03.08.2018

SRF

Susanne Wille über Social Media und No-Billag

Die SRF-Politmoderatorin erklärt im Zapp-Interview, wie sie sich als Journalistin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den sozialen Medien verhält. Dabei weicht ihre Haltung von jener ihres «10vor10»-Kollegen Arthur Honegger ab.

Im Rahmen von Zapp, dem Medienmagazin des NDR, hat Moderatorin Caroline Schmidt ihrer Schweizer Kollegin Susanne Wille, «10vor10»-Moderatorin beim Schweizer Fernsehen, auf den Zahn gefühlt. Insbesondere zur Frage, wie weit Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ihre politische Meinung öffentlich äussern dürften, nahm die SRF-Moderatorin Stellung.

Wille ist der Ansicht, dass sie in der Öffentlichkeit in erster Linie als Polit-Moderatorin wahrgenommen wird. Da alles, was sie in den sozialen Medien tue, öffentlich sei, müsse sie dort auch ihrer Rolle als Journalistin gerecht werden.

Für die Moderatorin heisst das konkret, dass Journalisten parteiische oder diffamierende Aussagen vermeiden und sich mit der persönlichen Meinung zurückhalten sollen.

Haltung ja, Parteilichkeit nein

Das bedeute aber nicht, dass man keine Haltung haben dürfe. Vielmehr schlägt sie vor, sich frühzeitig die Frage zu stellen: Würde ich das, was ich jetzt in den sozialen Medien sage, auch auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion vertreten?

Die Polit-Moderatorin will von der Öffentlichkeit nicht unbedingt als «neutral» wahrgenommen werden, ihr gefällt der Begriff «sachgerecht» besser. Sachgerecht zu sein, heisse: «Ich darf eine Haltung haben, aber ich muss gleichzeitig immer darauf achten, dass auch die Gegenseite das beste, wichtigste, richtigste Argument ins Feld führen kann», erklärt sie.

Heikler Balanceakt im No-Billag-Abstimmungskampf

Wille gesteht ein, im Vorfeld der Abstimmung um die Abschaffung der Rundfunkgebühren nicht ganz unparteiisch gewesen zu sein: «Das war eine Gratwanderung. Das gebe ich zu.» Sie habe immer gewusst, dass sie keine Abstimmungsempfehlung abgeben dürfe. Gleichzeitig habe sie bei einem solch wichtigen Thema nicht abseits stehen können. So habe sie versucht, der Öffentlichkeit zu erklären, warum ihr viel an dieser Form des Journalismus liege, ohne dass sie konkret gesagt habe, wie die Leute abstimmen sollten.

Eine aktueller Diskussionspunkt

Die Frage, wie weit SRF-Moderatoren ihre politische Meinung in den sozialen Medien kundtun dürfen, wurde in der Schweiz Mitte Juli heftig diskutiert. Anlass war ein Tweet von Willes Kollege, «10vor10»-Moderator Arthur Honegger, der Donald Trump scharf kritisierte.

Das SRF distanzierte sich vom Auftritt Honeggers: Der Twitter-Account sei ein «publizistisch eigenständiger Auftritt, bei dem er klar deklariert, dass er für sich selbst redet und nicht für SRF», sagte Mediensprecher Stefan Wyss gegenüber Nau.ch. Doch der Objektivität schade das nicht. «Mit seinen Tweets, die u.a. auf dem Expertentum als langjähriger US-Korrespondent und Buchautor basieren, beeinträchtigt er weder die Glaubwürdigkeit als 10vor10-Moderator noch diejenige von SRF insgesamt.»

Honegger selber zeigte sich auf Twitter empört über die Forderung, dass Mitarbeiter von Sendungen, die Politik thematisierten, sich privat nicht politisch äussern sollten. (as)



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Kommentare

  • André Givel, 06.08.2018 10:54 Uhr
    Sowohl Susanne Wille als auch Arthur Honegger haben recht, Beide sind anerkannte und hochqualifizierte Journies, die auch wissen, was echter Journalismus ist. Was heute in "Social medias" veröffentlicht wird, kann ja wohl kaum als guter Journalismus bezeichnet werden. Das lasst Euch von einem alten "Agencier" (Jahrgang 1933), der Journalismus noch von der Pike auf gelernt hat, sagen.
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