Das war eine Revolution, als Radio 24 im November 1979 als Piratensender seinen Betrieb aufnahm. 37 Jahre später sagt Programmleiter Nicola Bomio: «Wir planen derzeit nicht die Revolution, sondern stecken in einer Evolution». Über drei Jahrzehnte war Radio 24 die unangetastete Nummer 1 von Zürich. Im Januar wurde bekannt: Der Platzhirsch wurde von Radio Energy vom Thron gestossen (persoenlich.com berichtete).
Auch die Zahlen vom ersten Halbjahr 2016 sprechen eine deutliche Sprache: Während Energy Zürich um 14'000 Hörer auf 282'000 zulegt, muss Radio 24 wieder Federn lassen. Im selben Zeitraum verliert der Sender an der Limmatstrasse 11'500 Hörer und zählt eine Nettoreichweite von 247'200 Personen.
Zu viele Führungswechsel
Die vielen Führungswechsel in den letzten Jahren – wie jene von Karin Müller und Marc Jäggi – sind laut Radio-24-Geschäftsführer Florian Wanner einer der Hauptgründe für den Hörerschwund. «Jede neue Führung hatte ihre eigene Philosophie, wie man gutes Radio macht. Dies führte zu einer Verwässerung der Positionierung», so Wanner gegenüber persoenlich.com. Es fehlte an einem konsequenten Programm und an Kontinuität. Genau dies wollen Wanner und Bomio nun gemeinsam wieder erreichen. Wanner ist seit Februar Geschäftsführer, er holte per August Bomio an Bord. Als Retter in der Not? «Eher als Trainer. Und ich habe mit Florian Wanner einen super Sportchef an meiner Seite», sagt Bomio.
Dass es bei Radio 24 an Kontinuität fehlte, stellte auch schon Energy-Chef Dany Büchi in einem früheren persoenlich.com-Interview fest: «Dass wir nun die Nummer 1 werden, kam aber nicht wirklich überraschend, sondern hat sich seit längerem angekündigt. Radio 24 hat unzählige Strategiewechsel hinter sich, verlor durch den Abgang vieler Mitarbeiter immer wieder entscheidendes Know-how und wurde schlussendlich durch die Übernahme durch die AZ Medien aus Aarau ferngesteuert in die Misere geritten.»
Tatsächlich gab es auch in jüngster Zeit noch einige Abgänge in der Moderation, wie Jontsch, Elena Bernasconi sowie zuletzt Jan Müller. Diese Wechsel seien jedoch branchenüblich, betonen Wanner und Bomio gemeinsam.
Mehr Musik, weniger Blabla
Der Weg zurück an die Spitze im Grossraum Zürich ist mittlerweile beschlossen und basiert auf drei Massnahmen: «Wir wollen die besten Moderatoren, wir wollen kompakt und gut informieren und wir wollen den besten Musikmix», fasst Wanner die Vision zusammen. Eine erste Massnahme ist bereits on air: Ende Oktober wurde die sogenannte Stundenuhr angepasst und Radio 24 spielt mehr Musik – am deutlichsten hörbar zwischen 15 und 16 Uhr. «Wir haben früher im Vergleich zu anderen Radiostationen sehr wenig Musik gespielt», gibt Bomio zu. Dabei entspreche gerade das einem Hörerbedürfnis – vor allem tagsüber. Und diesem Bedürfnis wolle man Rechnung tragen. «Wir möchten in einem ersten Schritt zeigen, dass es auch bei uns viel gute Musik gibt.» Verwechselbar mit Radio Energy werde das Programm aber nicht, versichert der Programmleiter: «Wir werden immer reifer sein als Radio Energy – und unser Musikprogramm wird eine grössere Masse ansprechen.»
Investiert wird seit August auch in die Qualität des gesprochenen Wortes, sowohl im Redaktions- wie auch im Moderationsbereich. Dies geschehe mit sogenannten Airchecks. «Wir wollen kein zu langes Geschwafel, sondern möchten auf den Punkt kommen», sagt Wanner. Und Bomio ergänzt: «Wir hinterfragen uns laufend, ob wir die Geschichte richtig erzählt haben oder ob es noch besser geht.» Diese Feedbacks würden vom insgesamt 45-köpfigen Team sehr geschätzt.
Viele weitere Ideen seien noch in der Entwicklung, einiges werde auch einfach mal ausprobiert. Das Ziel aber sei klar: «Wir wollen wieder dorthin, wo wir einst waren: Wir wollen wieder 300'000 Hörer im Grossraum Zürich», sagt Bomio. Es fehlen noch rund 50'000. Doch Wanner ist optimistisch: «Die Hörerzahlen entwickeln sich derzeit positiv.»
Auch digitale Kanäle werden ausgebaut
Ein «geschärftes» Programm ist das eine, auf der anderen Seite wird auch in die digitalen Kanäle investiert. Im 1. Quartal 2017 gibt es eine neue Website mit leicht auffindbarem Player sowie eine neue App. «Wir haben ein Team aufgebaut, welches sich ausschliesslich um Social Media und Online kümmert», so Wanner. Auch dort wolle man professioneller auftreten, auch mit Bewegtbild. Schliesslich wolle man bereit sein, wenn UKW in ein paar Jahren abgeschaltet werde.
Dass sich Radio 24 dereinst wieder als «Nummer 1 von Zürich» bezeichnen kann, davon ist das Führungsduo überzeugt. Wanner gesteht aber ein: «Wir machen uns nichts vor, das gelingt uns nicht von heute auf morgen.»
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05.12.2016 14:02 Uhr


