10.09.2015

Swisscom/SRG/Ringier

Weko prüft die Werbeallianz vertieft

Die Zusammenarbeit bei TV-Werbung könnte zu einer marktbeherrschenden Stellung führen.
Swisscom/SRG/Ringier: Weko prüft die Werbeallianz vertieft

Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) hat in den nächsten vier Monaten einen Fall zu prüfen, der in der Schweizer Medienlandschaft bereits hohe Wellen geschlagen hat: Das noch namenlose Gemeinschaftsunternehmen von Swisscom, SRG und Ringier, in dem diese ihren Werbeverkauf bündeln wollen.

Von den einen als innovative Lösung gelobt, von andern als medienpolitisch höchst bedenklich gerügt, hat das Vorhaben seit der Vorstellung vor einem Monat für heftige Turbulenzen gesorgt. So führte es zum Austritt von Ringier aus dem Verband Schweizer Medien (VSM).

Swisscom, SRG und Ringier wollen mit dem Joint Venture internationalen Online-Riesen wie Google oder Facebook auf dem Werbemarkt die Stirn bieten. Diese sind stark in der Datenauswertung und können so personalisierte Werbung verkaufen.

Mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen planen die beiden Medienhäuser und das Telekomunternehmen ebenfalls solche auf die Zielgruppe zugeschnittene Werbung anzubieten, etwa im Fernsehen. Alle drei Unternehmen sollen ihre Nutzerdaten in die neue Firma einbringen, die Swisscom zudem ihr technisches Knowhow, die SRG und Ringier ihre Werbeplattformen.

Vertieft prüfen

Dazu muss nun aber erst die Weko ihre Einwilligung geben: Sie werde den Zusammenschluss "vertieft prüfen", heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die vorläufige Prüfung habe nämlich ergeben, dass die Zusammenarbeit bei der zielgruppenspezifischen TV-Werbung zu einer marktbeherrschenden Stellung führen oder diese verstärken könnte. Dafür bestünden Anhaltspunkte.

Für die Gegner der Werbeallianz ist der Fall längst klar. Für sie ist das Gemeinschaftsprojekt eine Wettbewerbsverzerrung und damit eine Gefahr für die Medienvielfalt. "Es geht überhaupt nicht an, dass eine Werbeallianz (...) mit zwei staatsnahen Unternehmen die anderen Privaten letztlich an die Wand drückt", sagt VSM-Geschäftsführerin Verena Vonarburg in einem Interview mit persoenlich.com.

Von Bedeutung seien ja vor allem die Nutzerdaten der Swisscom, die wegen ihrer Marktmacht so viel über die Schweizer wisse wie sonst niemand hierzulande. "Mit diesen Daten lässt sich sehr gut und für teures Geld Werbung verkaufen, und diese Daten müssen allen Marktteilnehmern diskriminierungsfrei zur Verfügung stehen", sagt Vonarburg.

Eklat an Sitzung

Am Tag nachdem die drei Unternehmen ihr Vorhaben vorstellten, fand zufälligerweise eine Klausurtagung des VSM statt. An dieser gab es gemäss Ringier "intensive Diskussionen" über die geplante neue Firma. Der VSM habe faktisch ein Werbeverbot für die SRG gefordert. Das sei eine Radikalforderung, hinter der Ringier nicht stehen könne. In der Folge trat das Medienhaus aus dem Verband aus.

Ringier, die SRG und Swisscom betonen, ihre neue Firma stünde auch anderen offen. "Wir sind kein geschlossener Club", sagte Ringier-Chef Marc Walder im August. Allerdings sei für die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern vorerst ein Kundenverhältnis angedacht, also keine Aufnahme von weiteren Aktionären. (sda)

Bilder: Keystone



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