Ein Gericht hat laut Tamedia gegen die Berichterstattung des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) zu einem Freiburger Heiler eine superprovisorische Verfügung verhängt. Die Berichterstattung beschuldigte ihn wegen unangemessener Gesten gegenüber Patientinnen, wie 24 Heures und Tribune de Genève schrieben.
Bei dem Heiler handelt es sich um Denis Vipret, einen 40-jährigen Magnetiseur, der hauptsächlich auf seinem Bauernhof im freiburgischen Léchelles arbeitet. Laut den Medien La Liberté und Arcinfo erwirkte Viprets Anwalt am Dienstag die superprovisorische Massnahme vom Bezirksgericht Lausanne. Diese Anordnung untersagt dem Sender derzeit alle weiteren Veröffentlichungen zum Thema.
Der Bericht ist auf RTS und auf der Plattform des Deutschschweizer Radio und Fernsehens (SRF) nicht mehr abrufbar. RTS sei der Ansicht, dass die Enthüllungen «von überwiegendem öffentlichen Interesse» seien und ethische Regeln eingehalten worden seien. Dennoch sei der Sender der Verfügung gefolgt. Der Heiler bestreite die zuvor publizierten Inhalte, schrieb Tamedia aufgrund einer Stellungnahme von ihm.
Zwei laufende Strafuntersuchungen
Die Berichterstattung hat weitreichende Konsequenzen: Gegen Vipret läuft bereits eine zweite Strafuntersuchung. Die Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass Anzeige wegen Handlungen gegen die sexuelle Integrität eingereicht wurde. Bereits im Dezember 2024 war eine erste Klage gegen den Heiler im Kanton Freiburg eingereicht worden. Die Untersuchungen sind noch im Gange, es gilt die Unschuldsvermutung.
Anfang Juli hatte RTS enthüllt, dass der Magnetiseur von fünf Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird. Seit der Veröffentlichung dieser Recherche sollen etwa 15 neue Zeugenaussagen hinzugekommen sein, die in diese Richtung gehen.
Vorbelastung und geschäftliche Auswirkungen
Vipret ist bereits vorbelastet: Das Berufungsgericht des Freiburger Kantonsgerichts verurteilte ihn im Mai 2024 wegen einer Tat aus dem Jahr 2020 zu einer Geldstrafe von 2000 Franken wegen sexueller Handlungen gegenüber einer Patientin.
Der Magnetiseur besucht gemäss Arcinfo regelmässig Hotels in der Westschweiz, um seiner Kundschaft näher zu sein. Aufgrund der Enthüllungen haben einige Hotels seinen Besuch abgelehnt. Eine Ausnahme bildete eine Einrichtung in Malvilliers NE, wo der Heiler Anfang der Woche noch tätig war. (sda/cbe)

