23.01.2019

Fall Relotius

«Weltwoche» informiert über den Stand der Ermittlungen

Schriftsteller und Filmemacher Leon de Winter erinnert sich an einen «gut vorbereiteten Interviewer». Claas Relotius selbst habe sich trotz wiederholter Kontaktversuche nicht bei der «Weltwoche»-Redaktion gemeldet.
Fall Relotius: «Weltwoche» informiert über den Stand der Ermittlungen
Diskutierte den Fall Relotius anlässlich der Dreikönigstagung 2019: «Weltwoche»-Verleger und Chefredaktor Roger Köppel. (Bild: Keystone-SDA/Gaëtan Bally)

In der Woche vor Weihnachten hatte der «Spiegel» über den Fälschungsskandal im eigenen Haus berichtet. Wie sich schon kurz nach Bekanntwerden des Falles herausstellte, hatten auch Schweizer Publikationen Texte von Claas Relotius gedruckt – neben «NZZ am Sonntag», «NZZ Folio» und «Reportagen» auch die «Weltwoche» (persoenlich.com berichtete).

Nun hat auch die «Weltwoche» den Fall aufgearbeitet. Sie hatte zwischen 2012 und 2016 insgesamt 25 Interviews, eine Reportage sowie zwei Nachrufe von Claas Relotius abgedruckt. Laut dem Zwischenstand dieser Ermittlungen, über die das Köppel-Blatt in der aktuellen Ausgabe berichtet, konnten in acht Fällen die Interviewten respektive ihre Agenten bestätigen, dass die Gespräche mit Relotius geführt worden waren. In zwei Fällen – Jean-Claude Trichet und Leon de Winter – sei es gelungen, auch den Inhalt des gedruckten Gesprächs als korrekt bestätigen zu lassen. Schriftsteller und Filmemacher de Winter habe sich wie folgt geäussert: «Ich erinnere mich an einen gut vorbereiteten Interviewer und bin komplett mit dem gedruckten Stück einverstanden. In meinem Fall leistete Relotius erstklassige Arbeit.»

Laut «Weltwoche» hat keine der kontaktierten Personen dementiert, mit Relotius gesprochen zu haben. «Zwei Autoren können sich nicht mehr an ein Treffen erinnern, schliessen jedoch nicht aus, dass sie mit Relotius gesprochen haben. Relotius selbst hat sich trotz wiederholter Kontaktversuche nicht bei uns gemeldet», so die «Weltwoche». Die Redaktion hält fest, dass sich die Nachprüfung «in vielen Fällen schwierig gestaltet». Jahre nach den Gesprächen sei es oft unmöglich, den genauen Wortlaut zu bestätigen.

Das Blatt verspricht, seine Untersuchung «konzentriert» fortzusetzen und die Leser diesbezüglich auf dem Laufenden zu halten.

Dass auch die «Weltwoche» den Fall aufarbeiten wird, hatte Chefredaktor Roger Köppel anlässlich der Dreikönigstagung des Verlegerverbandes am 9. Januar erwähnt (persoenlich.com berichtete), bei der er mit Judith Wittwer (Tages-Anzeiger), Luzi Bernet (NZZ am Sonntag) und Sidonia Küpfer (Schaffhauser Nachrichten) über Relotius diskutierte. (eh)



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