Gemäss der Studie des unabhängigen Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics ist die Bruttowertschöpfung – also der Beitrag der SRG-Tätigkeit zur Wirtschaftsleistung – in der italienischen Schweiz zwar absolut am niedrigsten. Doch der Anteil an der Gesamtwirtschaft ist dort viermal höher als in den übrigen Landesteilen. In der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz liege die Wertschöpfung bei je 0,1 Prozent, in der italienischen Schweiz jedoch bei 0,4 Prozent.
«In Relation zur regionalen Gesamtwirtschaft hat die SRG im italienischsprachigen Gebiet die grösste Bedeutung», schreiben die Autoren der Studie. Der Anteil des gesamten Beschäftigungseffekts an den gesamten Arbeitsplätzen liege beispielsweise im Tessin bei 0,8 Prozent, bei den Arbeitnehmereinkommen bei 0,9 Prozent. Damit sei die Bedeutung der SRG im italienischen Sprachgebiet rund viermal so hoch wie im gesamten nationalen Durchschnitt.
Der Anteil an den Arbeitnehmereinkommen liege in der Gesamtschweiz bei 0,3 Prozent, also dreimal tiefer. Damit hat die SRG im italienischen Sprachgebiet die «höchste gesamtwirtschaftliche Bedeutung», heisst es in der Studie. Sie wurde im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) im Jahr 2015 erstellt und im Mai 2024 aktualisiert. Per Ende 2024 arbeiteten 1124 Personen bei Radiotelevisione Svizzera (RSI).
Überproportional viele Arbeitsplätze
Etwas mehr als die Hälfte der SRG-Arbeitsplätze ist laut Studie an Standorten in der Deutschschweiz angesiedelt, etwas mehr als ein Viertel in der französischen Schweiz. Mit einem Anteil von 18 Prozent ist der Anteil der Arbeitsplätze im italienischen Sprachgebiet im Vergleich zur Bevölkerung deutlich überproportional vertreten.
Gemäss einer Modellsimulation müsste man in der Schweiz bei einem Ja zur Initiative bei der SRG selbst sowie den Unternehmen, die von Aufträgen von der SRG direkt oder indirekt profitieren, mit einem Wertschöpfungsrückgang um rund 46 Prozent rechnen, ergänzt Michael Grass, Bereichsleiter Branchen- und Wirkungsanalyse bei BAK Economics, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Konkretere Angaben zu möglichen redaktionellen Konsequenzen bei RSI sind nicht erhältlich; die RSI-Pressestelle verweist an die SRG-Medienstelle, welche auf Anfrage festhält, dass die SRG im Falle eines Ja zur Initiative «die Präsenz» in den Regionen abbauen müsste. «Wir kämen nicht umhin, massiv zu zentralisieren», sagt der SRG-Mediensprecher. Diese Zentralisierung und Schwächung der Regionen würde sich besonders nachteilig auf die Sprachminderheiten und Randregionen auswirken.
Bei einem Ja zur Initiative gäbe es generell weniger Regionaljournalismus, weniger Eigenproduktionen, weniger Sport und weniger Kultur, fügt der Mediensprecher an. Gemäss Berechnungen des BAK Economics könnte die Annahme der Initiative in der italienischsprachigen Schweiz insgesamt zu einem Wertschöpfungsrückgang um 59 Prozent und einem Abbau von rund 550 Stellen (-57 Prozent) führen.
«RSI ist für die italienische Schweiz von grundlegender Bedeutung: Sie garantiert eine umfassende Berichterstattung über die italienischsprachige Schweiz und fördert die italienische Sprache sowie die regionale Kultur», heisst es in der Studie von BAK Economics weiter. Die SRG verhindere somit eine Isolierung der Region.
Ein Abbau bei RSI hätte «schwerwiegende Folgen für die lokale Wirtschaft, die Berufsbildung, die lokale Kulturszene und ihre Entwicklung» sowie für die regionale audiovisuelle Industrie und die Erhaltung des Kulturerbes. «Besonders betroffen wäre dabei die italienischsprachige Gemeinschaft im Kanton Graubünden», heisst es.
Chiesa: «RSI hat Sparpotential»
Auf die Frage, ob eine mögliche Annahme der Halbierungsinitiative nicht den bereits wirtschaftlich eher schwachen Kanton Tessin noch stärker schwächen würde, schreibt das Initiativkomitee auf Anfrage von Keystone-SDA: «Wenn man die Unternehmen stärken will, so ist es umso wichtiger, dass diese Doppelsteuer für Unternehmen endlich fällt. Die Mitarbeitenden bezahlen pro Haushalt eine Gebühr und der Unternehmer zusätzlich eine Firmensteuer bis 50'000 Franken.» Diese unfaire Doppelsteuer müsse jetzt fallen. Die SRG-Initiative entlaste die Unternehmen, aber auch Familien, Einzelhaushalte und den Mittelstand.
Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (SVP) ist auch Mitglied des Initiativkomitees und sagt auf Anfrage von Keystone-SDA, im Tessin brauche es einen Service public, die Initiative stelle diesen nicht infrage. «Die RSI verfügt über überproportional viele Mittel im Vergleich zu SRF und RTS – das ist richtig so und wird auch mit der Initiative so bleiben.» Doch RSI habe «durchaus Sparpotenzial» und sei – wie SRF und RTS – überdotiert. «Daher ist die Initiative richtig», zeigt sich Chiesa überzeugt. Die SRG müsse sich auch im Tessin «auf den Kernauftrag» konzentrieren.
Kaum überraschend sind die Ergebnisse der BAK Economics-Studie für den Direktor der Tessiner Wirtschaftskammer, Luca Albertoni. Es sei klar, dass ein Abbau Auswirkungen auf die Region hätte, sagt Albertoni auf Anfrage von Keystone-SDA. Jeder Abbau habe Einfluss auf die gesamtregionale Wirtschaft. (sda/nil)
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22.12.2025 18:25 Uhr

