Er würde gerne den Digital Natives das Ruder überlassen, sagt der jüngst 62 Jahre alt gewordene SRG-Generaldirektor Roger de Weck in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Bei der SRG gelten aber die gleichen Regeln wie beim Bund: Kader arbeiten bis 65 Jahre und in gegenseitigem Einvernehmen bis 70.
Bevor er in Rente gehen kann, wird de Weck nun mit der branchenintern umstrittenen Werbe-Allianz mit Swisscom und Ringier beschäftigt sein. Der Schweizer Werbemarkt sei zu klein für Alleingänge, die Marktdominanz von Facebook und Google zu gross: "Das ist eine Einladung an uns 'petits Suisses' zu kooperieren, um wettbewerbsfähig zu werden."
Dass die Branche so empfindlich auf die Werbeallianz reagierte, kann de Weck nicht nachvollziehen: "Die Plattform ist offen für alle, die mit ihr zusammenarbeiten möchten, gänzlich diskriminierungsfrei."
Werbeeinnahmen seien für die SRG künftig trotz Gebührenfinanzierung überlebensnotwendig, weil die Versorgung eines viersprachigen Landes sehr kostenintensiv sei. Das Fernsehen müsse künftig Werbeformen anbieten, die von Auftraggebern auch gewünscht werden: "Dazu gehören zielgruppenspezifische Werbespots, die es in den USA und Grossbritannien bereits gibt und die einem Bedürfnis entsprechen."
Mehr Junge vor den Bildschirm holen
Eines der Ziele, die sich de Weck 2012 gesteckt hatte, war die Verjüngung des Publikums. Mit "Politbox" habe man das erreicht und zudem gehöre die politische Information von Jugendlichen zum Auftrag der SRG – gerade weil solche Formate für private Medienhäuser kommerziell uninteressant wären.
Aber neben Informationssendungen seien auch Unterhaltungsformate Teil des Service public, so de Weck: "Ich kam als Journalist zur SRG und habe gelernt, dass Unterhaltungssendungen wie 'SRF bi de Lüt' oder Serien wie 'Der Bestatter' so wichtig sind wie Informationssendungen." Die Trennung von Information und Unterhaltung sei gerade für die jüngere Generation irrelevant geworden.
Mehr Eigenproduktionen trotz Sparmassnahmen
2015 rechnet de Weck mit deutlich roten Zahlen, genaue Summen wollte er im Gespräch mit der NZZ jedoch nicht nennen. Der SRG-Generaldirektor verweist stattdessen auf die 12 Prozent des Budgets, die von den Verwaltungskosten abgezogen und in die Programmproduktion investiert wurden.
2016 soll der Anteil der Eigenproduktionen trotz Sparmassnahmen gehalten und 2017 sogar gesteigert werden. (nzz/lcv)
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