12.03.2019

Jahresmedienkonferenz 2018

Tamedia überprüft eigene Unternehmensstruktur

Mehr Umsatz, weniger Gewinn: Der Schweizer Verlag setzte im letzten Jahr 1,01 Milliarden um und erzielte einen Betriebsgewinn von 131,6 Millionen Franken. Tamedia will 30 Millionen in die digitalen Bezahlmedien investieren und punkto Organisation über die Bücher gehen.
Jahresmedienkonferenz 2018: Tamedia überprüft eigene Unternehmensstruktur
Das Logo der Mediengruppe Tamedia in Zürich. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Das Medienhaus Tamedia investiert weiter kräftig ins Digitale – auch in die Publizistik, vor allem aber in kommerzielle Digitalangebote und Beteiligungen. Das ehemalige Kerngeschäft mit gedruckten Medien wird weiter optimiert, entwickelt sich aber immer mehr zur Belastung für den Gesamtkonzern.

Zwei Zahlen machen die Problematik deutlich. Während das Print-Geschäft 2018 zwar noch für knapp 47 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich zeichnete, lieferten die gedruckten Erzeugnisse nur mehr knapp 14 Prozent des Betriebsgewinns auf Stufe EBIT. Sprich: Mit Print lässt sich immer weniger Geld verdienen. Das manifestiert sich nicht zuletzt auch an der EBIT-Marge des Geschäftsfeldes Bezahlmedien, die 2018 auf einen Tiefstand von 3,2 Prozent gefallen ist und von Tamedia-CEO Christoph Tonini mit der Note «ungenügend» taxiert wurde. Besserung ist hier nicht in Sicht. Das Tamedia-Management rechnet auch 2019 mit weiter sinkenden Umsätzen im Print-Werbemarkt.

Investitionen in Fintech

Dass die vorhandenen Mittel vor diesem Hintergrund vorwiegend in zukunftsträchtige Digitalaktivitäten fliessen, erscheint nichts wie logisch. So soll das Geld, das aus dem Verkauf der Minderheitsbeteiligung an Localsearch zufliesst, mehrheitlich für den Kauf neuer Digital-Beteiligungen verwendet werden. Die Swisscom als Mehrheitseigentümerin von Localsearch bezahlt Tamedia knapp 240 Millionen Franken für den Anteil von 31 Prozent.

Einen möglichen Investitions-Schwerpunkt sieht Tamedia-CEO Tonini im Bereich Fintech. Hier hat die Gruppe erste Erfahrungen mit den Investitionen in Lykke (globaler Blockchain-Marktplatz) und Monito (Vergleichsportal für Geldtransfer-Services) gesammelt.

Aber auch die digitalen Bezahlmedien sollen gestärkt werden. Tamedia will dazu in den nächsten drei Jahren 30 Millionen investieren: Zwei Drittel sollen der Redaktion und ein Drittel dem kommerziellen Bereich zu Gute kommen. «In den kommenden drei Jahren streben wir ein Wachstum von 50 Prozent des Digitalumsatzes aus dem Lesermarkt an», sagt Tonini dazu gegenüber persoenlich.com.

Erfreuliche Entwicklung der Digital-Abos

Die Zuversicht für die Investitionen in die Publizistik schöpft das Management aus der zuletzt erfreulichen Entwicklung des digitalen Lesermarktes. So stieg die Zahl der Digital-Abos zum Jahresende 2018 auf über 70'000 nach knapp 50'000 per Ende 2017. Zusätzlich wurden im vergangenen Jahr 100'000 Tagespässe verkauft. Verwaltungsrats-Präsident Pietro Supino sprach am Dienstag vor den Medien denn auch von einem «Durchbruch». Er gab sich zudem überzeugt, dass für Qualitätsjournalismus auch künftig eine Zahlungsbereitschaft besteht.

Um den zunehmend divergierenden Herausforderungen, Wachstumsaussichten und Entwicklungsgeschwindigkeiten der verschiedenen Geschäftsfelder der Gruppe gerecht zu werden, plant Tamedia eine Anpassung der Unternehmensstruktur. Die neue Organisation soll Tamedia offener und agiler für Partnerschaften machen. Als Beispiel erwähnte CEO Tonini das Geschäftsfeld der Kleinanzeigen (Classifieds), wo internationale Partnerschaften zu beschleunigtem Wachstum führen könnten. Als weitere sinnvolle organisatorische Anpassung sieht Tonini die Bündelung der bestehenden Organisationseinheiten im Bereich Werbevermarktung und -vermittlung.

Umsatzplus aber Gewinnrückgang

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2018 ist Tamedia dank den Übernahmen der Werbevermarktungsfirmen Neo Advertising und Goldbach sowie den anhaltend gut laufenden kommerziellen Digitalangeboten umsatzmässig um knapp 4 Prozent auf wieder über 1 Milliarde Franken gewachsen. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) verminderte sich dagegen deutlich um 27,2 Prozent auf 131,6 Millionen Franken. Die Marge beläuft sich damit noch auf 13,0 Prozent nach 18,6 Prozent.

Allerdings profitierte Tamedia im Vorjahr von verschiedenen buchhalterischen Sondereffekten, während 2018 der Konkurs von Publicitas mit 6,0 Millionen sowie ein höherer Vorsorgeaufwand auf die Rechnung schlugen. Unter Ausklammerung aller Sondereffekte liege das Betriebsergebnis nur leicht unter Vorjahr, schrieb Tamedia. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 129,5 Millionen Franken (minus 24 Prozent). Die Aktionäre sollen am Gewinn mit einer unveränderten Dividende von 4,50 Franken partizipieren. (awp/sda/wid)



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Kommentare

  • Arthur Meyer, 12.03.2019 09:57 Uhr
    131,6 Millionen Franken Gewinn sind in Zeiten wie diesen immer noch ganz ansehnlich. Supino braucht also vorerst noch nicht am Bettelstab nach Bern zu pilgern.
  • Sebastian Renold, 12.03.2019 10:40 Uhr
    Impressum, der Verband der Schweizer Journalisten, kommentiert die Gewinnrechnung von Tamedia wie folgt: "Das Ergebnis von Tamedia zeigte 2018 einen Gewinn von 130 Millionen Franken. Den im gleichen Jahr entlassenen Mitarbeitenden hat das Unternehmen aber noch immer keinen fairen Sozialplan angeboten, so auch den 41 Entlassenen nach der Schliessung von „Le Matin“ nicht. Jeder zusätzliche Monatslohn für die „41 du Matin“ plus die 14 Entlassenen bei "Annabelle" würde nur ca. 0,3 des Gewinns ausmachen! Tamedia lässt sich hingegen lieber ein Schiedsgericht zehntausende Franken kosten."
  • Sebastian Renold, 12.03.2019 15:51 Uhr
    Bei der Gewerkschaft Medien und Kommunikation "Syndicom" liest man: "Tamedia zeigt auch 2018 zwei Gesichter. Betriebswirtschaftlich sind die Zahlen für ein Medienunternehmen beeindruckend. Die Marge von 20.4% (Ebitda) erreicht kein anderes Medienhaus in der Schweiz nur annähernd. Damit stellt die Unternehmensleitung die Aktionäre zufrieden und rechtfertigt ihre hohen Bezüge. Die Kehrseite der Medaille betrifft die Arbeitnehmenden, die auf die Strasse gestellt werden und auf deren Rücken die Gewinne erwirtschaftet wurden. Die angekündigten Restrukturierungspläne sind deshalb für die Mitarbeitenden negativ zu bewerten. 2018 war das Jahr der Arbeitskonflikte bei Tamedia. In der Romandie streikten die Redaktionen, weil Tamedia die Tageszeitung «Le Matin» abrupt einstellte und den Mitarbeitenden nur einen ungenügenden Sozialplan in Aussicht stellte. Bis heute ist dieser Konflikt nicht gelöst - nun muss ein Schiedsgericht entscheiden. Bei den «Tamedia Editorial Services TES» und bei der «Annabelle» brauchte es interne Mobilisierungen und ein Einschreiten der Gewerkschaft, damit es zu Verhandlungen kam oder die Sozialpläne nachgebessert wurden. Alle diese Konflikte wurden durch das kompromisslose Verhalten der Unternehmensleitung ausgelöst. Dabei könnte der Wandel auch integrativ gestaltet werden. Das würde diesem Kommunikationsunternehmen gut anstehen. Tamedia zeigt keine verlegerische Verantwortung Indem Tamedia den Konzentrationsprozess in der Medienbranche an vorderster Front vorantreibt und Titel aufkauft oder schliesst, trägt sie massgeblich zur Verarmung der Medien- und Meinungsvielfalt bei. Verlegerische Verantwortung sieht anders aus. Vor allem deshalb, weil die Gewinne weiterhin sprudeln."

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