"Noch ist nicht alles in Stein gemeisselt", sagt Uli Rubner knapp vier Wochen vor dem ersten Erscheinen der Weltwoche als Magazin. Aber eigentlich dürfte es nur noch um Details wie kleinere typografische Änderungen, der Umgang mit Einzügen oder Farbunterlegungen gehen. Ansonsten werden sich Konzept und Struktur des Hefts kaum mehr stark von der Nullnummer unterscheiden, die "persoenlich.com" präsentiert wurde und die in diesen Tagen auch den Anzeigenkunden und Agenturen vorgestellt wird.
Der Aufbau des neuen Hefts ist ungewohnt, wurde doch die Gliederung nach Ressorts aufgehoben. Statt "Ausland", "Schweiz", "Wirtschaft" etc. werden künftig Rubriken und deren AutorInnen den Themenverlauf bestimmen. So folgen auf das - im Vergleich zur Zeitung stark aufgewertete - Inhaltsverzeichnis und einen Kommentar neu rund sechs Seiten mit kürzeren Stoffen in fixen Gefässen. Dazu gehört etwa das "Tagebuch", das wöchentlich eineN andereN ProminenteN porträtiert. Daran schliesst eine Strecke mit sechs fixen Autoren an, zu denen auch Moneycab-CEO und Ex-Cash-Chefredaktor Markus Gisler gehört.
Mit dem Aufbrechen der traditionellen Ressortstruktur soll für das ganze Magazin eine höhere Flexibilität erreicht werden. So ergibt sich die Möglichkeit, sieben- bis achtseitige Geschichten oder längere Bildstrecken zu bringen, ohne dabei Ressorts "abfüllen" zu müssen. Schwerpunktthemen, wie unlängst die Affäre um Botschafter Thomas Borer, könnten in einem Leitartikel eingeführt und dann in verschiedenen, über das ganze Heft verteilten Zusatzelementen abgehandelt werden. Es fragt sich allerdings, ob ein solcher Verzicht auf Bündelung der Leserführung dienlich ist.
In der Struktur der neuen Weltwoche wird man nach den langen Geschichten acht fixe Kolumnen finden, die neben verschiedenen bewährten KolumnistInnen wie Linus Reichlin oder Martin Suter auch Neuzugängen wie Antje Potthoff oder James Hamilton-Paterson eine Plattform bieten. Christian Mensch wird zudem jeweils eine Medienkolumne schreiben. Anschliessend folgen ein grosses Interview und mehrere Seiten mit Kritiken, die von Buchrezensionen über Popmusik und Vernissagen bis hin zu Lifestyle-Themen (und Autos!) reichen. Hier gibt man sich offensichtlich bewusst Service-orientiert. Den Schlusspunkt des Hefts setzen jeweils Charles Lewinsky sowie ein Bild der Woche.
Bei der Gestaltung setzt der Art Director Wendelin Hess auf Zurückhaltung. Auf der Front findet sich vor weissem Hintergrund ein grosses Bild, darunter drei Anrisse. Ein weiterer Anriss ist über dem überarbeiteten Titel-Logo platziert. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich diese Aufmachung, die optisch entfernt an eine Mischung von New York Review of Books und Kirchenbote erinnert, in den bunten Kioskauslagen durchsetzen wird.
Im Innern präsentiert sich die 230 x 300 mm grosse Nullnummer konsequent dreispaltig und ohne Weissflächen, wie sie etwa das Magazin des Tages-Anzeigers kennt. Als Titelschrift wurde eine Égyptienne gewählt, für die übrigen Texte die recht kompakte Lexicon. Bilder laufen teilweise über den Falz, Infografiken sollen aufgewertet werden. Kästen ("Boxen") gibt es hingegen keine. "Zusatzinformationen werden als eigenständige, kurze Geschichten gefahren", erklärt Rubner das Konzept von Chefredaktor Köppel.
Diese gestalterische Schlichtheit fördert die Lesefreundlichkeit. "Als wir die Nullnummer der Redaktion vorstellten, begannen viele spontan darin zu lesen", erinnert sich Uli Rubner. Für sie ein Beweis, dass das Layout funktioniere. Doch möglicherweise wird diese "moderne Klassik" nicht allen gefallen. Denn das Fehlen von kurzen Stoffen könnte die Lektüre schwerfällig machen.
Gedruckt wird das zwischen 92 und 108 Seiten starke Blatt auf dasselbe mattweisse Papier wie das Wirtschaftsmagazin Bilanz, und zwar bei Printserv, der Magazin-Druckerei der Basler Mediengruppe. Deren Druckmaschinen haben letztlich auch die Abmessungen des Magazins bestimmt. Rubner: "Grösser konnten wir nicht gehen." Das Überformat verlange bei den Inseraten aber keine Umstellungen, da die Proportionen bei den Dimensionen beibehalten wurde, betont die Verlagsleiterin weiter. Als kleinstes Anzeigenformat werden Sechstelseiten angenommen, für kleinere Inserate bestehen Rubriken. Auch Stellenanzeigen können in der Weltwoche weiterhin geschaltet werden.
Wie leicht sich die Stammleserschaft an die teilweise massiven Umstellungen gewöhnt, wird sich weisen. Uli Rubner ist jedenfalls zuversichtlich. Auf die eben angelaufene Abo-Akquisitions-Kampagne angesprochen, meint sie: "Es hagelt Gratis-Bestellungen."

