Die Sparmassnahmen bei Tamedia zeigen Wirkung: Das Zürcher Medienhaus konnte Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2010 erhöhen - und dies obwohl die Werbeeinnahmen gleichzeitig stagnierten. Für das zweite Halbjahr ist die Firmenleitung deshalb optimistisch. "Mit Tamedia geht es wieder aufwärts", fasste Verwaltungsratspräsident Pietro Supino den Zustand des Medienhauses am Mittwoch in Zürich zusammen. Der massive Rückgang der Werbeeinnahmen habe dank des Aufschwunges gestoppt werden können. Zudem sei nun der Effekt der Sparmassnahmen sichtbar, die in den letzten 12 Monaten durchgeführt worden seien.
Der Umsatz stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2,4 Prozent auf 386,4 Millionen Franken. Dieses Wachstum ist zum grössten Teil auf die neu zugekauften Medien zurückzuführen, also auf search.ch, den "Zürcher Unterländer" und die "Zürichsee-Zeitung". Insgesamt verdiente Tamedia im ersten Halbjahr 52,5 Millionen Franken, während es in der Vergleichsperiode des Vorjahres nur gerade 800'000 Franken waren.
Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) kletterte wegen Sparmassnahmen und Entlassungen um 154,4 Prozent auf 66,1 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT, also vor Zinsen und Steuern, stieg von 9,1 auf 48,8 Millionen Franken.
Supino lobt den Tagi
Der Umsatz bei den Zeitungen stieg um 0,4 Prozent auf 255 Millionen Franken. Dazu beigetragen haben in erster Linie die Neuzugänge "Zürcher Unterländer" und "Zürichsee-Zeitung", sowie die langjährigen Goldesel "20 Minuten" und "SonntagsZeitung". Die regionalen Tageszeitungen schlossen das erste Halbjahr mit einem knapp ausgeglichenen Ergebnis ab. Düsterer sieht es bei der "Berner Zeitung" und dem Flaggschiff "Tages-Anzeiger" aus: Beide Titel mussten einen Umsatzrückgang hinnehmen.
Die Neulancierung des "Tagi" vor gut einem Jahr zahlt sich finanziell also noch nicht aus. Inhaltlich ist VR-Präsident Supino dafür umso zufriedener. Die Zeitung habe sich deutlich verbessert, sagte er. Leserumfragen würden zeigen, dass das Blatt invensiver gelesen werde. Einzig die Bund-Abfolge stosse noch oft auf Kritik. Mehr Freude hat Supino an der wirtschaftlichen Entwicklung der Berner Tageszeitung "Der Bund": Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren weist das Blatt ein ausgeglichenes Ergebnis auf.
Online rentiert - Fernsehen und Radio nicht
Zufrieden ist Tamedia auch mit seinen Online-Produkten, wie etwa "20 Minuten online", dem "Newsnetz" und der Immobilienplattform "Homegate". Von den zehn rentabelsten Tamedia-Produkten sind heute bereits sechs im Internet zu finden. Einträglich ist für Tamedia auch das Zeitschriften-Geschäft, wobei vor allem die "Schweizer Familie" und das Lifestyle-Gratisheft "20 Minuten Friday" rentierten. Zurückgegangen sind hingegen die Umsätze von der "Annabelle" und "TVtäglich".
Sorgenkinder des Medienhauses ist und bleiben die Fernseh- und Radiostationen, insbesondere "TeleBärn" und der Berner Radiosender "CapitalFM". Beide schreiben seit Jahren Verlust. Aber auch in Zürich rentiert das TV- und Radiomachen nicht wirklich. Man werde das Problem "mit verschiedenen Massnahmen angehen", kündigte Martin Kall an, der Vorsitzende der Unternehmensleitung. Genauere Angaben machte er keine.
Informationen über Stellenabbau im Herbst
Für die nächsten Monate ist die Tamedia-Unternehmensleitung "insgesamt eher positiv eingestellt", wie Kall sagte. Grosses Thema werde die Neuordnung der Zürcher Regionalzeitungen sein. Die Gespräche mit den einzelnen Zeitungen seien derzeit noch nicht abgeschlossen. Im Herbst will Tamedia kommunizieren, wie die Zürcher Zeitungslandschaft künftig aussehen wird und wie viele Stellen abgebaut werden. (sda)

