Der 60-jährige Lukas Hässig betreibt seit 14 Jahren den kontroversen Blog «Inside Paradeplatz» und strebt laut einem Porträt im Tages-Anzeiger täglich 150'000 Klicks an. Der Journalist, der 2018 als «Journalist des Jahres» ausgezeichnet wurde, deckte mit seinen investigativen Recherchen bedeutende Skandale im Schweizer Finanzsektor auf – etwa die Raiffeisen-Affäre um Ex-Chef Pierin Vincenz oder die Millionenentschädigung für Novartis-Chef Daniel Vasella.
Hässigs Arbeitsweise ist geprägt von Tempo und Risikobereitschaft: Er steht um 4.30 Uhr auf, macht Yoga und «pfeffert» zwischen 7 und 8 Uhr morgens seine Artikel raus. Dabei geht er laut Tagi bewusst «ins Risiko» und recherchiert nicht alle Storys «tot». Diese Arbeitsweise führte bereits mehrfach zu Gerichtsprozessen, in denen sich Hässig in Vergleichen verpflichtete, Entschädigungen zu bezahlen, Textpassagen zu löschen und Korrekturen zu publizieren.*
Während der Pandemie erweiterte Hässig sein Themenspektrum von Finanzthemen auf Cancel Culture, Stadtpolitik und gesellschaftliche Fragen. Anfang Juni 2025 gab es bei Inside Paradeplatz eine Razzia wegen Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses (persoenlich.com berichtete). Mitte Juli entschied das Zürcher Zwangsmassnahmengericht, dass das beschlagnahmte Material versiegelt bleibt.
Medienexperten loben Hässig als «Frühwarnsystem für potenzielle Skandale», kritisieren aber die schwammige Trennung von Fakten und Meinungen sowie diskriminierende Berichterstattung. Besonders Frauen in Machtpositionen seien häufig Ziel seiner Angriffe. Hässig rechtfertigt seine kontroversen «Schnellschüsse» als Querfinanzierung für seine wichtigen investigativen Recherchen – seine «Schweizer Seymour-Hersh-Momente». (cbe)
*In einer ersten Version wurde fälschlicherweise von strafrechtlichen Verurteilungen geschrieben. Tatsächlich schloss Hässig laut Tages-Anzeiger gerichtliche Vergleiche ab, ohne verurteilt zu werden.

