28.07.2025

NZZ

Von Colbert über Gautschy bis zu Schawinski

Roger Schawinski vergleicht die Absetzung des amerikanischen Talkmasters Stephen Colbert mit derjenigen der SRF-Talker Roman Brodmann, Dietmar Schönherr, Heiner Gautschy – und mit dem Ende seiner eigenen Talkshow.
NZZ: Von Colbert über Gautschy bis zu Schawinski
Heiner Gautschy attackierte in der Sendung «Unter uns gesagt» des Schweizer Fernsehens den damaligen Blick-Chefredaktor Peter Übersax, was Gautschy die Stelle kostete. (Bild: Screenshot SRF)

Der berühmte amerikanische Late-Night-Talker Stephen Colbert fiel bei seinen Bossen des amerikanischen TV-Senders CBS in Ungnade: Seine Sendung wird im Mai nächsten Jahres abgesetzt (persoenlich.com berichtete). Offiziell wegen zu hoher Kosten und zu tiefen Einschaltquoten, inoffiziell wegen der Dauerkritik an Präsident Trump.

In der NZZ vom Montag zieht Medienpionier Roger Schawinski Parallelen zum Schweizer Fernsehen und listet dabei die Absetzungen bekannter TV-Moderatoren und deren Sendungen auf – von Roman Brodmann über Dietmar Schönherr und Heiner Gautschy bis hin zu sich selbst. Im Gegensatz zu anderen Fernsehsendern seien bei der SRG die Saläre in der Direktion weitaus höher als diejenigen der «Fernsehgesichter», die für die Quote sorgten. Diese Rangordnung habe nicht nur materielle, sondern auch psychologische Folgen. Denn wer mehr verdiene, der halte sich auch für bedeutender, was sich vor allem in Krisensituationen zeige. So vertrete man zuerst die eigenen Interessen.

Schawinski coachte Gautschy

So titulierte der bekannte Moderator und Schauspieler Dietmar Schönherr 1981 den damaligen amerikanischen Präsidenten Reagan als «Arschloch», was zur sofortigen Einstellung seiner Sendung führte. Drei Jahre später – 1984 – musste Radio-Legende Heiner Gautschy («Die Stimme aus New York») seinen Stuhl im Leutschenbach räumen. Gautschy attackierte in seiner Sendung «Unter uns gesagt» den damaligen Blick-Chefredaktor Peter Übersax pausenlos mit kritischen Fragen und liess ihn dann nicht ausreden. Dies führte nach einer anschliessenden Blick-Kampagne zur Absetzung der beliebten Gesprächssendung.

Im NZZ-Artikel bekennt Schawinski, dass er im Vorfeld Gautschy, mit dem er privat befreundet war, gecoacht habe, wobei er selbst den Part von Übersax eingenommen habe. In der Livesendung selbst habe sich Gautschy aber nicht mehr an die Abmachungen gehalten. «Wir sahen uns später noch oft, und er machte mir keine Vorwürfe. Ich aber grüble bis zum heutigen Tag darüber, ob ich eine gewisse Mitschuld an seinem unwürdigen beruflichen Ende habe, weil er aufgrund der Probesendung, die ich vorgeschlagen hatte, sich und seine Rolle völlig falsch einschätzte», so Schawinski.

Aus Kostengründen gestrichen

Auch die Absetzung seiner eigenen Talksendung «Schawinski», der 2021 nach 400 Folgen der Stecker gezogen wurde, sieht er in dieser Tradition. Obwohl sie gute Zahlen und Reaktionen erzielt habe, sei sie am Leutschenbach wohl zu kritisch gewesen. Nach dem Wechsel der SRF-Direktion von Ruedi Matter zu Natalie Wappler wurde sie aus «Kostengründen» aus dem Programm gestrichen. Dabei habe es sich um die billigste Sendung überhaupt gehandelt. (ma)


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KOMMENTARE

Oliver Kraaz
30.07.2025 09:13 Uhr
Schawinksi schreibt über Colbert, um dann am Schluss (wie immer) bei sich zu landen. Muss man können. Würde wohl auch bei der Mondlandung oder der Gründung der UNO funktionieren.
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