Peter Röthlisberger, Sie selbst haben erst am Tag der Pressekonferenz vom Ende von TV3 erfahren. Was bedeutet das Aus von TV3 für Sie und Ihren Sender?
Für die Mitarbeitenden von TeleZüri wird das keine grossen unmittelbaren Veränderungen nach sich ziehen auch für das Produkt nicht. Ich persönlich sehe mich jedoch mit dem Problem konfrontiert, dass ich seit August sehr gut mit Jürg Wildberger, Sandra Tuttlies (Leiterin Sales und Marketing), Felix Kündig (CFO) und TV3-Programmleiter Christoph Bürge zusammengearbeitet und das ganze Projekt für den Relaunch aufgegleist habe. Jetzt müssen wir uns neu orientieren in einer Phase, in der wir gerne zum Schlussspurt angesetzt hätten.
Was verstehen Sie unter Neuorientierung?
Unser Verkauf Sales und Marketing wäre bei TV3 angesiedelt worden. Das müssen wir nun anders organisieren. Auch bei den News von TV3 hätten wir im Back-Office zusammengearbeitet beispielsweise bei Olympischen Spielen oder bei Ereignissen in Bundesbern. Das produzieren wir fortan alleine.
In Ihrer neuen Funktion als Chefredaktor und Programmleiter von TeleZüri war Jürg Wildberger ein wichtiger Ansprechpartner. An wen halten Sie sich in Zukunft?
An Michel Favre.
Die Tamedia hat relativ lange beteuert, TV3 zu stützen. Wie sicher sind Sie, dass nun nicht auch plötzlich TeleZüri fallen gelassen wird? Haben Sie entsprechende Zeichen von Ihren Vorgesetzten erhalten?
Die Tamedia ist ein Zürcher Unternehmen, und TeleZüri unterstützt mit seinem Programm die Print- und Radioprodukte. Ein Publishing House ohne Fernsehen wäre unlogisch.
TV3 kostete die Tamedia pro Jahr mehr als 40 Millionen Franken. Wie sieht es bei TeleZüri aus?
Im Moment geben wir keine Budgetzahlen bekannt. Das hat damit zu tun, dass wir in der Planungsphase stehen. Auf Grund der neuesten Entwicklungen müssen wir in den nächsten Tagen auch unsere Hierarchiestufen überdenken und möglicherweise die Strukturen anpassen.
Der 1. Dezember gilt als eigentlicher Neustart von TeleZüri. Was ist anders als vorher?
Wir haben ein Redesign mit einem neuen Logo realisiert. Unsere Talk- und SonnTalk-Sendungen erhalten ein neues Studiodesign, die News ein neues Signet. Wir wollen den Zuschauern zu verstehen geben, dass wir einen Neuanfang haben aber keinen radikalen Wechsel.
Mit Roger Schawinski und Markus Gilli verlieren Sie die Publikumsmagnete der erfolgreichsten Sendungen. Wie wollen Sie diese Verluste auffangen?
Insgesamt hatten wir neun Publikumsmagnete, und jetzt verlieren wir zwei davon. Mit Hugo Bigi, Matthias Ackeret, Patricia Boser, Anna Maier, Ivana Imoli, Christine Schnyder sowie seit Mitte November Jeannette Eggenschwiler haben wir noch immer sieben profilierte Moderatorinnen und Moderatoren. Wir stehen dann auch nicht vor einem Nullstart.
Wie weit sind Sie in der Lage, einzelne der rund 80 Angestellten von TV3 zu übernehmen?
Zusammen mit der Technik umfasst unser Team rund 95 Leute. Wir haben keine offenen Stellen. Eine einzige Ausnahme: "TalkTäglich" bestreiten Hugo Bigi und Matthias Ackeret. Für dieses Gefäss suchen wir mittelfristig zusätzlich eine Frau.

