17.03.2015

Apple Watch

Wie die Schweizer Verlagshäuser für die Smartwatch gerüstet sind

Mit seinem neusten Produkt stellt der US-Technologieriese Apple die Verlagshäuser weltweit vor grosse Herausforderungen. Wie lassen sich Nachrichten auf dem kleinen Bildschirm einer Smartwatch darstellen? Will man innovativ sein oder erst mal abwarten? Gefragt sind neue Konzepte und Features. Redaktionen im Ausland präsentieren bereits erste Apps. Wie steht es bei der "NZZ", "Watson", "Blick", "Tages-Anzeiger" und "20 Minuten"? Persoenlich.com hat nachgefragt.
Apple Watch: Wie die Schweizer Verlagshäuser für die Smartwatch gerüstet sind

Mit Spannung wird sie erwartet, die Apple Watch. Am 24. April kommt das neuste Produkt aus dem Hause Apple auf den Markt – vorerst in den USA, Australien, China, Japan, Kanada, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland. Über den Verkaufsstart in der Schweiz ist noch nichts bekannt.

Für Nachrichtenredaktionen stellt die Uhr eine neue Herausforderung dar. Wie können News auf dem kleinen Bildschirm der Smartwatch aussehen? Einige grosse Medienhäuser im Ausland haben sich bereits Gedanken gemacht und eigene Apps angekündigt. Der deutsche Axel Springer Verlag lanciert pünktlich zum Verkaufsstart Applikationen für "Bild“, "Die Welt“ und "N24“. Geplant ist, die wichtigsten Nachrichten, Pushmeldungen sowie Sport-Liveticker aufs Handgelenk der Leser zu liefern. Auch "Spiegel" und "Zeit" springen auf und wollen spätestens zum Launch der Uhr über das Angebot informieren.

Der amerikanische TV-Sender CNN setzt bei der Smartwatch vor allem auf Breaking News und will durch die Auswahl von zwölf Lieblingskategorien "Personalisierung" schaffen. Der bisher erste neue Ansatz kommt aus Grossbritannien. Für den "Guardian“ sind vor allem Zeit und Ort massgebend, wie der Leser bedient werden soll. Morgens aktuelle Nachrichten, nachmittags leichte Informationen gespickt mit schönen Bildelementen.

Abwarten in der Schweiz

Im Gegensatz zum Ausland nehmen Schweizer Verlage eine eher abwartende Haltung ein. Eine eigene App für die Apple Watch haben weder "NZZ“, “Tages-Anzeiger","20 Minuten", "Blick" noch "Watson“ in petto. "Die für Medienunternehmen interessanten Nutzungsszenarien wie Push-Nachrichten oder erweiterte Userinteraktionen durch Tab-Gesten auf der Uhr bringen dem Leser aus Sicht der NZZ noch zu wenig Nutzen", sagt Sprecherin Myriam Käser. An der Falkenstrasse beobachte man die gewählten App-Ausgestaltungsmöglichkeiten aber sehr genau, fügt sie an. Sollte sich die Ausgangslage ändern, würde man entsprechend zeitnah reagieren.

Auch bei "Watson“ zeigt man sich zurückhaltend: Chefredaktor Hansi Voigt sagt der Smartwatch "eine eher ergänzende Funktion zur bestehenden Mediennutzung“ voraus. "Wir beobachten die Apple Watch genau, müssen aber zuerst ein Gefühl für die Nutzungsbedürfnisse entwickeln", sagt er. Sobald die Bedingungen klar seinen, werde man über eine allfällige App nachdenken und Nutzen und Ertrag abwägen. Über die iPhone-App werde "Watson" aber von Beginn an auf der Apple Watch stattfinden.

Bei Ringier hat sich der "Blick" intensiv mit dem Thema Smartwatch befasst. "Das Team Digital Media arbeitet an Konzepten, zudem werden die Kosten für eine App evaluiert", sagt Sprecher Edi Estermann. Eine solche liesse sich aufgrund der Vorarbeit relativ schnell in verschiedenen Ausprägungsvarianten lancieren.

Neue Stadt-App beim Tagi

Etwas optimistischer klingt es an der Werdstrasse. "Tages-Anzeiger" sowie "20 Minuten" wollen ihre iPhone-App smartwatch-tauglich machen. "Es ist klar, dass wir hier dabei sein müssen“, sagt Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung und stellvertretender Chefredaktor, gegenüber persoenlich.com. Die Apple Watch werde eine riesige Aufmerksamkeit erlangen, die sich Unternehmen zunutze machen könnten. In einem ersten Schritt bediene "20 Minuten“ seine Leser mit Pushmeldungen sowie Sport-Liveticker auf dem Handgelenk. Danach sehe man weiter, so Wälty.

Beobachten und ausprobieren

Ähnlich klingt es beim "Tages-Anzeiger“: "Man muss parat sein und es ausprobieren“, sagt Michael Marti, Mitglied der Chefredaktion und Leiter Digital im Gespräch. Bis voraussichtlich im Mai solle das neuste Update der iPhone-App freigegeben werden. Ab dann soll der Tagi Eilmeldungen auf die Apple Watch senden. Bei neuen Produkten denkt man beim "Tages-Anzeiger" jedoch bereits weiter. Wie Marti erklärt, wird im Herbst eine neue "Stadtapp“ die nicht mehr erneuerte "ZüriTipp“-App ersetzen. Mit den vielen neuen Features sei diese perfekt zugeschnitten für die Apple Watch.

Akzeptanz der Smartwatch bleibt ungewiss

Den Redaktionen bleibt noch etwas Zeit, sich für die Apple Watch zu rüsten. Fraglich ist auch, wie gut sich das Produkt in der Startphase verkauft. Neueste Umfragen zeigen, dass das Interesse an der Apple Watch nicht besonders gross ist. Bei Reuters, der weltweit grössten Nachrichtenagentur, haben 47,5 Prozent der 1'245 Teilnehmer bei einer repräsentativen Umfrage zwischen dem 9. und 13. März angegeben, überhaupt kein Interesse an der Apple Watch zu haben. Weitere 22,1 Prozent sind an der Apple-Smartwatch nicht sehr interessiert. Rund 70 Prozent der Befragten haben "keine" oder nur "eine sehr geringe Intention", die Apple Watch zu kaufen.

Doch vom kurzfristigen Erfolg oder Misserfolg der Apple Watch lassen sich die Experten nicht beirren. Sie sind sich einig: Längerfristig wird sich ein Gadget, dass der Mensch am Körper trägt durchsetzen - sei es nun am Handgelenk, an der Hüfte oder auf der Nase.

Text: Michèle Widmer, Bild: Keystone (Bearbeitung: Corinne Lüthi)



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