12.08.2015

NZZ

«Über den eigenen Chef zu schreiben ist heikel bis unmöglich»

Redaktor Rainer Stadler über die neue Medienseite und seine Kolumne «In Medias Ras».
NZZ: «Über den eigenen Chef zu schreiben ist heikel bis unmöglich»
Der langjährige NZZ-Medienredaktor auf einem Agenturbild von 2015. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

Die Medienseite der Neuen Zürcher Zeitung erscheint ab nächster Woche jeweils samstags statt dienstags und neu im ersten Bund. Medienredaktor Rainer Stadler betreut die Seite seit 25 Jahren. Gegenüber persoenlich.com sagt er, weshalb seine Kolumne «In Medias Ras» künftig auf der Analyseseite platziert ist und welche Veränderungen die Umstrukturierung mit sich bringt.

Herr Stadler, neuer Erscheinungstag und andere Platzierung. Werten Sie die Veränderungen als Auf- oder Abwertung Ihrer Seite?
Ich sehe die Neuerungen als Stärkung und Anerkennung meiner Arbeit. Die Forschung zeigt, dass die Abonnenten am Wochenende mehr Zeit zum Lesen haben. Darum werden nun bei der NZZ die Freitags- und Samstagsausgaben mit Hintergrundseiten gestärkt. In diesem Sinn ist die Medienseite am Samstag sehr gut platziert. Im Übrigen ist die NZZ die einzige Schweizer Tageszeitung, die für dieses Themenfeld eine Vollzeitstelle finanziert.

Ihre Kolumne «In Medias Ras» erscheint künftig auf der «Meinung & Analyse»-Seite. Weshalb die Abspaltung?
Es wurde im Rahmen der Gesamtreform der Zeitung diskutiert, ob die Kolumne ein Element der Medienseite bleiben oder ob sie neu im Meinungsteil erscheinen soll. Schliesslich hat man sich für letzteren entschieden. Ich halte beides für gute und inhaltlich passende Plätze. Da die Medienseite künftig in unmittelbarer Nähe des Meinungsteils erscheint, muss der Leser nur zwei, drei Seiten weiterblättern, um sie lesen zu können.

Wie füllen Sie die Lücke der Kolumne auf Ihrer Seite?
Ein neues fixes Format ist nicht geplant. Die neue Medienseite kann nun flexibler gestaltet werden.

Abgesehen vom Wegfall von «In Medias Ras», wie verändert sich die Seite inhaltlich?
Der Fokus bleibt derselbe. Natürlich werden tagesaktuelle Ereignisse weiterhin in den aktuellen Ressorts, gedruckt oder digital, abgehandelt.

Und punkto Arbeitsablauf – Sie werden wohl künftig freitags etwas länger arbeiten müssen.
Die genauen Produktionszeiten kenne ich noch nicht. Bisher war Redaktionsschluss jeweils am frühen Montagnachmittag. Neu kann die Medienseite gegen Freitagabend abgeschlossen werden. Der Abschluss wird natürlich vor den tagesaktuellen Seiten erfolgen müssen. Der Wechsel vom Dienstag zum Samstag wird den Vorteil bringen, dass ich weniger mit Wochenendarbeit konfrontiert sein werde.

Sie arbeiten mit einem engen Kreis freier Journalisten zusammen. Kommen weitere dazu?
Nein, das Team bleibt so bestehen.

Die NZZ machte in den letzten Monaten kräftig Schlagzeilen: Zuerst mit dem Somm-Deal und danach mit Entlassungen. Darüber war auf der Medienseite nichts zu lesen. Haben Sie einen Maulkorb verabreicht bekommen? 
Nein, das habe ich nicht. Aber ich schreibe bewusst nicht über hauseigene Personalien, ob negativ oder positiv. Wie glaubwürdig wären solche Berichte? Über den eigenen Chef zu schreiben ist heikel bis unmöglich. Diese Themen muss die Konkurrenz bearbeiten. Und einige berichten ja ganz gerne über die NZZ.

Dann frage ich direkt nach: Was macht die NZZ im Vergleich mit der Konkurrenz gut, und was nicht?
Da bin ich als NZZ-Redaktor wohl etwas befangen. Eine Stärke der NZZ ist ihre thematische Breite und Ausführlichkeit und ihr Wille zur Genauigkeit. Eines der grossen Themen im Journalismus heute ist die Informationssicherheit, also die Frage, ob die Medienorgane angesichts der Beschleunigung des Nachrichtenstroms noch akkurat informieren. Da gibt es in der Branche weiss Gott Defizite. Und die Sparrunden auf den Redaktionen erleichtern es natürlich nicht, Informationssicherheit zu gewährleisten.


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