12.07.2010

"Basellandschaftliche Zeitung"

Stiller Abschied von Mathis Lüdin

Verwaltungsrat verlassen, Peter Wanner setzte sich an die Spitze.

Mathis Lüdin ist nicht mehr Verwaltungsratspräsident der Basellandschaftlichen Zeitung AG in Liestal, gemäss Handelsregister ist er schon Ende Mai aus dem Verwaltungsrat seines ehemaligen Zeitungsverlages ausgetreten – und mit ihm drei weitere Mitglieder. Damit gibt der ehemalige bz-Verleger, der dieses Jahr das Pensionsalter erreicht, früher als erwartet alle strategischen und operativen Aufgaben bei seiner Zeitung ab.

Wanner will einheitliche Verwaltungsräte

Neu hat Peter Wanner, Chef der bz-Besitzerin AZ Medien, das Sagen, er präsidiert das Gremium, das Vizepräsidium bekleidet Philip Funk. Wanner und Funk haben dieselben Funktionen auch bei der AZ Medien AG, dem Verlag der Aargauer Zeitung, sowie bei der Solothurner Zeitung AG (vormals Vogt-Schild). Das zeigt: AZ-Chef Wanner ist daran, die Verwaltungsräte seiner 100prozentigen (Tochter-)Firmen zu vereinheitlichen – bloss der Posten des Finanzchefs, das dritte Mitglied in den Gremien, ist jeweils durch eine andere Person besetzt. Wanner ist übrigens auch anderswo am Konsolidieren: Die Limmattaler Medien, Herausgeberin des Limmattaler Tagblatts, wird sogar wegfusioniert - in die AZ Medien AG hinein. Der Zusammenschluss dieser beiden Firmen ist weitgehend abgeschlossen.

Für Mathis Lüdin ist das alles "kein Problem", wie der 65jährige sagt. Er, der das Blatt in fünfter Generation geführt, 2006 in die Mittellandzeitung eingebracht und dann vor zwei Jahren an Wanner verkauft hatte, findet es "angesichts der schwierigen Zeiten" richtig, dass die AZ Medien "nun auch auf der Führungsstufe rationalisiert". "Mit den weitgehend einheitlich besetzten Führungsgremien spart sich Peter Wanner etliche Verwaltungsratshonorare und viel Zeit", anerkennt er.

Peter Wanner ist nun

Ein Abschied in Raten, und das Attribut "Verleger" nur noch als Dekoration? "Stimmt nicht, Herr Lüdin ist nach wie vor bz-Verleger", widerspricht da Eva Keller, Sprecherin der AZ Medien. "Denn Herr Lüdin bleibt mit der bz stark verbunden. " Doch auf die Frage, welche Funktion er denn einnimmt oder wo er konkret noch etwas zu sagen habe, bleibt sie die Antwort schuldig.

Und was sagt der Ex-Verleger selbst? "Offiziell bin ich noch bis Ende Jahr Verleger, streng genommen bin ich es nicht mehr", sagt er unumwunden. Er habe effektiv auf alles verzichtet – auf jegliches Mitspracherecht und ebenso auf sein bislang noch bestehendes Vorkaufsrecht. "Herr Wanner ist nun absolut frei, ich könnte ihm nicht einmal mehr Schwierigkeiten machen", lacht Lüdin. Allerdings sei ein publizistischer Beirat geplant, der sich aus Prominenten der Region zusammensetze. "Diesem werde ich ebenfalls angehören", sagt er. Zudem werde er weiterhin über alles Geschäftliche informiert.

Noch ein zweiter Abschied steht bevor

In Zukunft wird sich Lüdin aber wie schon in den letzten zwei Jahren vordringlich seiner zweiten Firma, der Lüdin AG, widmen (Akzidenzdruck, Buchhandlung, Papeterieartikel). Auch dort gilt es, die Nachfolge zu regeln. Den Zeitungsdruck hat er schon vor gut einem Jahr eingestellt, als die Produktion der bz wegen der durchgehenden Vierfarbigkeit ins Druckzentrum der AZ Medien verlegt wurde.

Gegründet wurde die bz vor 178 Jahren unter dem Titel "Der unerschrockene Rauracher", ihren heutigen Namen erhielt sie aber erst 1854. 1861 ging das Blatt in den alleinigen Besitz von Matthias Lüdin, Ururgrossvater von Mathis Lüdin, über. 1992 übernahm die bz die in Basel erscheinende "Nordschweiz". Heute hat die Zeitung eine Auflage von rund 21'000 Exemplaren.

(Text: Markus Knöpfli)


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