27.02.2023

Nachfolge von Deville

SRF will das Gespräch mit Comediennes suchen

Komikerinnen um Patti Basler und Lara Stoll haben Kritik an das Schweizer Fernsehen gerichtet. Das Schreiben, das auch strukturellen Sexismus thematisiert, werde nun von SRF genau geprüft.
Nachfolge von Deville: SRF will das Gespräch mit Comediennes suchen
Sammelte zusammen mit Lara Stoll Vorwürfe von Berufskolleginnen: Satirikerin Patti Basler. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Die Vorwürfe an die Adresse der TV-Unterhaltungsredaktion von SRF Comedy sind happig. «Man wird beständig vor vollendete Tatsachen gestellt.» Oder: «Man lässt Leute arbeiten, Ideen und Konzepte entwickeln, versucht dann Löhne zu dumpen, bis es im besten Falle ganz gratis ist.» Oder: «Es werden Ideen von Künstler:innen in Teilen oder ganz ‹geklaut›.» In einem von den Comediennes Patti Basler und Lara Stoll initiierten Brief wird auch struktureller Sexismus thematisiert, wie zum Beispiel: «Fehlender Support während Projekten, Frauen wurden in Formate gesetzt, die ihnen nicht entsprochen haben, und wurden dabei verheizt.» Oder: «Plant eine Frau eine Sendung, ist sie der Entscheidungshoheit von Männern ausgesetzt.» (persoenlich.com berichtete).

In einem Kommentar unterhalb des entsprechenden persoenlich.com-Artikels doppelt Komikerin Patti Basler nach und nennt eine weitere Problematik, die laut ihr zu strukturellem Sexismus führt: «Eine dieser Strukturen ist der Umstand, dass es nur eine einzige Vollzeitstelle in der Comedy-Abteilung gibt, wodurch gar keine Diversität hinter den Kulissen herrschen kann. Die Stelle ist, genau wie die direkte Vorgesetzten-Stelle (Leitung Unterhaltung) männlich besetzt.» Wäre sie weiblich besetzt, bestünde dasselbe Problem, einfach umgekehrt, so Basler weiter. Dasselbe gelte auch für den Comedy-/Satire-Sendeplatz an sich. «Es gibt nur einen einzigen Sendeplatz, sobald dieser mit jemandem besetzt ist, ist das Geschlecht dieser Person automatisch übervertreten. Dadurch schliesst man in jedem Fall gute Talente aus und kann gar nicht anders, als die Perspektive der halben Menschheit zu vernachlässigen.»

SRF äusserte sich auf Anfrage von persoenlich.com nicht detailliert zu den einzelnen Kritikpunkten. In einer Stellungnahme vom Montag heisst es: «SRF wird den Brief genau prüfen und das Gespräch mit den beiden Verfasserinnen suchen.» Ein konstruktiver Austausch sei für SRF zentral. «SRF setzt sich konsequent für Diversität und die Gleichstellung der Geschlechter ein – sowohl im Angebot als auch bei den Mitarbeitenden. Der Entscheid für die Nachfolge von Formaten wird bei SRF von einem breit abgestützten Gremium gefällt, das einen hohen Frauenanteil aufweist.» (cbe)


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