Ob die SRG ihre Radioprogramme wieder über UKW verbreiten wird, ist weiterhin unklar. Ganz einfach wäre eine Rückkehr laut dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ohnehin nicht. Die SRG schaltete Ende 2024 die UKW-Verbreitung aus (persoenlich.com berichtete).
«Falls sich diese Rahmenbedingungen ändern, müssen wir das neu analysieren», hiess es bei der SRG, wie Radio SRF am Dienstag berichtete. Ein sofortiges Comeback von SRF-Radiosendungen auf UKW sei derzeit nicht möglich, bestätigte das Bakom: Wurde eine UKW-Konzession einmal zurückgegeben, kann sie nicht einfach wieder aufgenommen werden.
Am Dienstag hat der Ständerat einer Motion zugestimmt, wonach Radiosender ihre Programme auch über 2026 hinaus via UKW verbreiten dürfen. Damit könnten ab 2027 neue Konzessionen vergeben werden. Das Bakom liess jedoch eine Hintertür offen: Sollte die SRG ein entsprechendes Gesuch stellen, würde geprüft, ob eine Ausnahme möglich sei.
Die SRG hält sich derweil bedeckt, ob sie eine Rückkehr auf UKW prüfen wird. Man könne durch den Verzicht auf UKW rund 15 Millionen Franken pro Jahr sparen, hiess es. «Eine Wiedereinführung würde heissen, in einer Zeit des Sparens viel Geld für eine auslaufende Technologie aufzuwenden statt für unsere Programme», erklärte die SRG gegenüber Radio SRF.
In einer schriftlichen Stellungnahme betonte der Sender, er habe sich mit der UKW-Abschaltung per Ende 2024 an die vor über zehn Jahren mit der Radiobranche und dem Bund vereinbarte Abmachung gehalten. Die SRG sei «solidarisch vorausgegangen, um den Privaten, die von Werbegeldern abhängig sind, den Weg zu bahnen», schrieb Mediensprecher Nik Leuenberger auf Anfrage von persoenlich.com. Nachdem das Parlament nun eine Verlängerung der UKW-Verbreitung beschlossen habe, habe sich die Ausgangslage aber verändert. Politik und Teile der Bevölkerung erwarteten eine Weiterführung von UKW. Die SRG nehme diese neue Situation zur Kenntnis, prüfe verschiedene Optionen und werde «zeitnah informieren».
Privatradios sehr erfreut über Weiterführung von UKW
Der Verband Schweizer Privatradios ist «hocherfreut» über die Weiterführung von UKW. Der Parlamentsentscheid schaffe Planungssicherheit für die Radiobranche und die Bevölkerung.
Die Politik habe die jüngsten Entwicklungen nach der UKW-Abschaltung der SRG ernst genommen und die zentralen Anliegen der Regionalradios nachvollzogen, schrieb der Verband Schweizer Privatradios (VSP) am Dienstag.
Seit der Abschaltung hätten die SRG-Programme massive Hörerzahleneinbrüche von bis zu 49 Prozent verzeichnet. Zudem seien über 100'000 Hörerinnen und Hörer auf ausländische UKW-Programme ausgewichen, so der VSP.
Positiv bewertet der VSP, dass der Ständerat die wirtschaftlichen Folgen berücksichtigt hat: Ein vergleichbarer Hörerzahlenrückgang hätte für private Anbieter Werbeverluste in zweistelliger Millionenhöhe bedeutet und damit existenzielle Risiken geschaffen. Auch der «weiterhin ungenügende Ausrüstungsgrad der Fahrzeuge» trage der Verlängerung Rechnung. Da eine Umrüstung in der Praxis fast ausschliesslich über den Kauf eines Neuwagens erfolge, erhalte die Bevölkerung mehr Zeit für den technologischen Übergang.
Die Regionalradios stünden weiterhin klar hinter der digitalen Radiozukunft und investierten bereits heute deutlich mehr finanzielle Mittel in DAB+ als in UKW. Doch es brauche gleichzeitig eine realistische Übergangsphase, «die technische Gegebenheiten, das Nutzerverhalten und die wirtschaftliche Stabilität berücksichtigt».
Unikom will Weko einbeziehen
Der Verband Unikom, der die Interessen von unabhängigen Radios und Audiomedien vertritt, schrieb, man werde nun prüfen lassen, ob eine solche Verlängerung wettbewerbsrechtlich überhaupt zulässig sei. Denn die unabhängigen Radios sind wie Radio SRF derzeit nur noch auf DAB+ präsent.
Die Wettbewerbskommission (Weko) solle klären, ob ein erneutes Festhalten an bestehenden UKW-Vergaben eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung darstelle. «Für uns ist zentral: Eine Verlängerung darf nicht automatisch den bestehenden Konzessionären zugutekommen, ohne ein faires und transparentes Verfahren», wurde Reto Wettstein, Vorstand des Verbandes Unabhängiger Radios und Audiomedien Unikom, in einer Mitteilung zitiert. (sda/cbe)
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09.12.2025 17:48 Uhr

