25.07.2025

20 Minutes

Vorschläge zur Stellenrettung stossen auf taube Ohren

Trotz konkreter Angebote der Redaktion wie Gehaltsverzicht oder Stellenreduktion hält die Leitung von 20 Minuten am Plan fest, die Westschweizer Redaktion stark zu verkleinern. Das Management verweist auf die strategische Neuausrichtung mit der Einstellung der Papierausgabe.
20 Minutes: Vorschläge zur Stellenrettung stossen auf taube Ohren
Eine Frau liest die erste Ausgabe von 20 Minutes am 8. März 2006 in Genf. (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Die Unternehmensleitung von 20 Minuten hat sämtliche Vorschläge der Mitarbeiter zur Reduktion der geplanten 37 Entlassungen abgelehnt. Die Personalkommission (Peko) von 20 Minutes und lematin.ch reagierte am Donnerstag in einer Medienmitteilung mit «tiefer Bestürzung» auf diese Entscheidung.

Im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahrens hatte die Peko rund 15 Massnahmen vorgeschlagen, die von möglichen Kosteneinsparungen bis hin zu Ideen für zusätzliche Einnahmen reichten. Dabei ging es etwa um eine Reduktion der Arbeitszeit, um Gehaltsverzicht bei Führungskräften oder die Einführung bezahlter Inhalte sowie den Verzicht auf Dividenden für Aktionäre.

«In den letzten Jahren immer Gewinn erwirtschaftet»

Die Vertretung des Personals argumentierte damit, dass «die finanzielle Gesundheit der 20-Minuten-Gruppe trotz stetig sinkender Werbeeinnahmen in den letzten Jahren weiterhin ausreichend solide war, um Gewinne zu erwirtschaften», wie es in einem Dokument steht, das persoenlich.com vorliegt. Die Streichung von zwei Dritteln der Stellen der Redaktion von 20 Minutes sei daher «absolut unnötig». Nach Ansicht des Personals hätten so bis zu 25 der 37 gefährdeten Stellen gerettet werden können.

Die Leitung von 20 Minuten wies diese Vorschläge jedoch zurück. Eine Sprecherin begründete den Entscheid auf Anfrage von persoenlich.com so: «Die Vorschläge der Mitarbeitenden wurden sorgfältig geprüft. Leider ermöglichen sie keine signifikanten Änderungen an der geplanten Reorganisation, da die betriebswirtschaftlichen Realitäten weiterhin unverändert bestehen.» Die strukturellen Herausforderungen im Werbemarkt, so die Sprecherin weiter, insbesondere im Bereich Print, machten die Fokussierung auf das digitale Angebot und die damit verbundenen organisatorischen Anpassungen notwendig. Die im Juni getroffene Entscheidung, die tägliche Printausgabe per Ende 2025 einzustellen und die Organisation neu aufzustellen, bedinge einen Stellenabbau.

«Offensichtliche Gleichgültigkeit des Managements»

Die Personalkommission wirft der Unternehmensleitung vor, die Vorschläge «mit einer knappen Begründung» systematisch abgelehnt zu haben. Diese «offensichtliche Gleichgültigkeit des Managements» beweise, dass «die Strategie der Gruppe die menschlichen und redaktionellen Aspekte ihrer eigenen Medien völlig ausser Acht lasse». Die Kommission sieht in der Konzernstrategie eine existenzielle Gefahr für die Medienlandschaft in der Westschweiz.

Die Mediengewerkschaft Syndicom, die das Personal unterstützt, kritisiert das Vorgehen in einer Stellungnahme zuhanden von persoenlich.com ebenfalls scharf: «Wir verstehen nicht, dass TX Group auf keinen Vorschlag im Konsultationsverfahren eingegangen ist. Umso wichtiger, dass das Unternehmen Hand für Verhandlungen für einen guten Sozialplan bietet.»

Als Zeichen des Protests lancierte das Personal eine Petition zur Unterstützung der Zeitung, die innerhalb weniger Stunden mehrere Tausend Unterschriften zusammenbrachte (persoenlich.com berichtete). Die Personalkommission kündigte zudem an, «weitere Schritte zu unternehmen, um die Position ihres Arbeitgebers anzufechten».

«Wir bedauern die Auswirkungen auf einzelne Mitarbeitende sehr»

Die TX Group hatte ursprünglich angekündigt, bis zu 80 Stellen bei der Neuorganisation der Gratiszeitungen 20 Minutes und 20 Minuten zu streichen und eine nationale Redaktion zu schaffen, die sowohl die Deutschschweiz als auch die Romandie abdeckt. «Wir bedauern die Auswirkungen auf einzelne Mitarbeitende sehr», teilt eine Sprecherin mit. Weitere Stellungnahmen gebe das Unternehmen derzeit nicht ab.


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