Herr Schmid, am Dienstag ging Ihr Wirtschafts-Onlinemedium Tippinpoint online. Wie waren die Reaktionen?
Wir erhielten viele positive Rückmeldungen. Von einem Leser habe ich sogar einen wunderschönen Blumenstrauss zugeschickt bekommen, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Die ersten haben auch schon ein freiwilliges Abo gelöst oder einen Gönnerbeitrag gesprochen.
Jede neue Plattform hat zu Beginn mit technischen Problemen zu kämpfen. Welche waren es bei Ihnen?
Die hielten sich eigentlich in engen Grenzen. Unsere Basistechnologie ist sehr stabil und schnell. Aber klar, bei der Einbindung von Inseraten und der Verlinkung mit Google und den Social-Media-Plattformen kann einem schnell schwindlig werden.
«Die Site ist bei den grossen Vermarktern angeschlossen»
Sie erwähnen Inserate. Wenn ich durch Tippinpoint.ch scrolle, entdecke ich keine Werbung. Wie finanzieren Sie sich?
Doch, wir haben Werbung. Die Site ist bei den grossen Vermarktern angeschlossen. Als weitere Finanzierungsform bieten wir auch deklarierten Sponsored Content an. Mittelfristig streben wir eine Abolösung an. Derzeit setzen wir auf freiwillige Beiträge.
«Es gibt in der Schweiz einige Newsquellen, die Themen rund um den Finanzplatz abdecken. Doch es gibt keines, das einen thematischen Fokus hat», sagten Sie uns im Januar. Auf welche ersten Artikel sind Sie besonders stolz?
Gut, nach nicht einmal einer Woche kann ich dazu nicht viel sagen. Wir haben erst die ersten 50 Meter eines Marathons hinter uns.
Hinter Tippinpoint steht «ein kleines Team von erfahrenen Journalisten und Medienmachern» (persoenlich.com berichtete). Können Sie uns Zahlen und Namen nennen?
Im journalistischen Bereich sind das Katharina Bart, die sich in der Startphase als Freelancerin engagiert. Sie schreibt ihre Texte auf Englisch, um mit Tippinpoint auch ein internationales Publikum zu erreichen. Dann kann ich auf die Unterstützung eines Online-Blattmachers zählen. Mit an Bord ist auch ein Vermarkter, der hilft, die Site zu monetarisieren.
Streben Sie personelles Wachstum an?
Nein, momentan ist das kein Thema. Freie Journalisten und Autoren sind aber schon jetzt hochwillkommen. Ich hoffe, dass schon bald weitere Namen auf Tippinpoint zu lesen sein werden.
«Für die mittlere Frist habe ich schon klare Vorstellungen»
Apropos Wachstum: Wie sieht Ihr Businessplan aus? Wann müssen Sie schwarze Zahlen schreiben?
Wir haben keine Investoren im Hintergrund. Deshalb gibt es auch keine Vorgabe, wann wir welchen Meilenstein erreicht haben müssen. Ich möchte in den nächsten Monaten eine positive Entwicklung sehen. Aber klar, für die mittlere Frist habe ich schon klare Vorstellungen.
Am 13. Februar wird über das Medienpaket abgestimmt. Streben Sie an, auch Subventionen zu erhalten?
Nein.
Wie stehen Sie zum Mediengesetz? Braucht es dieses?
Ich war immer ein Befürworter der indirekten Medienförderung. Ich finde auch, dass sie ausgebaut werden könnte, weil der Vertrieb einer Printzeitung mit abnehmender Auflage pro Exemplar immer teurer wird. Ich bin aber skeptisch, ob es das Mediengesetz braucht. Ich stelle einfach fest, dass der Journalismus in der Schweiz noch nicht auf der Intensivstation liegt.
Sie waren bis Oktober 2021 Autor und Nachrichtenchef bei Tamedia. Was reizte Sie überhaupt an der Selbstständigkeit?
Es war die Lust, etwas Neues zu wagen.
Wagen wir einen Ausblick: Wie sieht Tippinpoint in einem Jahr aus?
Ich wünsche mir, dass Tippinpoint gesund heranwächst, eine regelmässige Leserschaft aufbauen kann und mit eigenen Geschichten überraschen wird.
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07.02.2022 12:04 Uhr

