12.07.2018

Gleichberechtigung

Tamedia analysiert die Löhne der Angestellten

Tamedia will 2018 systematisch die Löhne der Mitarbeitenden untersuchen. Falls Ungerechtigkeiten zwischen den weiblichen und männlichen Mitarbeitern bestehen, will das Medienhaus diese ausgleichen.
Gleichberechtigung: Tamedia analysiert die Löhne der Angestellten
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Tamedia will, dass Frauen und Männer gleich behandelt werden. (Bild: Tamedia/Joan Minder)
von Edith Hollenstein

Sollen Frauen und Männer für die gleiche Arbeit gleich viel verdienen? Eigentlich sollte das keine Frage sein. Doch noch immer – trotz in der Verfassung verankerter Gleichberechtigung – verdienen Frauen weniger. 7,4 Prozent beträgt der nicht erklärbare Lohnunterschied laut einer vom Bund in Auftrag gegebenen Studie.

Während auf politischer Ebene nur zaghaft Schritte erfolgen, zeigen erste Firmen, dass ihnen dieses Thema ein Anliegen ist. Firmen wie Novartis, Swisscom und SBB haben es mit internen Lohnanalysen vorgemacht. Nun zieht auch Tamedia mit. CEO Christoph Tonini wird dieses Jahr im Konzern systematisch untersuchen lassen, ob Unterschiede bei den Löhnen auf das Geschlecht zurückzuführen sind.

Differenz wird ausgeglichen

Diese Information aus dem aktuellen «Magazin» bestätigt Tamedia-Sprecher Patrick Matthey auf Anfrage von persoenlich.com: «Selbstverständlich muss gleiche Arbeit mit gleichem Lohn kompensiert werden». Tamedia führe im laufenden Jahr gruppenweit ein neues Funktions- und Gradingmodell ein, das unter anderen das Ziel habe, Unterschiede in der Entlöhnung von männlichen und weiblichen Mitarbeitenden in den einzelnen Funktionen zu identifizieren, so Matthey. Und falls tatsächlich Unterschiede bestehen, die nicht durch begründete Faktoren wie etwa Erfahrung, Ausbildung oder Leistung gerechtfertigt sind, will Tamedia handeln. Matthey dazu: «Es ist unser Ziel, diese im Rahmen von zukünftigen Lohnerhöhungsrunden auszugleichen».

Durch wen diese Analyse erfolgen soll und wann die Ergebnisse vorliegen, darüber will Matthey keine Angaben machen. Offen lässt er auch, ob primär das Medien- und Verlagsgeschäft oder alle 3400 Mitarbeitenden in der Schweiz, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Israel, Luxemburg, Österreich und Serbien analyisert werden. Bei der Einführung des neuen Funktions-/Gradingmodells sei es normal, dass Tamedia überprüfe, ob die bisher entrichteten Löhne innerhalb der Funktionsgruppen adäquat sind, ganz abgesehen und unabhängig Geschlechts, so Matthey.

Novartis musste 3 Millionen mehr zahlen

Was nach der Suche von Sparpotential tönt, könnte am Ende teuer werden: Bei Novartis hat die Lohn-Analyse damals an den Tag gebracht, dass eine ganze Reihe von Mitarbeiterinnen zu schlecht bezahlt worden waren. Laut SRF waren es 900 Frauen, deren Löhne der Weltkonzern Novartis nachträglich um insgesamt drei Millionen Franken korrigieren musste.



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Kommentare

  • Sebastian Renold, 14.07.2018 14:23 Uhr
    Das erinnert stark an eine Übung, die vor etlichen Jahren innerhalb der Redaktion des "Tages-Anzeigers" durchgezogen wurde: der "Sternenhimmel". In diesen wurden die einzelnen Mitarbeiter mit ihren Gehältern postiert (Sterne im Gehaltshommel) und dann festgestellt, ob sie auch "am richtigen Platz" wären. Mit dem "Platz im Sternenhimmel" wurden sodann etliche Korrekturen, vor allem aber die Ablehnung jeglicher individueller Lohnerhöhung begründet. Unter dem Strich war's eine versteckte Sparübung von oben.
  • Gotthard Andermatt, 14.07.2018 17:15 Uhr
    Das war, wenn ich mich recht erinnere, in der Ära Hächler/Schlumpf. Der Trick dabei war, dass man jedem Mitarbeiter sagte, er wäre "im Sternehimmel ohnehin sehr hoch eingestuft", aber natürlich verschwieg, wer über und wer unter ihm im Himmel schwebte. So war ein Vergleich nicht möglich, und jeder blieb ein einsam leuchtender "Stern" (aber lohnmässig kein "Star").

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