20.11.2015

Faces

Tom Kummer auf Wahrheitssuche

Der Skandalreporter hat Mark Zuckerberg "getroffen".
Faces: Tom Kummer auf Wahrheitssuche

Er war ein heller Stern am Journalisten-Firmament. In den 90er Jahren erschienen seine Storys in den Magazinen der "Süddeutschen Zeitung" und des "Tages-Anzeigers", im "Spiegel" oder der "Zeit". Tom Kummers Geschichten werden als "die besten Interviews, die nie geführt wurden" bezeichnet.

Als im Jahr 2000 aufflog, dass er Promi-Interviews frei erfunden hatte, löste das einen Medienskandal aus, der bis heute unvergessen ist. Kummer, der sich selbst als "Borderline-Journalist" bezeichnet, schreibt seit einigen Jahren wieder für verschiedene Medien – neu auch für das Lifestylemagazin "Faces".

Recherche mit Drohne und Richtmikrofon

Er werde ab sofort wieder regelmässig "seine wunderbare Welt öffnen", schreibt das Magazin in einer Mitteilung. Im nächsten Jahr sind vorerst vier Interwies geplant. Den Anfang macht Kummer mit einer Geschichte über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

"Dumb Fucks: Mark Zuckerberg – von oben herab" heisst die Titelgeschichte in der Dezember-Ausgabe des Hefts. Kummers Text mündet in einen fantastischen Dialog zwischen Zuckerberg und dem Milliardär und Internet-Unternehmer Richard Rosenblatt. Mittels einer Drohne und Richtmikrofon – so beschreibt es Kummer – belauscht er die beiden im Promiviertel von Los Angeles, der Stadt in der Kummer seit mehr als 20 Jahren auch selber lebt.

Sie sprechen über "den Körperdiskurs" von Kim Kardashian, spielen Paddle-Tennis und der Facebook-Chef erzählt von seiner aktuellen Bettlektüre: Paul Valéry, Emil Cioran und Jean-Paul Sartre.

Relative Wahrheiten

Dass das "Faces"-Publikum – der durchschnittliche Leser ist laut Verlagsangaben 32 Jahre alt – Kummers Werdegang und Schreibstil mehrheitlich nicht kennt, stört Herausgeber Stefan Berger nicht weiter. Schliesslich sei Wahrheit ja auch etwas Relatives, erzählt er am Telefon gegenüber persoenlich.com. "Die Geschichte soll die Fantasie anregen und auch manches offenlassen. Sie soll damit spielen, was wahr ist und was nicht."

Welche Art Interviews in den künftigen "Faces"-Ausgaben zu erwarten sind, will Berger nicht verraten. Doch Kummers Neustart beim Magazin, für das er vor einigen Jahren bereits als Kolumnist tätig war, soll die Leser an seinen Stil heranführen: "Wir haben bewusst mit einer Story gestartet, wo der Fall ziemlich klar ist. Für einen intelligenten Leser ist es ja offensichtlich, dass sie erfunden ist."

Text: Boas Ruh, Bilder: zVg


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