11.10.2018

CH Media

«Um uns wird man nicht herumkommen»

Patrik Müller, bisheriger Chefredaktor der «az Nordwestschweiz», wird Chef der Zentralredaktion von CH Media. Der 43-Jährige verantwortet neu die überregionalen Ressorts aller Zeitungen und Newsportale. Im Interview spricht Müller über Macht, Männer und Medienvielfalt.
CH Media: «Um uns wird man nicht herumkommen»
«Schreiben wird ein wichtiger Teil meiner Arbeit bleiben», sagt Patrik Müller, neuer Chef der Zentralredaktion von CH Media – hier am Mittwoch im Newsroom in Aarau. (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Herr Müller, herzliche Gratulation zur Beförderung (persoenlich.com berichtete). Wie fühlt sich die neue Macht an?
Bis jetzt spüre ich sie nicht.

Sie sind jetzt wie Arthur Rutishauser von Tamedia oder Christian Dorer von der Blick-Gruppe ein Super-Chefredaktor. Sie kommen noch weniger zum Schreiben als bisher…
Das glaube ich nicht. Schreiben wird ein wichtiger Teil meiner Arbeit bleiben. Und wir haben auch in den Regionen Chefredaktoren, die super sind…

Man hörte Ihren Namen immer wieder in Verbindung mit externen Führungspositionen. War es nie eine Option, das Wanner-Imperium zu verlassen?
Nie eine ernsthafte. Das Unternehmen hat sich in den insgesamt 15 Jahren, in denen ich hier arbeite, gewaltig weiterentwickelt. Und immer ging es dabei um Journalismus. Jetzt kommt der nächste Schritt: CH Media ist ein nationaler Player.

War das Angebot von CH Media schlicht besser?
Es geht darum, wo man sich am besten identifizieren kann. Und darum, wen man als Chefs und Mitarbeitende hat. Das alles spricht für CH Media.

«Wir haben die Kraft, auch bei nationalen Themen führend zu sein»

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?
Unsere Medien sind in den Regionen verankert. Das ist entscheidend. Zugleich aber haben die drei Zeitungsgruppen um die «Aargauer Zeitung», die «Luzerner Zeitung» und «St. Galler Tagblatt» gemeinsam nationales Gewicht. Der überregionale Teil unserer Medien kommt auf eine Auflage von 350’000 und erreicht monatlich 2,5 Millionen Unique Clients. Gemeinsam haben wir die Kraft, auch bei nationalen Themen führend zu sein. Um uns wird man nicht herumkommen.

Pascal Hollenstein ist Leiter Publizistik. Wie teilen Sie sich auf respektive grenzen Sie sich ab?
Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr gut angelaufen. Pascal ist als Mitglied der Unternehmensleitung für die gesamte Publizistik verantwortlich und in der jetzigen Phase insbesondere für die Zusammenführung der drei Zeitungsgruppen. Meine Hauptaufgabe wird letztlich das Blattmachen sein, und auch, Pascal in seiner Aufgabe zu unterstützen.

Wie stark konnten Sie bei der Teamzusammensetzung des Bereichs Publizistik mitentscheiden?
Dieser Prozess ist ja noch am Anfang: Die Bestimmung der Ressortleiterinnen und Ressortleiter und die Zusammenstellung der Mantel-Teams – das steht noch bevor. Wir werden das gemeinsam angehen, auch unter Einbezug der regionalen Chefredaktoren. Diese bleiben ja dieselben, mit Ausnahme von Rolf Cavalli, der die «Aargauer Zeitung» übernimmt, worüber ich mich sehr freue.

«Das ist in der Tat ein Mangel»

In der Führungsriege sind nur Männer. Warum keine Frau?
Das ist in der Tat ein Mangel. Es liegt daran, dass wir auf die bisherigen Chefredaktoren setzen. Wir sind uns des Problems bewusst. Immerhin sieht es in den Ressortleitungen besser aus.

Und wo wird der Hauptsitz der Zentralredaktion von CH Media hinkommen?
Es wird einen gemeinsamen Standort geben. Wo dieser ist, steht noch nicht fest.

Wenn es Aarau sein sollte, hätten da nicht die Ost- und Zentralschweizer ein Problem damit?
Die Distanzen sind aufgrund unseres grossen Gebiets in der Tat sehr gross. Das merkt man, wenn man – wie wir es am Mittwoch taten – alle drei Hauptstandorte in St. Gallen, Luzern und Aarau am gleichen Tag besucht.

Ich meinte eher die Signalwirkung auf die anderen Regionen. Die Ostschweiz hatte ja schon ein Problem damit, dass Inhalte für das «Tagblatt» teils aus Zürich kommen. 
Wir sind ein föderalistisches Gebilde. Es bleiben alle regionalen Standorte bestehen. Und in der Zentralredaktion, wo immer sie ist, werden Journalistinnen und Journalisten mit verschiedenen geografischen Hintergründen arbeiten und ihre Perspektive einbringen. 

«Einheitsbrei wäre Gift – das Dümmste, was wir machen könnten»

Als sich Tamedia neu organisierte, kam der Vorwurf des Einheitsbreis. Wie vermeiden Sie Einheitsbrei?
Wir sind geografisch viel breiter aufgestellt und in fast allen Deutschschweizer Kantonen präsent. Einheitsbrei wäre Gift – das Dümmste, was wir machen könnten. In den Zeitungen vom Mittwoch finden Sie drei unterschiedliche Kommentare zur Bundesratskandidatur von Karin Keller-Sutter, weil die Perspektiven der Landesteile sehr unterschiedlich sind. So soll es bleiben.

Welches werden die grössten Herausforderungen für Sie sein?
Die grösste Herausforderung wird sein, den digitalen Wandel bei tendenziell weniger Mitteln zu meistern. Die Kultur ist immer noch printlastig. Hier brauchen wir eine Aufbruchstimmung Richtung Online.

Und welches ist Ihr erster Schritt?
Die neuen Kolleginnen und Kollegen in der Zentral- und Ostschweiz besser kennenlernen.



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Kommentare

  • Robert Weingart , 11.10.2018 08:30 Uhr
    „Um uns wird man nicht herumkommen „, so Patrik Müller. Hochmut kommt vor dem Fall, heisst es bekanntlich. Nun, diese Fusion ist einfach ein weiterer Schritt. In ein paar Jahren dürfte das Gebilde noch stärker unter Druck geraten. Wer so die Inhalte gratis verschenkt wie die AZ muss neue Konzepte entwickeln, so verdient man wohl zuwenig Geld. Vielleicht nur eine weitere Etappe im Untergang in Raten.

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