13.08.2020

Serie zum Coronavirus

«Vielleicht braucht es Menschen, die andere Wege beschreiten»

Karin Müller, Chefredaktorin von Telebasel, wird Leiterin eines RAVs. Warum dieser radikale Wechsel? In Folge 100 unserer Serie äussert sich die 55-Jährige über ihre Beweggründe.
Serie zum Coronavirus: «Vielleicht braucht es Menschen, die andere Wege beschreiten»
Macht den nächsten Karriereschritt: Karin Müller, Chefredaktorin bei Telebasel. (Bild: Marc Straumann, Zürich)
von Matthias Ackeret

Frau Müller, Sie werden nun neu Leiterin des RAV in Meilen (persoenlich.com berichtete). Was hat Sie in diesen Zeiten zu diesem radikalen Wechsel bewogen?
Ich finde den Wechsel organisch. Ich bin 55, habe viel prägen und gestalten können, vor allem in der Medienwelt. Dafür bin ich dankbar. Nun möchte ich meine Führungserfahrung, meine Coaching- und Wirtschafts-Skills, auch die Kommunikationsstärke an diesen neuen Arbeitsort mitnehmen. Und ja, auch etwas zurückgeben können. Zusammen mit einem Team, das jeden Tag eine verantwortungsvolle Arbeit macht.

Warum gerade das RAV? Was fasziniert Sie daran?
Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Arbeit im sogenannten «Alter». Es beschäftigt mich, dass man auch in Medien Textsorten vor sich hinschiebt, wo über 50-Jährige als nicht mehr brauchbar für den digitalen Arbeitsmarkt beschrieben werden. Das ist nicht wahr. Es beschäftigt mich, dass wir zu einem bestimmten Prozentsatz eine Jugendarbeitslosigkeit haben. Es ist wichtig, dass Menschen arbeiten können. Das ist ein Teil unserer Selbstdefinition und unseres Wohlstands. Und der Kanton Zürich spielt da für die Schweiz eine massgebende Rolle.  

«Ich habe viele ‹untypische› Laufbahnschritte gemacht»

Ist das Ihr definitiver Ausstieg aus den Medien oder bleiben Sie der Branche erhalten?
Mein erstes Ziel ist jetzt, mich möglichst schnell im Neuen mit allen Bezugspersonen einarbeiten zu können. Ich werde viele Texte lesen, die weniger medial sind, aber selbstverständlich auch Medien mit dem Fokus «Arbeit» stärker scannen. Vielleicht braucht es «Role Models», also Menschen, die andere Wege beschreiten, als immer die additiv vorgeahnten. Ich habe viele «untypische» Laufbahnschritte gemacht. Vom öffentlich-rechtlichen in die private Medienlandschaft. Vom Mikrofon ins Management. Ich möchte und habe auch Respekt davor, in den nächsten Jahren etwas Gutes fürs Amt für Wirtschaft (AWA) und den Arbeitsmarkt erreichen können.

Wie waren die Reaktionen auf Ihren Abgang?
Viele Gratulationen durchs Band. Ex-Kollegen von Radio SRF 3 haben sich gemeldet, «cool» war die Reaktion, ehemalige Mitarbeitende aus allen Stationen – Radio Pilatus, Radio 24, Belcom und aus der Kommunikationsbranche. Und bereits erste Journalisten, die um ihren Job fürchten.

«Die Höhepunkte sind deutlich im Plus»

Wie lange kann man Sie noch bei Telebasel sehen?
Sicher bis Ende Oktober.

Wenn Sie auf Ihr journalistisches Berufsleben zurückschauen: Was war für Sie der Höhe- und auch der Tiefpunkt?
Höhepunkt waren sicher die Ende 1980er-Jahre beim damaligen DRS 3 mit einem dermassen charaktervollen Team: Susanne Brunner, Markus Wicker, Francois Mürner, Luzia Schmied, Dänu Böemle. Und viele sind jetzt nicht genannt. Das war «Radio hören macht Lärm» und «amtlich bewilligter Störsender», die Claims haben wir an einem Mittagessen im Brunnenhof-Personalrestaurant entwickelt. Eine Zeit, die so nicht mehr sein kann. Höhepunkt war auch das Hörerallzeithoch bei Radio 24 mit über 320'000 Zuhörenden. Tiefs waren, dass ich die Fehler nicht schneller und mehr gemacht habe. Ich zitiere da indirekt Marlene Dietrich. Die Höhepunkte sind deutlich im Plus.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.

 



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