Nachdem bekannt ist, dass Stefan Gubser nicht mehr als «Tatort»-Kommissar auftreten wird, rechnet er mit dem Schweizer Fernsehen ab. Der Schauspieler wirft SRF vor, ein Versprechen gebrochen zu haben. «Ich habe diesen ‹Tatort› immer als mein Baby betrachtet. Man hatte mir auch zugesagt, dass ich ihn machen dürfe, bis ich 65 Jahre alt sei. Und ich empfand es deshalb als hart, mit 61 Jahren gesagt zu bekommen, jetzt sei Schluss», sagt er in einem Interview mit der NZZ, das am Samstag auch der «Blick» zitierte.
Gubser kritisiert, dass bei den Produktionen kein Headwriter eingesetzt worden war. Dieser hätte dafür sorgen können, dass die Figuren im «Tatort» den Zuschauer besser hätten berühren können, so Gubser. «Ein Headwriter hätte den Figuren ein Gesicht geben können. Ich musste in Zeitungskritiken oft lesen, dass es Flückiger an Ecken und Kanten fehle. Wie hätte ich diese spielen sollen, wenn die Situation und die Emotion dafür nicht im Drehbuch standen?», so der 61-Jährige. Zusammen mit Delia Mayer habe er immer dafür gekämpft, dass ihre Rollen mehr Fleisch erhalten. «Das wurde uns irgendeinmal zugestanden, doch in meinen Augen zu wenig und zu spät», sagt der Schauspieler.
Kritik am Filmfördersystem
In Bezug auf die Löhne sei SRF immer knausriger geworden. Mit seinem Lohn sei er zufrieden, aber die Löhne der meisten Schauspieler seien seit etwa 15 Jahren «in einem dramatischen Sinkflug», und da trage auch das SRF seinen Anteil daran, was er nicht verstehe. «Kein fester Mitarbeiter und keine feste Mitarbeiterin würde dort akzeptieren, dass der Lohn plötzlich um einen Drittel gekürzt wird.»
Neben dem SRF kritisiert Gubser im NZZ-Interview das Schweizer Filmfördersystem, insbesondere das Bundesamt für Kultur (BAK). Gubser fordert, dass unabhängige Leute das Geld verteilen, solche, die nicht vom selben Kuchen leben. «Es müsste ein Systemwechsel stattfinden», so der Schauspieler. Darüber hinaus brauche es Rahmenbedingungen, die dazu führen, dass die Filmproduzenten unternehmerischer denken.
Eigene Theater- und Filmprojekte
Bei all den Kritik-Punkten hält Gubser fest, dass er dem SRF «viel zu verdanken» habe. Das heisse aber nicht, dass er immer alles gut finden müsse. Er wolle konstruktive Kritik üben und seine Meinung sagen. «Ich habe oft genug zu lange geschwiegen, nur weil ich Bedenken hatte, damit ins Fettnäpfchen zu treten. Als ich 60 Jahre alt wurde, habe ich mir gesagt, damit ist jetzt Schluss.»
Mit Blick in seine persönliche Zukunft gibt sich Gubser optimistisch. Er verfolge jetzt wieder eigene Theater- und Filmprojekte. Zudem habe er mit Schauspiel-Kollegin Regula Grauwiller einen Kulturverein gegründet. «Der Tritt des Schweizer Fernsehens hat bei mir einen starken kreativen Prozess in Gang gesetzt. Damit hatte ich nicht gerechnet.» (eh)
KOMMENTARE
04.06.2019 23:45 Uhr
02.06.2019 06:17 Uhr

