Der Schweizerische Nationalfonds hat am Donnerstag die Resultate des Nationalen Forschungsprogramms «Digitale Transformation» (NFP 77) veröffentlicht. Während fünf Jahren haben Forschende in 46 Teilprojekten die Chancen und Risiken des digitalen Wandels in der Schweiz analysiert. Ihre Schlussfolgerungen richten sich an Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Einer von zwölf sogenannten Impulsen enthält Handlungsempfehlungen, um die unabhängige Medienlandschaft zu stärken.
Der digitale Wandel setzt die traditionellen Geschäftsmodelle der Nachrichtenmedien unter existenziellen Druck, hält der Bericht fest. Er verweist auf Zusammenhänge zwischen sinkendem Nachrichtenkonsum, geringerem Vertrauen in Institutionen und schwächerer politischer Beteiligung. Besonders gefährdet seien Personen mit geringer digitaler Kompetenz und wenig politischem Interesse, die sich in komplexen Informationsumgebungen schlechter zurechtfinden und anfälliger für Desinformation sind. Problematisch wird es zudem dort, wo Gemeinden mangels lokaler Medien journalistisch anmutende Informationsangebote selbst produzieren – und dadurch die Grenze zwischen unabhängiger Berichterstattung und staatlicher Kommunikation verschwimmt. Dies könne die demokratische Kontrollfunktion schwächen.
Als Antwort auf diese Herausforderungen formulieren die Forschenden mehrere mögliche Massnahmen. So empfehlen sie, Staatskunde gegenüber Medienkompetenz bildungspolitisch zu priorisieren. Medienkompetenz allein reiche nicht aus, um Desinformation und politische Abstinenz zu verhindern. Denn nicht die Nachrichtennutzung als solche, sondern das allgemeine politische Interesse fördere politisches Wissen und demokratische Partizipation.
Auch den wachsenden Einsatz von KI im Journalismus nehmen die Forschenden in den Blick. Algorithmusbasierte Nachrichtenempfehlungssysteme befänden sich noch im experimentellen Stadium. Medienschaffende legen Wert auf redaktionelle Kontrolle und Transparenz, um das Vertrauen des Publikums nicht zu gefährden. Das Publikum selbst begegnet solchen Systemen bei politischen Themen mit Skepsis – aus Sorge vor Manipulation bevorzuge es weiterhin menschlich verantwortete Redaktionen.
Entsprechend fordern die Forschenden mehr Transparenz und Kontrolle beim Einsatz von Empfehlungsalgorithmen. Weitere Empfehlungen: finanzielle Unterstützung für unabhängige Medienorganisationen sowie eine Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als verbindende Kraft. Die Politik sei gefragt, entsprechende Anreize zu schaffen.
Das NFP 77 wurde vom Bundesrat lanciert und verfügte über ein Budget von 30 Millionen Franken. (pd/sda/nil)
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01.06.2026 12:52 Uhr

