19.09.2018

Umzug Radiostudio Bern

SRG zügelt die Infoabteilung nach Zürich

Der Verwaltungsrat bleibt trotz Widerstand aus Politik und Wirtschaft hart und verlegt die Informationsabteilung des Radios. 170 Mitarbeitende sind vom Umzug betroffen, vor allem Medienschaffende, aber auch Techniker.
Umzug Radiostudio Bern: SRG zügelt die Infoabteilung nach Zürich
Sendet bald aus Zürich statt aus Bern: Ein SRF-Journalist. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Der Verwaltungsrat der SRG hat sich an seiner Sitzung vom Mittwoch für den Umzug eines Teils der Radioredaktionen SRF von Bern nach Zürich ausgesprochen. Die Verlegung von insgesamt 170 Arbeitsplätzen soll vorbehältlich des Konsultationsverfahrens ab Ende 2020 stattfinden. Die SRG werde ihre Präsenz in Bern mit neuen Projekten verstärken und die Digitalisierung weiter vorantreiben. Sie reduziert gleichzeitig die Immobilienflächen unternehmensweit, heisst es in einer Mitteilung.

«Der Service public steht im Dienst der Gesellschaft. Er muss sich ständig neuen Rahmenbedingungen anpassen und gleichzeitig die Entwicklung der Medien antizipieren», wird Gilles Marchand, Generaldirektor der SRG, in der Mitteilung zitiert. «15 Jahre nach der Revolution im Videobereich finden die nächsten Umwälzungen im Audiobereich statt. Im Dialog mit den Teams ist es wichtig, die Präsenz unserer Sendungen und Programme auch in den neuen Mediennutzungsformen sicherzustellen, damit den Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht zu werden und unseren Auftrag zu erfüllen.»

Programme und Arbeitsplätze schützen

Mit dem Immobilienprojekt in Bern spart die SRG jährlich 5 Millionen Franken, dies ohne Arbeitsplätze abzubauen und ohne das Programm zu tangieren. Der vom Verwaltungsrat SRG unterstützte Antrag ist Teil des von der SRG für 2019 definierten Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsprogramms von insgesamt 100 Millionen Franken. In der Deutschschweiz spart die SRG (Generaldirektion/SRF) 12 Millionen Franken mit Immobilien- und Infrastrukturprojekten – 5 Millionen davon in Bern an den Standorten von SRF und der Generaldirektion. «Wir sparen lieber im Immobiliensektor als im journalistischen Bereich. Und wir werden die Qualität unserer Radioprogramme zu sichern wissen, unabhängig davon, wo sie produziert werden», sagt Ruedi Matter, Direktor SRF.

Die vorgesehenen Sparmassnahmen betreffen vorwiegend die Infrastruktur der SRG. So sollen insbesondere die technischen Investitionen um 20 Prozent reduziert werden. Die Immobilienflächen der SRG sollen unternehmensweit um 25 Prozent reduziert und die Aktivitäten neu organisiert werden.

Auch in der französischsprachigen Schweiz wird die Immobiliensituation in den kommenden Jahren den Bedürfnissen der Digitalisierung und den wirtschaftlichen Zwängen (allmähliche Flächenreduktion) angepasst. RTS wird seine zwei Hauptstandorte in Genf und Lausanne sowie seine Regionalbüros beibehalten.

Die SRG bleibt in Bern stark vertreten

Trotz des vorgesehenen Teilumzugs bleibt die SRG in der Stadt Bern mit 550 Mitarbeitenden – davon mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten von SRF, RTS, RSI, RTR und SWI – weiterhin stark vertreten. Dazu zählt das Studio Bundeshaus, aus dem auch in Zukunft über das bundespolitische Geschehen aus Bern berichtet wird.

Zusätzlich wird SRF seine Inlandredaktion in Bern ausbauen und die Präsenz in den deutschsprachigen Kantonen mit einigen Korrespondentinnen und Korrespondenten erweitern. Die Unternehmenseinheiten der SRG werden in Bern zudem einer Forderung der neuen Konzession entsprechen und ein Pilotprojekt starten, das Inhalte zu nationalen Themen für alle SRG-Kanäle in allen Landesteilen herstellen soll.

Ebenfalls in Bern betreut werden soll die neue digitale Plattform der SRG, welche à la carte, also den Bedürfnissen des Publikums angepasst, die SRG-Angebote mit Untertiteln in den Landessprachen anbieten wird. «Die SRG will in Bern – dem politischen Herz der Schweiz – mit neuen Aktivitäten ihren Standort zum nationalen politischen Kompetenzzentrum ausbauen. In diesem Sinn wird sie am Föderalismus und an der Zusammenarbeit zwischen den Regionen unseres Landes festhalten», sagt Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident der SRG.

Das Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsprogramm der SRG ist die Reaktion auf die vom Bundesrat 2017 beschlossene Plafonierung der Gebühreneinnahmen, auf die Reduktion der Gebühren sowie auf den Rückgang der Werbeeinnahmen, der alle Schweizer Medien betrifft. Diese Reform des Service public beinhaltet auch Anpassungen bei und Investitionen in die Digitalisierung der Medien sowie Reinvestitionen in Schweizer Kulturproduktionen. Die SRG hat diesbezüglich drei klare Prioritäten für die kommenden Jahre definiert: Die Unterscheidbarkeit ihrer Programme, die Zusammenarbeit mit privaten Schweizer Medien und die Kosteneffizienz. (pd/cbe)

 

 

 



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Kommentare

  • Giuseppe Scaglione, 19.09.2018 20:10 Uhr
    Ich gratuliere dem VR der SRG für diesen Mut und seine Gradlinigkeit. Wenn man bedenkt, was da für ein Druck aufgebaut wurde, verdient der Entscheid grossen Respekt. Unternehmerisch macht das Ganze sowieso Sinn. Das Gejammer der Gewerkschaft ist lächerlich und spricht für sich...
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