Abgänge von Aushängeschildern, die Probleme bei der Digitalisierung, Pannen und vieles mehr: SRF steht seit geraumer Zeit in der Kritik. Kürzlich hatte die NZZ am Sonntag mit einer Recherche unter anderem Qualitätsmängel bei SRF thematisiert (persoenlich.com berichtete). TV-Chefredaktor Tristan Brenn hat nun in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger zu diesen Vorwürfen Stellung bezogen: «Bei dieser Qualitätsdiskussion setze ich meine Fragezeichen», sagte er – mit Verweis auf das diesjährige Qualitätsmonitoring des Jahrbuchs «Qualität der Medien». Darin seien die «Tagesschau» und «10vor10» auf den Spitzenplätzen betreffend Relevanz und Einordnung.
Eine oft gehörte Kritik lautet, dass im Rahmen des Transformationsprojekts «SRF 2024» bei Sendungen wie der «Tagesschau» gespart werde und gleichzeitig neue Digitalformate aufgebaut würden. Auch dies bestreitet Brenn gegenüber dem TA: «Wir produzieren einfach anders. Wir planen und produzieren Storys fürs Digitale und fürs lineare Programm. Das heisst nicht, dass wir speziell bei der ‹Tagesschau› stark kürzen.»
«Von einem Exodus kann keine Rede sein»
Apropos neue Digitalformate: Brenn machte gegenüber dem Tages-Anzeiger publik, dass ein Pilotprojekt auf TikTok von SRF News in Vorbereitung sei, das vermutlich im Dezember starte. Überhaupt findet es der Journalist wichtig, dass «Journalismus von öffentlichen Medienhäusern auch auf diesen Plattformen stattfindet». Denn wenn man politische Zusammenhänge nicht für ganz junge Menschen aufzeigen würde, überlasse man das Feld «all jenen, die dort auch Schrott und Fake News produzieren».
SRF musste viele prominente Abgänge hinnehmen, zuletzt etwa jene der Sportjournalisten Jann Billeter und Stefan Bürer. Angesprochen auf diese Entwicklung meint Brenn im Interview, dass die Fluktuationsrate in den SRF-Redaktionen etwa bei 3,8 Prozent pro Jahr liegen würde. Das sei nicht mehr als früher und «wohl weniger als bei den meisten anderen Medienhäusern. Von einem Exodus kann daher nicht die Rede sein.» (tim)

