24.10.2013

AZ Medien

Solothurner fühlen sich vernachlässigt

SRG organisiert Podium zur Konzentration im Print-Bereich.

An einem Behördenanlass im Solothurner Kulturm diskutierten Gäste aus Politik und Wirtschaft über die Tatsache, dass der Kanton Solothurn kein eigenes, eigenständiges Medium mehr hat. Besonders die Konzentration im Print-Bereich kommt bei vielen nicht gut an, heisst es in einer Medienmitteilung zum Anlass. Die SRG Aargau Solothurn hatte drei Vertreter aus Medien und Politik geladen, diese Entwicklung auf einem Podium mit SRF-Moderatorin Noëmi Ackermann zu diskutieren: SVP-Nationalrat Walter Wobmann, CVP-Nationalrat Urs Schläfli und der Oltner Polit- und Medienberater Clemens Studer, ehemals stellvertretender "Blick"-Chefredaktor.

Einheitsbrei statt Vielfalt
Wobmann bemängelte die fehlende Medienvielfalt und erhielt Zustimmung aus dem Publikum. Verschiedene Meinungen seien nicht mehr präsent, im Kanton sei ein Einheitsbrei vorherrschend. Gerade der Zusammenschluss bei den Tageszeitungen unter dem Dach der AZ-Medien habe dazu geführt, dass in den sogenannten Mantelressorts (Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport) nur noch ein Angebot bestehe. Seit 2002 erscheinen die Zeitungen "Oltner Tagblatt", "Zofinger Tagblatt", "Solothurner Zeitung" und "Grenchner Tagblatt" im Rahmen der Kooperation "Mittelland Zeitung" mit dem Mantelteil der "Aargauer Zeitung". Im Jahr 2009 wurde das "Solothurner" Tagblatt der Tamedia eingestellt und die Medien der Solothurner Vogt-Schild-Gruppe gingen an die AZ-Medien. Seit diesem Moment sei der Rückgang der journalistischen Qualität augenfällig, so die dominierende Meinung der Anwesenden.

Der Mantelteil der Zeitungen des Mittelland-Verbundes sei - so waren sich die Gäste auf dem Podium sowie die knapp 40 Gäste im Publikum einig - stark aargauisch geprägt: Solothurner Politiker erschienen in der Berichterstattung wenig. Das Schwarzbubenland existiere in der Berichterstattung gar nicht und auch Teile des Kantons Aargau fühlten sich von den az Medien vernachlässigt, so hiess es aus dem Publikum. Hier gab Studer eine Perspektive von aussen: Die AZ-Medien wollten in der nationalen Liga mitspielen und das beeinflusse die inhaltliche Gewichtung. Es gehe ihnen also weniger um die regionale Präsenz. Zudem stammten viele az-Redaktoren aus dem Grossraum Zürich, was zu einer Zürcher Sicht führe.

Kleine auf anderen Kanälen springen in die Bresche
Gerade im Raum Olten oder nördlich des Juras sprängen, so die Feststellung der Anwesenden, regional fokussierte Nischenplayer in die Bresche, welche die grösseren Zeitungen hinterlassen. Im Internet, aber auch via Radio und Fernsehen stünden alternative Informationsmöglichkeiten zur Verfügung, war man sich auf dem Podium einig. Dass Schweizer Zeitungen im Mantelbereich kooperierten und so Geld einsparten, sei legitim, fand Studer. Doch das Versprechen, das sie damit für die Regionalredaktionen gegeben haben, werde nicht eingelöst. Der in Aussicht gestellte Ausbau habe nicht stattgefunden.

Diskutiert wurde auch das Verhältnis zwischen Politikern und Medienschaffenden. Sowohl Wobmann als auch Schläfli waren anhand vieler Beispiele der Ansicht, dass letztlich "ein Miteinander" im Sinne beider Seiten sei. "In der Wandelhalle des Bundeshauses kommt es mir manchmal vor wie an einer Viehschau", so die Beobachtung des gelernten Landwirts Schläfli. (pd)

 

 

 

 

 


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