11.12.2025

UKW

SRG-Rückkehr spaltet die Radiobranche

Die geplante UKW-Rückkehr der SRG hat der Verband Unikom auf Anfrage als «bedauerlich» bezeichnet. Das Vorhaben sei eine «reine Geldvernichtung». Die Schweizer Privatradios hingegen begrüssen den Entscheid. Das zuständige Bundesamt kündigte an, dass die Rückkehr Auswirkungen auf die Neuvergabe der Funkkonzessionen hat.
UKW: SRG-Rückkehr spaltet die Radiobranche
Die Reaktionen zu der geplanten UKW-Rückkehr der SRG sind gespalten. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Die SRG sei von den UKW-Privatradios faktisch hintergangen worden, schrieb der Verband Unikom, der die Interessen von unabhängigen Radios und Audiomedien vertritt, auf Anfrage von Keystone-SDA. Falls die UKW-Rückkehr der SRG Tatsache werde, verlangsame dies den Abschluss der Digitalisierung.

Ebenso sei das Vorhaben eine «reine Geldvernichtung». Es wäre günstiger, allen Radiohörerinnen und Hörern das Auto umzurüsten oder ein DAB+-Radio zu schenken, als weiterhin via UKW zu senden. «Die schweigende Mehrheit ist erwacht und schüttelt nur noch den Kopf», schrieb Reto Wettstein, Vorstand des Unikom.

Der Verband kündigte bereits nach der Abstimmung vom Dienstag an, sich an die Wettbewerbskommission (Weko) zu wenden und prüfen zu lassen, ob ein erneutes Festhalten an bestehenden UKW-Vergaben eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung darstellt (persoenlich.com berichtete). Mit der Ankündigung der SRG sei die wettbewerbliche Benachteiligung der Nicht-UKW-Radios noch verschärft worden, so Wettstein.

Eine Verlängerung der bestehenden Funkkonzessionen müsse deshalb völlig ausgeschlossen sein. Ausserdem würden sich nun zusätzliche rechtliche Fragen ergeben: Wer verfügt über zurückgegebene Frequenzen? Und was bedeutet die Absicht der SRG für die Neuausschreibung der Frequenzen?

Rückkehr hat Auswirkung auf Vergabe

Das Bakom schrieb auf Anfrage von Keystone-SDA, dass die Rückkehr der SRG bei der Prüfung des Vergabeverfahrens berücksichtigt werde. Der Entscheid sei nachvollziehbar. Die Höhe der Kosten könnten zur Zeit noch nicht abgeschätzt werden.

Folgende Kostenfaktoren müssten gemäss Bakom jedoch berücksichtigt werden: Der technische und administrative Aufwand für die Wiederaufnahme von UKW, die jährlichen Gebühren für den UKW-Betrieb und die jährlichen Kosten für den Betrieb der Standorte.

Privatradios begrüssen den Entscheid

Der Verband Schweizer Privatradios (VSP) stehe mit dem Bakom in Kontakt, schrieb dessen Geschäftsleiter Peter Scheurer auf Anfrage. «Es gilt zuerst eine erste Stossrichtung abzuwarten.»

Der Entscheid der SRG werde von den Privatradios begrüsst. «Es ist ein Entscheid für das Medium Radio und insbesondere für die Bevölkerung, die immer noch zahlreich über UKW Radio hören möchte», so Scheurer weiter.

Mit der Rückkehr würden zwar zunächst einige Hörerinnen und Hörer wieder zu den SRG-Programmen zurückkehren. Viel wichtiger sei aber, dass der Gesamtmarkt Schweiz keine Hörerinnen verliert. «Nach der UKW-Abschaltung der SRG sind rund 100'000 Hörerinnen und Hörer zu ausländischen UKW-Programmen gewechselt und das gilt es zu verhindern», betonte Scheurer.

An den Investitionen für DAB+ und die gesamte Digitalisierung ändere sich damit nichts. «Die Regionalradios, die über UKW senden, sind längst auch schon grossflächig über DAB+ zu empfangen. Diese Verbreitung wird bleiben.» (sda/cbe)


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