Das Forschungsinstitut "Öffentlichkeit und Gesellschaft fög" der Universität Zürich hat die Berichterstattung zur bevorstehenden Gebührenreform-Abstimmung dahingehend untersucht, wie ausgewogen die Pro- und Contra-Argumente in Artikeln sowie Sendungen der direktbetroffenen SRG dargelegt werden. Der Zeitung "Schweiz am Sonntag" liegen die Ergebnisse des Abstimmungsmonitors vor, die vor allem deshalb interessant sind, weil Medienverlage in dieser Vorlage Eigeninteressen haben.
Supino kämpft dagegen
Was laut den Medienforschern grundsätzlich auffällt: keine andere Abstimmungsvorlage vom 14. Juni erhält mehr mediale Aufmerksamkeit als die RTVG-Revision. Dazu sind im untersuchten Zeitraum fast doppelt so viele Artikel erschienen wie zum Beispiel zur Erbschaftssteuerinitiative. Besonders unausgewogen berichteten im untersuchten Zeitraum zwischen dem 1. März und 19. Mai gemäss der Fög-Studie die "Weltwoche" und die "Basler Zeitung", die den angeblichen "Staatssender SRG" grundsätzlich in Frage stellen. Sehr kritisch berichten die Ringier-Medien, allen voran "Blick", während sich bei Tamedia, deren Verleger Pietro Supino die SRG-Internetaktivitäten an vorderster Front aktiv bekämpft, vor allem die "SonntagsZeitung" gegen die Vorlage positioniert. Im Vergleich dazu berichtet der "Tages-Anzeiger" zwar kritisch, aber ausgewogener.
SRF berichtet "ausgewogen bis positiv"
Die NZZ landet vor allem dank Gastbeiträgen im ausgewogenen Bereich. Bei den AZ Medien, welche auch die "Schweiz am Sonntag" herausgibt, überwiegt in der "Aargauer Zeitung" die positive Berichterstattung – der Verlag hat mit seinen TV-Sendern ökonomisches Interesse an zusätzlichen Einnahmen aus dem SRG-Gebührentopf. Die AZ-Redaktion lehnt die Revision allerdings im Unterschied zu Verleger Peter Wanner ab. Auch die «Schweiz am Sonntag» berichtete eher kritisch. In der "Südostschweiz" von Somedia, die ebenfalls einen TV-Sender betreibt, überwiegt die positive Berichterstattung.
Die "Tagesschau" von SRF schliesslich berichtet laut den Forschern "ausgewogen bis positiv". "Die Analyse zeigt, wie Eigeninteressen die Medienberichterstattung prägen können", sagt Studienleiter Mark Eisenegger gegenüber der "Schweiz am Sonntag". "Problematisch ist vor allem, dass diese Eigeninteressen für das Publikum selten transparent gemacht werden". (SchaS)
Eine Umfrage unter den Chefredaktoren zur RTV-Vorlage finden Sie auf persoenlich.com.

