Behauptungen, wonach am Bildschirm weniger vertieft gelesen werde, müssten unter diesen Gesichtspunkten überdacht werden, heisst es.

An der Studie waren neben Forschern aus Basel auch Mitarbeitende der italienischen Universitäten in Mailand und Verona beteiligt. Sie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds und dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der EU unterstützt. (sda/eh)



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