Tamedia-Verleger Pietro Supino kritisierte in seiner Begrüssungsrede am Tages-Anzeiger-Meeting das bisherige Rollenverständnis der Medien: Zu lange habe sich der Journalismus als Plattform verstanden, auf der Eliten ihre Botschaften verbreiten und Medienmacher ihre Weltbilder pflegen, heisst es in einem Artikel des Tages-Anzeigers. Der Aufbau einer echten Beziehung zum Publikum sei nie eine Stärke von Redaktionen gewesen – ein Defizit, das sich im digitalen Zeitalter verschärft habe, als der direkte Kontakt an Plattformen wie Facebook oder Google ausgelagert wurde, so Supino.
Daraus leitet der Verleger einen notwendigen Rollenwechsel ab: Journalismus müsse aktiv den Dialog mit dem Publikum suchen. Medien sollten gezielt erfassen, was die Bevölkerung beschäftigt und wie die Stimmung ist – nicht dem Zufall überlassen. Als Beispiel nannte Supino die repräsentative Umfrage «Schweiz, wie geht's Dir?» von Tamedia und 20 Minuten.
Der moderne Journalismus solle nicht Polarisierung verstärken, sondern die tatsächliche Stimmung abbilden. Wenn die Schweiz weniger gespalten sei als behauptet, müssten Medien diese Realität sichtbar machen. Der Leistungsauftrag laute: keine Meinungen vorgeben, sondern offen erfassen, was die Bevölkerung bewegt, und diese Erkenntnisse in den öffentlichen Diskurs zurückspiegeln. «Die Kunst, in der wir uns weiter üben müssen, ist, möglichst offene Fragen zu stellen», betonte Supino.
Als Gastredner verteidigte UBS-Chef Sergio Ermotti den umstrittenen Besuch von Schweizer Unternehmern bei Donald Trump als pragmatische Beziehungspflege. Zudem warnte er die Schweiz vor Selbstzufriedenheit – insbesondere bei der kommerziellen Umsetzung von Innovationen. (nil)

