15.04.2002

Ringier

VR-Präsident kritisiert Vorgehen seiner Journalisten

"Kein Dienst am Hause Ringier".

Der Verwaltungsratspräsident des Ringier-Konzerns, Uli Sigg, hat das Vorgehen der Journalisten seines Hauses im Fall Borer kritisiert. In Interviews der Sonntagspresse sagte der frühere Botschafter in China, die Affäre sei kein Dienst am Hause Ringier gewesen, und schloss interne Konsequenzen nicht aus. Der publizistische Ausschuss des Ringier-Konzerns werde sich mit dem Fall auseinander setzen, sobald sich die Situation etwas beruhigt habe, sagte Sigg in einem Interview der NZZ am Sonntag. Ziel der internen Gespräche sei es, die Artikelserie zu werten und allfällige Konsequenzen zu ziehen.

Die erste Geschichte im SonntagsBlick über Thomas Borer halte er für eine Fehlleistung, sagte Sigg und forderte dazu auf, dem Risikopotenzial des Boulevardjournalismus mit einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein zu begegnen. Der Präsident des Ringier-Verwaltungsrats stellte sich aber zugleich hinter die Strategie von Verleger Michael Ringier, unter dessen Führung der Boulevard im Blick mehr gesellschaftliche Relevanz erhalten habe.

Mit Ringier kreuzte Sigg auch im SonntagsBlick die Klingen in einem Streitgespräch. Auf die Frage, was nach der Affäre bleibe, sagte er: "Es gibt keine Gewinner. Das war auch kein Dienst am Hause Ringier." Ringier bekräftigte, Blick und SonntagsBlick liessen sich nicht von ihrem Kurs abbringen. Der am vergangenen Mittwoch vom Bundesrat von seinem Botschafterposten in Berlin auf die Zentrale zurückberufene Borer habe sich die Geschichte selber eingebrockt, sagte Ringier. Denn er habe dem SonntagsBlick das Schlimmste vorgeworfen, nämlich die Lüge.


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